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Monday, October 26, 2026

Hinter dem einzigen Ballon d'Or für einen Torhüter müsste wohl ein Sternchen stehen

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Der Ballon d'Or ging bisher traditionell an Offensivspieler, selten an Verteidiger - und nur einmal an einen Torhüter. Wobei man hinter diese Wahl vermutlich ein Sternchen setzen muss.

Lev Yashin (re.) gewann 1963 den Ballon d'Or, auf José Altafini entfielen erstaunlich wenige Stimmen.

Lev Yashin (re.) gewann 1963 den Ballon d'Or, auf José Altafini entfielen erstaunlich wenige Stimmen. imago images (2)

Was herrschte in Deutschland 2014 für ein Unverständnis, als nicht Weltmeister(-Macher) Manuel Neuer den Ballon d'Or gewann, sondern Cristiano Ronaldo. Der Portugiese hatte zwar mit einer Rekordzahl an Saisontoren die Champions League gewonnen, bei der WM jedoch nicht mal die K.-o.-Runde erreicht.

Doch Neuer war (und ist) eben "nur" Torhüter, und die gewinnen solche Auszeichnungen nun mal nicht. 2002 hatte schon Oliver Kahn nach seiner Husaren-WM den Kürzeren gezogen, gegen einen anderen Ronaldo. Wenngleich der immerhin Weltmeister geworden war.

Aber Moment mal, eine Ausnahme gibt es doch. Oder gab es doch, vor langer Zeit. Lev Yashin war Ballon-d'Or-Gewinner 1963, sozusagen der Fabio Cannavaro unter den Torhütern.

Yashin erholte sich von einer schwachen WM

Die starke Meistersaison mit Dynamo Moskau, eine beachtliche "Wiederauferstehung" nach einer schwachen WM 1962, machte Yashins historisch einmalige Auszeichnung nicht unbedingt unverdient. Zur Wahrheit gehört allerdings, dass sie aller Voraussicht nach auch auf einer falschen Bewertung beruht.

In den ersten Jahrzehnten von dessen Existenz zeichnete das französische Fußballmagazin France Football mit dem Ballon d'Or "Europas Fußballer des Jahres" aus, weshalb bis 1995 auch nur Europäer bei dieser Wahl berücksichtigt wurden. Somit kamen Pelé oder Diego Maradona offiziell nie in den Genuss dieses Awards - gewisse Sonder-Versionen wurden ihnen nachträglich zugestanden.

Erst CR7 knackte Altafinis Rekord

Zu einem Schicksalsgenossen der beiden Giganten avancierte der Brasilianer José "Mazzola" Altafini, der die Europapokal-Saison 1962/63 dominiert hatte. Mit sagenhaften 14 Toren, diese Ausbeute wurde erst 2014 von CR7 übertroffen, schoss er die AC Mailand zum Landesmeister-Titel, auch im Finale gegen Benfica (2:1) gelangen Altafini beide Treffer.

In einem Jahr ohne WM oder EM hat der herausragende Torschütze des Henkelpott-Gewinners den Ballon d'Or vermeintlich fast schon sicher - wenn er seinerzeit denn Europäer war. Und das war Altafini 1963 auch.

Alfredo di Stefano (re.)

Der Argentinier und Spanier Alfredo di Stefano gewann zweimal den Ballon d'Or, als die Wahl noch nur für Europäer zugelassen war. IMAGO/Schirner Sportfoto

Wie mehrere südamerikanische Legionäre vor ihm - Alfredo di Stefano und Omar Sivori, eigentlich Argentinier, hatten den Ballon d'Or bereits gewonnen - hatte Altafini zwei Jahre zuvor eine zweite Staatsbürgerschaft angenommen, die italienische. Bei der WM 1962 in Chile war er sogar für Italiens Nationalmannschaft aufgelaufen.

Altafini stand also zur Wahl. Er sammelte auch mickrige vier Punkte und landete auf dem elften Platz, weit hinter seinem Spielmacher Gianni Rivera, sogar hinter Milans Defensivmann Giovanni Trapattoni. Was eigentlich nur ein Indiz dafür sein kann, dass die meisten der stimmberechtigten Journalisten nicht wussten, dass sie den Weltmeister von 1958 mit Brasilien wählen konnten - in einer Zeit vor den heutigen Shortlists. Oder sie wollten ihn, der nach Milans Meistersaison 1961/62 als Torschützenkönig keine einzige Stimme erhalten hatte, nicht als Europäer anerkennen.

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