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Friday, September 25, 2026

Deutschlands Olympiabewerbung: Teure Politur für die Nation

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Deutschland geht wieder ins Rennen um die Ausrichtung von Olympischen Spielen. Für ein wenig Glanz auf der Weltbühne öffnen sich öffentliche Kassen.

Andreas Rüttenauer

Die Meldung war nicht wirklich zum Lachen. Es wurde dennoch viel geschmunzelt über die Nachricht, dass sich im Gewässer, das für die Olympischen Ruderwettbewerbe 2032 im australischen Bundesstaat Queensland Krokodile tummeln sollen. „Würden Sie hier rudern wollen?“, fragte die BBC ihre Follower auf Instagram zu einem Video, in dem jede Menge bissiger Reptilien zu sehen waren.

Doch schnell war wieder Schluss mit lustig. Die BBC nahm das Video von der Seite, nachdem der australische Politiker Matt Canavan von der Liberal National Party sich beschwert hatte, dass es sich bei dem Fluss in dem Video nicht um den Fitzroy Rover in Queensland handle, sondern um ein Gewässer gleichen Namens in Western Australia. Die BBC hatte sich um 3.500 Kilometer vertan. Canavan bezichtigte den Sender, Lügen zu verbreiten. Und schon war aus einer harmlosen Meldung ein Politikum geworden.

So ist das, wenn es um Olympische Spiele geht. Alles, was mit den fünf Ringen zu tun hat, ist derart mit Bedeutung aufgeladen, dass sich auch an kleinsten Details große Debatten auftun können. Eine falsche Bebilderung in sozialen Medien kratzt da schnell mal am Nationalstolz. Dass auch im richtigen Fitzroy River regelmäßig Krokodile gesichtet werden, egal. Es geht ums große Bild der Nation, das der Welt bei Olympischen Spielen gezeigt wird. Das soll möglichst makellos sein.

Vor fünf Jahren hat die australische Küstenmetropole Brisbane den Zuschlag für die Spiele 2032 erhalten. Auch in Deutschland hatte man Interesse an der Austragung dieser Spiele. Doch die Bewerbung aus Rhein und Ruhr hatte es verpasst, sich bei der zuständigen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) rechtzeitig in Stellung zu bringen. Deutschland war raus.

Neue Bewerbung mit langem Anlauf

Das soll sich ändern. Die Ausrichtung von Olympischen und Paralympischen Spielen ist als Staatsziel in Deutschland längst festgeschrieben. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ist die Unterstützung einer deutschen Olympiabewerbung ausdrücklich erwähnt. Auch in der Begründung für das eben vom Deutschen Bundestag verabschiedete Sportfördergesetz ist vom Nutzen einer Olympiabewerbung die Rede.

Olympische Spiele in Deutschland sollen als Katalysator für sportliche Erfolge dienen

Der Sport soll Deutschland im internationalen Wettbewerb zu Glanz verhelfen. Erklärtes Ziel in der Begründung zum Gesetzestext ist Platz fünf in der Nationenwertung bei Olympischen Sommerspielen. Platz zehn bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris galt als Desaster. Der deutsche Sport soll schleunigst besser werden und der Nation zur Ehre gereichen.

Olympische Spiele in Deutschland sollen dabei als Katalysator für sportliche Erfolge dienen. Der für eine Bewerbung zuständige Dachverband, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), verspricht sich von Olympia im eigenen Land noch einmal einen kräftigen Schub für die Spitzensportförderung. Die steht schon jetzt unter besonderem Schutz.

Für die Leistungssportförderung im Haushaltsentwurf der Bundesregierung für 2027 sind so viele Mittel vorgesehen wie nie zuvor – 361,7 Millionen Euro. An den Kosten für eine deutsche Olympiabewerbung sind noch einmal 6 Millionen Euro extra eingeplant. Leistungssport und Olympische Spiele als Investment in den Nationalstolz. Gespart wird woanders.

Geöffnete Kassen

Wenn es um den Spitzensport geht, wird erstaunlich wenig gefeilscht. Hamburg, Berlin, München und die Region Rhein/Ruhr mit Köln – alle vier deutschen Bewerbungen, die ins nationale Rennen um die Rolle als Gastgeber für das Megaevent gegangen sind, haben bei ihren Kampagnen die sonst so wichtige Haushaltsdisziplin hintangestellt. So sind Millionenbeträge in Bewerbungen für die Rolle eines Bewerbers geflossen.

In Hamburg weiß man seit dem gescheiterten Bürgerschaftsreferendum im Mai, dass das Geld, das für die Kampagne investiert wurde, schlicht perdu ist. In Berlin hatte man mit Kosten von 6 Millionen allein für die Erstellung einer Bewerbung beim IOC geplant. Das Geld kann man sich nun sparen, nachdem die Hauptstadt die Bewerbung für die Spiele zwei Tage vor der entscheidenden Abstimmung bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB in Baden-Baden zurückgezogen hat.

Der Rückzug kam nach dem bescheidenen Urteil der Evaluierungskommission des DOSB, die die Berliner Olympiabewerbung im Vergleich zu den beiden anderen schlechter bewertet hatte. Zudem hatte Elif Eralp, die die olympiaskeptische Linkspartei zum Sieg bei der Abgeordnetenhauswahl geführt hatte, das Thema Olympia in Berlin mal eben als erledigt bezeichnet.

In München und der Region Rhein/Ruhr mit Köln als Aushängeschild gingen Referenden positiv aus. Das Land Nordrhein-Westfalen hat 11,5 Millionen Euro ausgegeben, um Bürgerentscheide in Köln und den anderen Bewerberkommunen im Land durchzuführen. Auch im Wissen um eine mögliche Niederlage bei der finalen Abstimmung des DOSB am Samstag galt das in der Landesregierung als sinnvolle Investition.

Klandestine Geschäfte

In der bayerischen Landeshauptstadt hat man sich gerade gefreut, dass der Internationale Leichtathletikverband Word Athletics die Weltmeisterschaften 2031 an die Stadt vergeben hat. Für die hatte sich die derzeit klamme Kommune beworben, obwohl sie sich das eigentlich gar nicht leisten kann. Als den Verantwortlichen die Ausrichterverträge vorlagen, hat das zuständige Referat für Bildung und Sport darauf hingewiesen, dass World Athletic alle Risiken auf die Ausrichterstadt abwälzen will. Das erinnert an die Knebelverträge, durch deren Unterzeichnung sich Olympiastädte dem IOC-Regime zu unterwerfen haben.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet hat, sollen sich auch das Referat für Arbeit und Wirtschaft sowie die Stadtkämmerei kritisch zu den WM-Verträgen geäußert haben. Am Ende sind sie ohne Veränderungen unterschrieben worden. Der Ruf Münchens als Ausrichterstadt großer Sportereignisse sollte nicht gefährdet werden. Klar, man will die Olympischen Spiele. Es geht um ein Ereignis von nationaler Tragweite. Da sind Dinge möglich, die sich aus buchhalterischer Sicht eigentlich verbieten.

Die Beratungen zu den Verträgen mit World Athletic in den Gremien des Münchner Stadtrats fanden übrigens unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. An verschlossene Türen wird man sich gewöhnen müssen, wenn bald eine deutsche Olympiabewerbung offiziell ins Rennen beim IOC geschickt wird. Nach welchen Maßstäben die Bewerbungen für die nächsten vakanten Sommerspiele 2036 aus aller Welt in der im IOC zuständigen Future Host Commission bewertet werden, bleibt intransparent.

Bis März 2027 müssen alle Bewerberstädte einen ausführlichen Fragenkatalog beantworten, der neben konkreten Planungen für Sportstätten und ein Olympisches Dorf, einem nachvollziehbaren Finanzierungskonzept und staatlichen Garantien auch erklären soll, welches Erbe die Spiele in den Ausrichterstätten hinterlassen sollen. Die ganz große Nummer also.

Die Kommission wählt aus den Interessenten die nach ihren Maßstäben Besten aus und schickt sie in die nächste Phase des Bewerbungsprozesses. Wer es auf diese Shortlist geschafft hat, wird nun bei der Schärfung des Konzepts beraten. Ende 2028 treten dann die Bewerber, die als würdig gelten, in einen „Targeted Dialogue“ mit dem IOC, um letzte Fragen zu klären. Mitte 2029 entscheidet dann die IOC-Vollversammlung über den Gastgeber für 2036.

Offiziell ihren Hut in den Ring geworfen haben bislang die katarische Hauptstadt Doha, das indische Ahmedabad, Südafrika mit Kapstadt, Durban und Johannesburg sowie Santiago de Chile und Istanbul, das sich seit 2000 bereits fünfmal vergeblich um die Spiele bemüht hat. Dazu gibt es Interessenbekundungen aus Ägypten, Ungarn, Italien, Südkorea und Kanada. Eine Bewerbung aus Indonesien wurde bereits vom IOC abgewiesen, nachdem das Land sich geweigert hatte, Sportlerinnen und Sportler aus Israel zur Turn-WM 2025 ins Land zu lassen.

Auch angesichts dieser großen Liste an Konkurrenten hat man im DOSB früh festgelegt, dass die deutsche Bewerbung im Falle eines Scheiterns im ersten Anlauf für die Spiele 2040 oder 2044 noch einmal ins Rennen geschickt wird. Eines steht schon vor dem ersten Votum im IOC fest. An der Fauna in den deutschen Ruderrevieren wird die deutsche Bewerbung gewiss nicht scheitern. Weder an der Regattastrecke in Unterschleißheim bei München noch in Duisburg-Wedau sind in der jüngeren Vergangenheit Krokodile gesichtet worden.

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