Klassiker mit Diesel und V8 : Mercedes GLE - Luxus-Allround-Offroader fit gemacht fürs nächste Jahrzehnt

Klassiker mit Diesel und V8 Mercedes GLE - Luxus-Allround-Offroader fit gemacht fürs nächste Jahrzehnt

Am Mercedes GLE kann man den Wandel der Automobilindustrie ablesen, zumindest einen Teil davon. In alten Zeiten wäre langsam mal ein neues Modell fällig gewesen. So müssen Modellpflegemaßnahmen reichen. Doch die zeigen nicht schlecht Wirkung.
Was ist denn bloß mit Mercedes los? Da verpassen die Schwaben ihrem Hundertsiebenundsechziger, besser bekannt als GLE, doch tatsächlich die "MOPF II". Mercedes-Fans wissen, was gemeint ist: die zweite Runde an Modellpflegemaßnahmen. Gab es bei lange laufenden Baureihen wie 107, 124 oder 129 ebenfalls, also stehen dem GLE wohl noch ein paar Jährchen bevor. Er sollte jedenfalls jetzt fit für das nächste Jahrzehnt sein. Lange Modellzyklen sparen eben Geld ein, Geld das offenbar benötigt wird für die Transformation.
Gut, das ist natürlich Spekulation. Nicht Spekulation hingegen ist, dass der GLE generell noch recht jung wirkt. Und nach der Erneuerung, das kann man getrost sagen, rangiert der Offroader erst recht auf der zeitlichen Höhe.
Zunächst einmal haben die Gestalter Nachhilfe in Sternenkunde bekommen und entsprechend angepasste Rückleuchten in Auftrag gegeben. Soll ja schließlich kein einziger frischer GLS anders behandelt werden als die übrigen aktuellen Baureihen. Auch die Scheinwerfer präsentieren sich inzwischen freilich mit Stern. Außerdem wirkt die Konturbeleuchtung des Kühlergrills nachts schick.
Doch viel wichtiger dürfte sein, dass Mercedes sich von dem aus heutiger Sicht eher mickrigen Screen im Bereich der Mittelkonsole getrennt hat. Heute gibt es mächtig Display von A-Säule zu A-Säule. Und den Monitor für die Beifahrerseite liefert Mercedes frei Haus. Und damit nicht genug. Hinter dem System verbirgt sich ein wassergekühlter Power-Prozessor, der nicht nur die KI dirigiert, sondern auch noch das reichhaltige Fahrassistenten-Bündel im Griff hält - die Marketingabteilung sagt dazu "MB-Drive". Hier enthalten ist jetzt beispielsweise eine deutlich verbesserte Einparkautomatik.
Und man kennt mittlerweile: Mehr oder weniger gut erfassend rattert der Rechner auf mündliche Anfrage herunter, was es an Sehenswürdigkeiten dort gibt, wo man gerade herumgondelt. Und wie man herumgondelt, ist beim abermals überarbeiteten GLE ein großes Thema.
Achtzylinder wird effizienter
Mitgebracht haben die Schwaben aber bloß die Speerspitzen der Palette - klar, in den USA, wo Mercedes den Brocken erstmals präsentiert, gehört zu großen Autos eben auch großer Hubraum. Wobei sich das Volumen des inzwischen etablierten M177 auch in der Evolutionsstufe nicht geändert hat.
Genau wie in der S-Klasse allerdings hat Mercedes den Vierliter allerdings mit einer Flatplane-Kurbelwelle plus Ausgleichswellen bestückt. Allerdings nicht, um den Komfortgleitern einen hochdrehenden Sportwagen-Motor zu bescheren, sondern einfach deshalb, weil die Techniker die Kriterien der strengen Euro-7-Abgasnorm auf diese Art und Weise besser erfüllen können.
Das Geheimnis liegt in der Zündfolge. Da beim sonst üblichen Crossplane aufgrund ungleicher Zündabstände die Drucksituation im Krümmer das restlose Herausquetschen des Abgases nicht immer gelingt, ist das thermisch ungünstig. Hier hat der Flatplane Vorteile mit der Option, längere Lambda-1-Phasen (optimales Kraftstoff-Luft-Verhältnis) auch bei hoher Last zu fahren. Das heißt, er muss das Gemisch beispielsweise nicht anfetten zum Kühleffekt. Doch weil der Flatplane nicht so klingt, wie man sich typischerweise einen V8 vorstellt, spielen die Soundexperten mit den Steuerzeiten der Auslassventile. Je nach Hubkurve im unteren Drehzahlbereich klingt der M177 Evo dann eben doch klassisch und bollert.
Und haut auch drehmomentmäßig gut rein mit 750 Newtonmetern dank Turbo-Boost. Mit 537 PS plus 23 Pferdchen aus dem elektrischen Kurbelwellenstarter steht der Evo außerdem etwas besser im Futter als früher (517 PS). Freilich sind diese Werte eher akademischer Natur. Nach wie vor schiebt der Achtzylinder den Zweieinhalbtonner brachial an, jagt ihn binnen 4,5 Sekunden an die 100-km/h-Marke und lässt ihn bis 250 Sachen rennen.
Und überhaupt, so ein seidenweicher Achtender ist im Vergleich zum Diesel ohne Frage die feinere Maschine. Allerdings sind die Selbstzünder für die meisten Kunden die vernünftigen Varianten aus ökonomischer Betrachtung. Darum dürfte der rund 92.000 Euro teure GLE 350d (286 plus 23 PS) mit 7,5 Liter WLTP-Verbrauch je 100 Kilometer für viele Kunden hierzulande eine gute Wahl sein. Beim 580 müssen schon rund 120.000 Euro angelegt werden.
Neuer Hybrid ist attraktiv
Gar nicht schlecht mutet aber auch die jetzt neue Kombination aus Dreiliter-Reihensechszylinder (M256) mit 326 sowie 184 PS elektrische Leistung an. Mit 435 PS Systempower macht der Plug-in-Hybrid schon ganz schön Druck im Kreuz, wenngleich er nicht ganz so feurig unterwegs ist wie der Fünfachtzig. Dafür kann der ab 95.000 Euro gelieferte Doppelmotorer über 100 Kilometer rein elektrisch zurücklegen - denn es stehen 25 kWh Strom zur Verfügung. Perfekt, um überschüssigen Strom aus der eigenen Photovoltaik-Anlage einzusammeln. Ist der Speicher unterwegs leer, lässt er sich schnell mal am DC-Charger befüllen mit 60 kW - in 29 Minuten soll es von 10 auf 80 Prozent gehen.
Noch mehr als souveränes Vorankommen fällt aber eine andere Sache ins Auge: So bringt der Hybrid satte 2,8 Tonnen auf die Waage. Und dieses Leergewicht kaschieren die Ingenieure schon recht gekonnt. So witscht der auf Wunsch luftgefederte Hybrid zügig durch die Kehre, ohne den Komfort auf der Strecke zu lassen. Und beschleunigt dann kräftig heraus; dabei spricht nicht nur die Elektromaschine zügig an, sondern auch der jetzt mit leistungsstärkerem E-Verdichter ausgerüstete Verbrenner.
Für das Topmodell gibt es auch noch eine Chassiskontrolle mit aktivem Nick- und Wankausgleich samt Druckerzeugung an jeder Achse. Fancy ist, dass die Luftfederung per Car-to-x-Information ihre Charakteristik anpassen kann - beispielsweise akut vor einer Temposchwelle, wenn diese mit der Hilfe von Schwarmintelligenz gemeldet wird.
Und sonst? Der 4,92 Meter lange Luxus-Allrounder unterstreicht seine praktische Note mit über 2000 Litern Kofferraumvolumen (Hybrid schluckt allerdings weniger Gepäck) sowie 3,5 Tonnen Anhängelast. Beim Plug-in-Hybrid sind es immerhin noch 2,7 Tonnen. Und selbstverständlich bringt der GLE auch noch veritable Offroad-Fähigkeiten mit, schafft analog zur G-Klasse sogar Steigungen von 100 Prozent. Ein Verteilergetriebe hinter der Neungang-Automatik übernimmt die Kraftverteilung per elektronisch geregelter Lamellenkupplung.
Edle Materialien innen wie Holz und Leder nebst viel Platz runden das GLE-Erlebnis ab. Und wer möchte, bekommt den GLE nach wie vor als Coupé - in diesem Fall entfällt allerdings der achtzylindrige 580. Zwei starke Diesel mit 286 respektive 367 PS (350 und 450) ergänzen das Programm sowie der Sechszylinder-Hybrid. Und dann wären da ja auch noch die AMG-Varianten, über die ntv.de zu gegebener Zeit berichten wird.
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