«Der Mann entblösste sich – ich fühlte mich im Stich gelassen»

Darum gehts
- Ein Mann hat in der Nacht auf Sonntag im Zug von Zürich Richtung Chur mehrfach seinen Penis gezeigt.
- Eine 25-jährige Passagierin rief die SBB-Transportpolizei – es erschien jedoch nur eine Billettkontrolleurin alleine.
- Die Kontrolleurin versuchte, die Personalien des Mannes festzustellen.
«Der Mann holte mehrfach sein Geschlechtsteil heraus», sagt eine Zugpassagierin gegenüber 20 Minuten. Die 25-Jährige war am Sonntagabend kurz nach Mitternacht von Zürich in Richtung Chur unterwegs. Während der Zugfahrt fiel ihr ein Mann auf, der sie auffällig anschaute.
«Gleichzeitig machte er merkwürdige Bewegungen mit seinen Beinen und griff wiederholt in seinen Schritt», erzählt die junge Frau. Zunächst sei sie sich nicht sicher gewesen, ob sie die Situation richtig einschätze. «Zuerst dachte ich, vielleicht sehe ich es nicht richtig.»
«Auf meinen Anruf hin erschien schliesslich eine Billettkontrolleurin.»
Wenig später sei ihr klar geworden, dass sie sich nicht getäuscht hatte. Sie rief die SBB-Transportpolizei an. «Auf meinen Anruf hin erschien schliesslich eine Billettkontrolleurin. Was mich besonders irritierte, war, dass sie alleine kam», sagt die 25-Jährige. Weder Sicherheitspersonal noch die SBB-Transportpolizei seien erschienen.
Der Mann sprach Englisch
Die 25-Jährige kritisiert, dass die SBB-Mitarbeiterin die möglicherweise gefährliche Situation alleine bewältigen musste. «Die Mitarbeiterin versuchte, die Personalien des Mannes festzustellen, und fragte nach einer ID», berichtet die Passagierin. Das Gespräch zwischen der Billettkontrolleurin und dem unbekannten Mann habe auf Englisch stattgefunden.
«Als die Kontrolleurin kurz telefonierte, verschwand der Mann in ein anderes Zugabteil.» Die SBB-Mitarbeiterin sei ihm daraufhin gefolgt. Als die Pendlerin mit ihrem Partner ausstieg, habe sie die Kontrolleurin noch alleine im Zug gesehen. Den unbekannten Mann habe sie nicht mehr wahrgenommen.
«Was wäre, wenn …»
Sie sei froh gewesen, mit ihrem Partner unterwegs gewesen zu sein. Während der Fahrt habe sie ihm gesagt, sie hätte grosse Angst gehabt, wäre sie in einer solchen Situation allein gewesen. «Insbesondere davor, an einem Bahnhof auszusteigen und möglicherweise von diesem Mann verfolgt zu werden. Ich fühlte mich von der Transportpolizei etwas im Stich gelassen.»
Die junge Frau fragt sich auch, wie sich der Mann in einem fast leeren Zug verhalten würde. «Mir ging durch den Kopf: Was wäre, wenn meine kleine 16-jährige Schwester hier wäre?», sagt sie. Sie könne sich kaum vorstellen, wie ihre Schwester auf den Unbekannten reagiert hätte.
SBB prüfte Aufgebot von Einsatzkräften
Die SBB-Medienstelle teilt auf Anfrage von 20 Minuten mit, nach Eingang der Meldung sei umgehend geprüft worden, wo entlang der Fahrstrecke eine Intervention möglich wäre. Im konkreten Fall hätten jedoch innerhalb nützlicher Frist keine Einsatzkräfte aufgeboten werden können. «Als der Zug Chur erreichte, war die gesuchte Person nicht mehr im Zug», teilt der Mediensprecher mit.
«Das Zugpersonal ist für den Umgang mit Konflikt- und Aggressionssituationen sowie für deeskalierendes Verhalten geschult», führt der SBB-Mediensprecher weiter aus. Es könne Betroffene unterstützen und die Einsatzzentrale der Transportpolizei mit möglichst genauen Angaben zum Vorfall versorgen.
Weil der Vorfall gemeldet wurde, habe die Transportpolizei die Videoaufnahmen gesichert. Diese könnten innerhalb von 100 Tagen mit einer entsprechenden Editionsverfügung herausgegeben werden, teilt die SBB mit. «Wir empfehlen der Kundin deshalb, bei der örtlichen Polizei Anzeige zu erstatten», sagt der Mediensprecher.
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Vanessa Figi (vfi), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juli 2026 als Praktikantin beim Ressort Ostschweiz.
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