Kleintheater Luzern – Trotz Finanzhilfe: Die Herausforderung bleibt gross

Die Wogen gingen hoch, als dem traditionsreichen Luzerner Kleintheater anfangs 2024 das Aus drohte. Der Gründer des Hauses, Kabarettist Emil Steinberger, musste sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass die Geschichte seines Kleintheaters nach 57 Jahren ihr Ende findet.
Ich hatte nie den Gedanken, dass so etwas passieren könnte. Es ist schrecklich.
Ausgelöst hatte die Wogen die Luzerner Pensionskasse LUPK. Ihr gehört das Gebäude, in dem das Kleintheater eingemietet ist. Sie will das in den 1960er-Jahren gebaute Haus abreissen und durch einen Neubau ersetzen – in welchem das Kleintheater aus wirtschaftlichen Überlegungen keinen Platz mehr habe, hiess es von der Pensionskasse.
«Unsere Aufgabe ist es, die Rente der Versicherten zu sichern», sagt Urban Sager, der Präsident der LUPK, welche etwa die Pensionsgelder von Polizeiangestellten und Lehrpersonen verwaltet. Eine Vermietung des Erdgeschosses an ein Unternehmen schien finanziell lukrativer, als weiterhin das Kleintheater zu beherbergen – zu moderaten Konditionen.
In der Schweizer Kleinkunstszene war der Aufschrei gross. Bei Gründer Emil Steinberger – «Ich hatte nie den Gedanken, dass so etwas passieren könnte. Es ist schrecklich» – genauso wie bei der Luzerner Kabarettistin und Musikerin Irene Brügger alias Frölein da Capo: «Für uns sind solche Häuser extrem wichtig. Gerade auch zu Beginn einer Karriere bieten sie Kunstschaffenden eine Auftrittsmöglichkeit.»
Die Rettung hat ihren Preis
Nun zeichnet sich eine Lösung ab. Ein Mietvertrag sichert dem Theater ab 2033 einen Platz im geplanten Neubau. Doch die Rettung hat ihren Preis. Künftig werden «marktübliche Mieten» fällig. Ausserdem verlangt die Luzerner Pensionskasse bereits im Vorfeld finanzielle Sicherheiten, da der Innenausbau des Theaterbereichs noch nicht gesichert ist. Bis im Sommer 2027 muss die Stiftung Kleintheater eine Garantie über eine Million Franken vorlegen. Im Folgejahr werden weitere vier Millionen fällig.
«Wir rechnen mit einer Verdreifachung des Mietpreises», sagt Janine Bürkli, die Leiterin des Kleintheaters. Den erprobten Finanzierungsschlüssel möchte das Kleintheater jedoch beibehalten: Dieser setzt sich zu je rund einem Drittel aus Billettverkäufen sowie Beiträgen der öffentlichen Hand und Privatpersonen zusammen.
Die Stadt will helfen
Das Kleintheater möchte es vermeiden, die Billettpreise zu erhöhen. Und auch Änderungen in der Programmierung seien nicht geplant, sagt Theaterchefin Janine Bürkli. «Der Erfolg des Kleintheaters beruht genau auf dieser Mischung aus Kabarett, Musik, Lesungen und Familienprogramm.»
Damit nimmt die Stadt Luzern ihre kulturpolitische Verantwortung wahr.
Tatsache ist: Das Kleintheater braucht Geld, um den Ausbau und die höheren Mieten bezahlen zu können. Die Luzerner Stadtregierung hat denn auch entschieden, in dieser Sache aktiv zu werden: Sie beantragt dem Parlament einen Sonderkredit über 1.84 Millionen Franken für den Ausbau der Räumlichkeiten. «Damit nimmt die Stadt Luzern ihre kulturpolitische Verantwortung wahr und schafft eine wesentliche Voraussetzung für die weitere Projektierung mit Einbezug des Kleintheaters», schreibt die Luzerner Stadtregierung.
Die Beratung im Luzerner Stadtparlament findet voraussichtlich Mitte Dezember statt. Weitere Gelder sollen Stiftungen beisteuern. Insgesamt muss das Kleintheater acht Millionen Franken aufbringen.
Regionaljournal Zentralschweiz, 6.11.2026, 17:30 Uhr ; zezm;kemo;noes
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