Welche Länder sind beim ESC 2027 überhaupt noch dabei?

- Der ESC 2027 verliert immer mehr Teilnehmerländer, weil sich Politik und Musikwettbewerb kaum noch trennen lassen.
- Irland boykottiert den Wettbewerb in Bulgarien erneut wegen der israelischen Teilnahme und der humanitären Lage in Gaza.
- Tschechien steigt aus finanziellen Gründen aus. Spanien, Island, Slowenien und Ungarn sind ebenfalls ungewisse Kandidaten. Die Niederlande haben zugesagt, bei der kommenden Ausgabe wieder dabei sein zu wollen.
Der Eurovision Song Contest wird 2027 in der bulgarischen Küstenstadt Burgas stattfinden. Der ESC versteht sich als unpolitischer Musikwettbewerb, doch die Ereignisse der vergangenen Jahre zeigten, wie schwierig es geworden ist, die Musik von internationaler Politik zu trennen. Weiterhin wird der Wettbewerb von der Frage überschattet, ob Israel noch Teil der Veranstaltung bleiben darf. Bisher äusserten sich einige Länder zu dieser Debatte.
Besonders deutlich wurde die Kritik bereits beim ESC 2026 in Wien. Irland, Spanien, Slowenien, die Niederlande und Island boykottierten den Wettbewerb beziehungsweise zogen sich zurück. Sie forderten unter anderem eine andere Haltung der Europäischen Rundfunkunion (EBU) gegenüber Israel. Die EBU hielt jedoch an der Teilnahme Israels fest und verwies darauf, dass der ESC ein Wettbewerb von Rundfunkanstalten und nicht von Regierungen sei. Für Kritiker ist diese Begründung nicht ausreichend. Sie sehen einen Widerspruch darin, dass Russland nach dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine vom ESC 2022 ausgeschlossen wurde.
Erst im September gab der irische Sender RTÉ bekannt, dass Irland beim Eurovision Song Contest 2027 nicht teilnehmen wird und dass das Event auf dem TV-Sender nicht ausgestrahlt wird. Den Boykott begründete er mit dem anhaltenden Verlust von Menschenleben, der humanitären Krise in Gaza sowie der weiterhin verweigerten Unabhängigkeit internationaler Presse- und Journalistenzugänge vor Ort. Für Irland ist es bereits die zweite Absage in Folge: Schon beim ESC 2026 in Wien blieb Irland dem Wettbewerb aus Protest gegen die Teilnahme Israels fern.
Viele können die Nichtteilnahme nachvollziehen und feiern Irland dafür. Das positive Feedback häuft sich: «Toll, ich hoffe, mehr Länder würden das machen!» oder «Weise Entscheidung, Irland!»
Tschechien, das letztes Jahr mit dem Song «Crossroads» von Daniel Žižka (23) den 16. Platz belegte, gab nun auch bekannt, dem Musikwettbewerb fernzubleiben. Im Gegensatz zu Irland soll die Entscheidung ohne politischen Hintergrund getroffen worden sein. Der öffentlich-rechtliche Sender Česká televize (ČT) nennt laufende Budgetanpassungen und Sparmassnahmen als Hauptgrund. Das Spektakel werde der Sender nicht übertragen. Eine spätere Rückkehr zu zukünftigen Ausgaben wurde vom Sender ausdrücklich nicht ausgeschlossen.
Wer könnte noch aussteigen?
Es könnten weitere Ausfälle folgen. Die früheren Wien-Boykott-Länder Spanien, Island und Slowenien haben zwar Aufschub für ihre Entscheidungsfrist erbeten, stehen aber weiter unter Beobachtung. Auch bei Ungarn herrscht nach wie vor Ungewissheit, ob es zu einer offiziellen Rückkehr kommt. Ein Land feiert sein Debüt auf der ESC-Bühne: Kanada wird erstmals beim Musikwettbewerb teilnehmen. Die Schweiz ist nach wie vor dabei.
Ein Comeback geben die Niederlande. Nachdem sie die diesjährige Ausgabe boykottiert hatten, kehren sie 2027 an den ESC zurück. Das gab der öffentliche Sender NPO bekannt, der den Wettbewerb neu ausstrahlen wird. Damit übernimmt er die Rolle des früheren Senders Avrotros, der sich im August 2025 zurückgezogen hatte.
Wie wichtig ist dir beim ESC, dass Musik und Politik getrennt bleiben?
Stella Regenscheit (str), arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im People-Ressort.
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