UNO-Welternährungsprogramm – Eine Direktoren-Wahl von Trumps Gnaden

Bereits im Frühsommer trat die Amerikanerin Cindy McCain als Chefin des Welternährungsprogramms (WFP) der UNO ab. Doch erst jetzt ist die Nachfolge geregelt. UNO-Chefsprecher Stéphane Dujarric hat bekanntgegeben, dass die Wahl auf Luke Lindberg fiel, früher Geschäftsmann und zurzeit Vizeminister im US-Landwirtschaftsministerium, also einem Mann mit Kabinettserfahrung.
Trump-naher Direktor des WFP ist umstritten
UNO-Generalsekretär Antonio Guterres tat sich schwer mit der Entscheidung. «Er tritt Ende Jahr ab und hätte die Entscheidung am liebsten seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin überlassen», sagt Dulcie Leimbach, Herausgeberin des auf die UNO fokussierten Newsletters «Passblue».
Der Grund für das Zögern: Ein WFP-Direktor aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump ist in der UNO umstritten. Viele fürchten, er werde das Engagement der Organisation nicht nach den humanitären Bedürfnissen ausrichten, sondern nach den Vorlieben und Sympathien der US-Regierung. Viele fürchten, dass Lindberg deren Ideologie in die Vereinten Nationen hineinträgt.
Immerhin hat sich Luke Lindberg vor seiner Wahl grundsätzlich zu den Zielen des WFP bekannt: «Die Ressourcen der Organisation sind massiv geschrumpft, während der Hunger in der Welt, vor allem wegen kriegerischer Konflikte, wieder stark zunimmt. Ich will mich dafür einsetzen, diese Situation zu verbessern.» Auch hinter das ambitionierte UNO-Nachhaltigkeitsziel stellt er sich, nämlich den Hunger in der Welt bis 2030 ganz zu besiegen – obschon das mittlerweile kaum noch erreichbar erscheint.
USA immer noch grösster Geldgeber
Wochenlang gab es «massiven Druck aus Washington auf den UNO-Generalsekretär, die Kandidatur von Lindberg durchzuwinken», schreibt Dulcie Leimbach. Guterres musste sich dem beugen, angesichts der finanziellen Notlage der UNO. «Immer mehr Leute sterben an Hunger. Wir sind nicht mehr imstande, das zu leisten, was wir leisten müssten und bisher geleistet haben», erklärte er kürzlich der «Financial Times».
Auch das Welternährungsprogramm (WFP) musste fast einen Drittel seines Haushalts kürzen und mehr als 6000 Stellen streichen. Doch zumindest haben die USA unter Trump dem WFP nicht wie anderen UNO-Organisationen den Rücken gekehrt und sind immer noch der grösste Zahler. Eine Nichtwahl von Lindberg jedoch wäre von Trump als Affront aufgefasst worden. Das hätte das Welternährungsprogramm akut gefährdet.
Auffallend ist auch, dass fast gleichzeitig mit der Bestätigung Lindbergs als WFP-Direktor die USA jetzt wenigstens einen Teil ihrer ausstehenden UNO-Pflichtbeiträge entrichten, nämlich 725 Millionen Dollar. Viele wittern ein unsauberes Gegengeschäft – manche sprechen gar von Erpressung. Nachweisen lässt sich das nicht, aber es wäre schon ein merkwürdiger Zufall. Klar ist: Die UNO ist in einer äusserst schwachen Position und kann sich Forderungen grosser Geldgeber unmöglich entziehen.
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