Vor einem Jahr noch weiss – jetzt ist das Matterhorn fast kahl

- Das Matterhorn zeigt sich Ende September 2026 ungewöhnlich schneearm, was vor allem mit den hohen Temperaturen zusammenhängt.
- Die Wärme lässt Schnee und Eis schmelzen und sorgt laut «Alpin» für schwierigere Bedingungen auf Hochtouren.
- Bereits im Juli reagierten Zermatter Bergführer mit Einschränkungen und Absagen, zudem wurde über eine Besuchergrenze diskutiert.
Wer derzeit einen Blick aufs Matterhorn wirft, dürfte gleich zweimal hinschauen. Der 4478 Meter hohe Berg zeigt sich Ende September praktisch ohne Schnee. Wo sonst Schnee das berühmte Bergpanorama prägt, sind auf aktuellen Bildern vor allem braune und graue Felsen zu sehen.
Auf Social Media sorgen die Aufnahmen für Diskussionen. «Nein, das ist kein Berg in irgendeiner Wüste. Das ist das Matterhorn am 27. September 2026», schreibt ein User auf der Plattform X zu einem Webcam-Bild. Der Post wurde auch von Wetterexperte Jörg Kachelmann geteilt. Er findet klare Worte: «Es war ein katastrophaler Sommer und ist bisher ein katastrophaler Herbst für die Alpengletscher.»
Bereits 2003 und 2022 schneefrei – aber nicht im September
Besonders eindrücklich ist der Vergleich mit dem vergangenen Jahr. Auf Bildern vom 30. September 2025 ist das Matterhorn noch deutlich mit Schnee bedeckt. Ende September 2026 präsentiert sich der Gipfel hingegen weitgehend kahl.

Nahezu schneefrei zeigte sich das Matterhorn zwar auch schon in früheren Jahren. So war dies etwa in den besonders heissen und trockenen Sommern 2003 und 2022 der Fall. Dennoch ist die aktuelle Situation aussergewöhnlich. «Es ist sehr ungewöhnlich, dass wir Ende September auf über 4000 Metern in den Alpen keinen Schnee sehen», erklärt Professor Jan Blöthe von der Universität Freiburg gegenüber der deutschen Zeitung «Bild».
Niederschlag fällt bis in grosse Höhen als Regen
Ein wichtiger Grund dafür ist die Wärme. Laut «Bild» lag die Nullgradgrenze zuletzt bei rund 4300 Metern – das Matterhorn ist 4478 Meter hoch. Eine derart hohe Nullgradgrenze begünstigt, dass Niederschlag bis in grosse Höhen als Regen statt als Schnee fällt und eine vorhandene Schneedecke rasch wieder verschwindet.
Was denkst du, wenn du das fast schneefreie Matterhorn siehst?
Gemäss Meteoschweiz war die Periode von April bis September dieses Jahres über die ganze Schweiz gesehen so warm und trocken wie noch nie in den vergangenen 160 Jahren.
Durch Hitze wird Gefahr von Steinschlag erhöht
Die fehlende Schneedecke ist nicht nur optisch auffällig. Hohe Temperaturen lassen Schnee und Eis schmelzen und können den Permafrost im Hochgebirge erwärmen. Dadurch können Felsen instabiler werden und die Gefahr von Steinschlag steigen.
Laut dem Bergsportmagazin «Alpin» machen die hohen Temperaturen auch Hochtouren schwieriger. Schnee und Firn fehlen vielerorts. Stattdessen gibt es mehr Blankeis, offene Gletscherspalten und unsichere Schneebrücken.
Im Juli wurde über Besuchergrenze diskutiert
Bereits im Juli hatten die schwierigen Bedingungen am Matterhorn Folgen. Die Zermatter Bergführer passten ihre Praxis an und nahmen keine ihnen unbekannten Gäste mehr mit auf den Berg. Das Bergführerbüro Zermatters sagte sämtliche Matterhorn-Touren bis auf Weiteres ab. Gleichzeitig wurde über eine mögliche Besuchergrenze diskutiert.
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Martin Lehner, Hüttenwart der Hörnlihütte und Bergführer, schlug eine Obergrenze von rund 30 Personen vor. Dabei sollten möglichst erfahrene Alpinisten berücksichtigt werden. Ob eine solche Begrenzung tatsächlich kommt, ist offen.
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