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Friday, October 16, 2026

DFB-Spielerinnen ziehen weg: Warum die Fußball-Bundesliga so unattraktiv wird

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Bundestrainer Christian Wück muss immer mehr Ligen beobachten für die Zusammenstellung des DFB-Kaders. Immer mehr Spielerinnen kicken im Ausland. Für die Bundesliga, die sich neu aufstellt, ist das eine riesige Herausforderung.

"Ich habe ein großes Ziel: Ich möchte den Ballon d'Or gewinnen." An Selbstvertrauen mangelt es Lisa Baum nicht. Erst unmittelbar nach dieser Aussage im "Spielmacher"-Podcast von 360 Media gab die 19-Jährige ihr Debüt im DFB-Team, kam für eine Halbzeit im Testspiel gegen Australien am vergangenen Freitag zum Einsatz. Baums Weg im Fußball ist hoffentlich noch lang.

Doch schon jetzt ist deutlich, wo er hingeht: Weg aus der Bundesliga. Und das rasant. 2021 war sie als 15-Jährige zum Hamburger SV gewechselt, dann zog es sie im Sommer 2025 zu RB Leipzig - aber nur für eine Saison. Der Transfer der Außenstürmerin zum englischen Topklub FC Arsenal sorgte für große Aufruhr: 600.000 Euro ließ sich der Klub der Women's Super League (WSL) die Nachwuchsspielerin kosten - für ein paar Wochen ein Rekord im deutschen Fußball der Frauen, ehe Carlotta Wamser für 650.000 Euro von Bayer Leverkusen zu den Double-Siegerinnen von Manchester City wechselte.

Es ist ein gutes Zeichen, dass Deutsche das Interesse der ganz großen Klubs sicher haben. Es ist aber auch ein fatales Signal, dass die Bundesliga immer mehr dieser Spielerinnen verliert. Wie viele es sind, das zeigte sich auch bei den jüngsten Länderspielen gegen Australien (4:2) und Japan (2:1), bei denen Bundestrainer Christian Wück gleich zehn Legionärinnen im Kader hatte.

Bundesliga hat kein Mindestgehalt

"Die Spielerinnen wechseln dem Geld hinterher. Wo die Topspielerinnen sind, finden die Spiele auf höchstem Niveau statt. Es ist der attraktive Fußball", analysierte Laura Freigang, Stürmerin von Eintracht Frankfurt, beim NDR. England hat besonders starke finanzielle Argumente und mit vielen hochgerüsteten Topklubs die wohl stärkste Liga. Das lockte allein in diesem Sommer mit Baum, Selina Cerci (ebenfalls Arsenal), Wamser, Nicole Anyomi (London City Lionesses) und Vivien Endemann (FC Liverpool) fünf Nationalspielerinnen auf die Insel.

Zudem erklärte Baum: "Wir haben in London fast die gleichen Bedingungen wie bei den Männern. Ich bin froh, die Erfahrung zu sammeln - und einfach froh, dort zu sein." Auch die USA und Topklubs in Frankreich - wo Jule Brand bei OL Lyonnes kickt - und Spanien machen gute Angebote und liefern gute Trainingsbedingungen.

Superreich werden die meisten mit dem Fußball nicht, doch auch hier ist das Ausland der Bundesliga voraus. Auf ein Mindestgrundgehalt konnte sich die Liga bislang nicht verständigen. Zuletzt waren 3000 Euro im Gespräch - die knapp ein Drittel der Liga-Spielerinnen laut des DFB in dieser Saison nicht mal erhält. Das Durchschnittsgehalt lag in der Saison 2024/25 derweil bei 4500 Euro monatlich (54.000 Euro pro Jahr) - die Topspielerinnen sorgen also für große Ausreißer.

Die WSL verpflichtete sich in der vergangenen Saison zu einem Mindestjahresgehalt von 40.000 Pfund (rund 47.000 Euro), das Durchschnittsgehalt beträgt in dieser Saison laut Footy Stats aber mehr als 90.000 Euro. In der US-Liga NWSL gibt es ein Mindestgehalt von rund 48.500 US-Dollar (43.000 Euro), das bis 2030 auf 82.500 US-Dollar (gut 73.000 Euro) verpflichtend angehoben wird. Schon jetzt beträgt das Durchschnittsgehalt laut Footy Stats etwa 88.700 Euro.

Hoffnung auf TV-Vertrag

Sportlich kann aus Deutschland nur noch der FC Bayern international mithalten. Die Münchnerinnen sind als einziges in dieser Saison in der Champions League dabei. Der einstige Dominator VfL Wolfsburg - 2013 und 2014 noch Champions-League-Sieger, in den Jahren 2016, 2018, 2020 und 2023 noch im Finale - schaffte es nicht durch die Qualifikation und spielt genauso wie die Eintracht nur im zweitklassigen Europa Cup.

Damit es bald wieder anders aussieht, spaltete sich die Frauen-Bundesliga jüngst nach Streit um Zuständigkeiten vom DFB ab, wird vom Ligaverband FBL e.V. gemanagt, ab kommendem Sommer selbstständig. "Der Anspruch ist klar. Wir wollen den Frauenfußball international konkurrenzfähiger machen. Ihn sportlich weiterentwickeln, mehr Menschen begeistern für den Frauenfußball. Und ihn am Ende auch ökonomisch weiterentwickeln", sagte FBL-Präsidentin Katharina Kiel, die gleichzeitig die Direktorin Frauenfußball bei Eintracht Frankfurt ist.

Noch ist das nur ein Ziel. Erreicht werden soll es unter anderem mit dem neuen TV-Vertrag, der gerade ausgehandelt wird. Er soll deutlich mehr Geld bringen als die zuletzt jährlichen 5,17 Millionen Euro brutto. Als Anreiz sind mögliche Playoffs um die Meisterschaft angedacht, wogegen sich die Bayern und Wolfsburg wehren, dazu eine Konferenz am Sonntag. Wie gering die bislang erzielte Summe ist, zeigt ein Blick in andere Ligen. Spanien bekommt etwa zwei Millionen Euro mehr, in England kassiert man das Dreifache.

Apropos Geld und England: Ausrüster Nike - künftig auch für den DFB zuständig - bewilligte der FBL einen Kredit von bis zu 15 Millionen Euro mit einem Zinssatz von 1,5 Prozent hatte die FBL mitgeteilt. Das klingt erst einmal nett, blickt man aber nach London, ist es doch zurückhaltend von Nike. Dort hat Klub-Besitzerin Michele Kang für die von ihr gepushten und aufstrebenden Lionesses einen Trikot-Sponsorenvertrag mit dem Ausrüster an Land gezogen, der der größte jemals im Fußball der Frauen sein soll - und mehr wert als so mancher Vertrag in der Premier League der Männer.

Genaue Zahlen und die Laufzeit wurden nicht bekannt gegeben, doch Kang zufolge ist er mehr wert als der Vertrag für das US-Team Atlanta, das ab 2028 in der NWSL spielen wird. Atlanta hat Berichten zufolge einen Sponsoringvertrag über vier Millionen Dollar pro Jahr abgeschlossen. Und die London City Lionesses spielen gerade einmal die zweite Saison in der ersten Liga.

Der FC Bayern ist dagegen schon siebenmaliger Meister, hat mit dem jüngsten Meistertitel den 1. FFC Frankfurt (heute Eintracht) und den VfL Wolfsburg als Rekordmeister eingeholt - und noch spielt Deutschlands Beste bei den Double-Siegerinnen: Klara Bühl. Ihr Ausnahmekönnen bewies sie vor allem gegen Japan mal wieder auch im DFB-Trikot.

Mit Zehnerin Linda Dallmann und Außenverteidigerin Franziska Kett profitierte Wück zudem von einer eingespielten Bayern-Achse. Diese wird aber nicht mehr lange Bestand haben, Bühl wird den FC Bayern - und damit die Bundesliga - nach der Saison wohl ebenfalls verlassen. Womöglich als Ballon d'Or-Siegerin. Für den Preis, von dem Baum träumt, ist Bühl aktuell nominiert.

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