Alle reden von Boteli, aber dieses Talent zerlegt gerade die Liga

- 3 Tore und 7 Assists in 8 Spielen – Lutfi Dalipi legt bei Vaduz einen Traumstart in der Super League hin.
- Albanien und Kosovo haben Kontakt aufgenommen, doch Dalipis klares Ziel ist zunächst die Schweizer U21.
- Jetzt ist Dalipi auf dem Radar der grössten Super-League-Clubs
Wenn derzeit über Schweizer Offensivtalente gesprochen wird, fällt vor allem ein Name: Winsley Boteli. Der Sion-Stürmer wurde für seine Leistungen sogar mit einem Nati-Aufgebot belohnt. Doch auch ein anderer 20-Jähriger liefert in der Super League Woche für Woche: Lutfi Dalipi. Während Boteli vor allem trifft, glänzt die YB-Leihgabe bei Vaduz mehr als Vorbereiter – und auch Torschütze.
Drei Tore und sieben Vorlagen in den ersten acht Super-League-Spielen – Lutfi Dalipi legt bei Vaduz einen Einstand hin, der ihn selbst überraschte. «Hättest du mir das vor der Saison vorhergesagt, hätte ich es nicht geglaubt – das ist nicht real», sagt der 20-Jährige, der sowohl portugiesische, als auch kosovarische und schweizerische Wurzeln hat, zu 20 Minuten. Der Saisonstart mache ihn sehr glücklich, auch für seine Familie. «Sie ist immer hinter mir, sie pusht mich und kommt an jedes Spiel.»
Der offensive Mittelfeldmann spielt dabei auffallend unbekümmert. Er fordert den Ball, geht ins Dribbling und sucht auch in engen Räumen den direkten Weg nach vorne. Dalipi erklärt seinen starken Saisonstart mit dem Vertrauen aus dem Umfeld: «Ich ging mit sehr viel Selbstvertrauen auf den Platz. Ich spielte mich in eine Art Flow, dann ging es einfach so.»
Seine Moves auf dem Platz hat er schon seit klein auf grossen Stars abgeschaut, nicht aber Cristiano Ronaldo, wie man es von einem Portugiesen erwarten könnte. «Mein Idol war schon immer Neymar, auf Youtube schaute ich nur Highlights von ihm», sagt Dalipi und lacht.
Ein fast perfekter Weg
Dalipis Weg führte nicht direkt von der YB-Jugend in die Super League. Der in Billens aufgewachsene Spieler durchlief die Berner Nachwuchsabteilung und überzeugte in der vergangenen Saison in der Promotion League. Im Frühling folgte die Leihgabe zu Wil in die Challenge League, wo er seine Entwicklung fortsetzte. «Für mich war das fast ein perfekter Weg», sagt Dalipi. Erst habe er in der Promotion League geliefert, dann bei Wil fast alle Minuten erhalten. «Ich habe Schritt für Schritt gute Leistungen gebracht, Tore und Assists gemacht.»
Eine Chance bei den YB-Profis hatte sich der Offensivspieler aber durchaus erhofft. «Bevor ich zu Wil ging, wollte ich gerne mein Debüt für YB machen», sagt Dalipi. Dieser Wunsch blieb ihm verwehrt. Deshalb sei die Leihe nach Wil der logische nächste Schritt gewesen. Dalipi traf mit Wil ausgerechnet gegen Vaduz. Entscheidend für den Sommerwechsel war dieses Tor aber offenbar nicht. «Wir waren schon früher in Kontakt, vor dem Spiel», sagt Dalipi. Nach dem Aufstieg von Vaduz in die Super League sei der Wechsel «wirklich top» gewesen.
Der Wechsel ins Fürstentum bedeutete auch privat einen neuen Abschnitt. Das ruhige Umfeld passe zu ihm. «Ich bin zu Hause, chille und gehe ein bisschen spazieren.» Und auch die Luft sei im Vergleich zu Städten in der Schweiz besser, sagt Dalipi und lacht.
Auf dem Radar grosser Super-League-Clubs
Ein neuer Abschnitt folgt auch auf Nationalmannschaftsebene. Dalipi lief bisher für Schweizer Nachwuchsauswahlen auf und bekam jetzt sein erstes Aufgebot für die Schweizer U21. «Ich will auch dort gut abliefern», sagt er. An einen Anruf von Nati-Trainer Murat Yakin denkt er bewusst noch nicht zu gross. «Ich bin noch jung. Ich muss nicht denken, ich sei der beste Spieler der Schweiz, weil ich dieses Debüt gemacht habe. Ich muss ruhig im Kopf bleiben.»
Der Fall ist auch deshalb speziell, denn aufgrund seiner mehrfachen Staatsbürgerschaft wäre Dalipi berechtigt, sich bei allfälligen Aufgeboten zwischen Portugal, Kosovo, Albanien und der Schweiz zu entscheiden. Während Portugal laut Dalipi keinen Kontakt aufgenommen hat, bestätigen sich andere Gerüchte: «Albanien und Kosovo haben versucht, mich zu kontaktieren», sagt Dalipi. «Momentan ist mein Ziel, für die Schweizer U21 zu spielen, danach schauen wir.»
Seine Leistungen haben nun das Interesse grosser Super-League-Clubs geweckt. Demnach soll es nach Infos von 20 Minuten bereits mehrere Kontaktaufnahmen gegeben haben. Sein Fokus bleibe vorerst dennoch beim FC Vaduz.
Fabrizio Bonazza (bnz) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Er ist Social-Media-Redaktor im Ressort Sport mit Fokus auf Trends, Videos und unterhaltsame Inhalte.
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