US-Zwischenwahlen: Rechenzentren noch größere Verlierer als die Republikaner
Bei den einschneidenden US-Zwischenwahlen waren auch Wählerinnen und Wähler in dutzenden Kommunen aufgefordert, über Rechenzentren abzustimmen. Aktuell sieht es danach aus, dass ausnahmslos in allen Fällen Gegnerinnen und Gegner die Oberhand haben – und zwar mit Abstand. Das geht aus einer Übersicht der US-Wahlenzyklopädie Ballotpedia hervor, laut der bei 37 von insgesamt 41 Abstimmungen teils deutliche Mehrheiten für ein Moratorium, ein Verbot oder andere Vorgaben gestimmt haben, die den Bau von Rechenzentren erschweren oder ganz verhindern. Bei den verbleibenden vier Abstimmungen steht die Auszählung der Ergebnisse noch aus. In keinem einzigen Fall hat demnach die Bevölkerung für Rechenzentren gestimmt.
Wenig ist so unbeliebt wie Rechenzentren
Mit der überwältigenden Mehrheit gegen den Bau von Rechenzentren in der eigenen Nachbarschaft setzt sich am großen Wahltag des Jahres in den USA ein Trend fort, der sich bereits das ganze Jahr über beobachten ließ. Vor den Midterms haben Menschen in fünf Kommunen aus vier US-Bundesstaaten über Anträge zu Rechenzentren abgestimmt, auch da hat sich schon ausnahmslos jene Seite durchgesetzt, die deren Errichtung verhindern will. Bei den sogenannten Midterms gab es nun entsprechende Abstimmungen vor allem in Illinois und Ohio. Fast immer stimmte dabei mindestens eine Zweidrittelmehrheit für die Option, die Rechenzentren untersagt – je nach Formulierung der Vorlage war das ein Ja oder ein Nein.
Da es sich aber oft um kleine Kommunen oder Wahlkreise handelt, haben teils nur wenige hundert oder tausend Menschen abgestimmt. Die meisten Menschen wurden diesbezüglich in Bloomington (Illinois) an die Wahlurnen gerufen, dort haben fast 22.000 (78 Prozent) dafür gestimmt, der Stadt in einer nicht bindenden Abstimmung zu empfehlen, ein Moratorium für den Bau großer Rechenzentren zu verhängen. Der Semafor-Journalist J.D. Capelouto hat auf dem Kurznachrichtendienst X eine Reihe dieser Ergebnisse geteilt und zusammengefasst, „Jede einzelne Abstimmung geht gegen Rechenzentren aus“. In der Stadt Piqua in Ohio wurden der Bürgermeister und zwei Mitglieder der Stadtkommission abgewählt, die ein großes Rechenzentrum unterstützt haben, schreibt er. In Yukon (Oklahoma) habe es eine ähnliche Abwahl gegeben.
Die Abstimmungen gegen Rechenzentren erfolgten vor dem Hintergrund von historischen US-Zwischenwahlen. Bei denen haben die oppositionellen Demokraten nicht nur die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückerobert, sondern auch im Senat. Befeuert wurden sie dabei von der enormen Unzufriedenheit mit der Präsidentschaft von Donald Trump. Vor allem der Machtwechsel im Senat schien aber noch vor Monaten außer Reichweite. Zwar ist es bei den Midterms üblich, dass die Partei des Präsidenten abgestraft wird, ein solch heftiger Umschwung ist aber außergewöhnlich. So ist es den Demokraten beispielsweise gelungen, Senatssitze in Texas, South Carolina und Kansas zu gewinnen. Alle drei Bundesstaaten galten bislang als fest in der Hand von Trumps Republikanern.
Im Zuge des KI-Hypes ist in den Vereinigten Staaten auch ein regelrechter Boom bei der Errichtung von Rechenzentren ausgebrochen. Dagegen formiert sich aber schon länger Widerstand, der sich nicht nur an der Wahlurne zeigt. Im Fokus stand dabei anfangs vor allem der immense Strombedarf der Einrichtungen, der Preise für alle in die Höhe treiben könnte. Auch deshalb gibt es längst einen Trend, neue Rechenzentren überhaupt nicht ans Stromnetz anzuschließen und mit direkt erzeugtem Strom selbst zu versorgen, mit teils gravierenden Folgen für die Umwelt. Dort, wo Rechenzentren in bewohnten Gebieten errichtet werden, gibt es inzwischen auch Kritik an der enormen Lärmbelastung, die damit einhergeht.
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