Der «Spalt 6» macht den Forschende am meisten Sorgen

- Am Hochvogel in den Allgäuer Alpen haben Forschende mit «Spalt 6» einen neuen Riss entdeckt.
- Er liegt an der Südwestkante, wo die grössten Bewegungsraten gemessen werden; ein zusätzlicher Sensor soll dort warnen.
- Das instabile Felspaket umfasst 250'000 bis 400'000 Kubikmeter, wann es abbricht, ist offen.
Am Hochvogel in den Allgäuer Alpen haben Forschende einen neuen Riss entdeckt – und er macht ihnen am meisten Sorgen. «Spalt 6» nennen sie ihn. Er liegt an der Südwestkante des 2592 Meter hohen Gipfels, und dort werden derzeit die grössten Bewegungsraten gemessen-
Michael Krautblatter, Professor für Hangbewegungen an der Technischen Universität München, geht davon aus, dass von genau dieser Stelle aus der lange erwartete grosse Felsabbruch ausgelöst wird, berichtet der Bayerische Rundfunk.
Ein Sensor, der aufs Handy funkt
Deshalb soll in «Spalt 6» ein zusätzlicher Sensor installiert werden. Das Gerät misst Erschütterungen und Schwingungen direkt im Gestein und übermittelt die Daten unmittelbar an die Forschenden – aufs Handy.
Nehmen diese Signale zu, lässt sich eingrenzen, wann es gefährlich wird. «Womit wir rechnen, ist, dass zwei, drei Tage, bevor es passiert, eine Beschleunigung passiert», sagt Krautblatter. Dann gehe es nicht mehr um Zentimeter pro Tag, sondern um Zentimeter pro Stunde. «Und in dieser Zeit würden wir direkt noch mal warnen.»
Der Abbruch hat womöglich begonnen
Im Frühjahr registrierten die Messgeräte Bewegungen von bis zu fünf Millimetern pro Woche – für geologische Verhältnisse ein rasantes Tempo. Im Juni stürzte dann ein Felsturm mit rund 2000 Kubikmetern ab. Für Krautblatter ein Hinweis darauf, dass der grosse Abbruch bereits begonnen hat.
Die Dimensionen sind ungleich grösser: Auf 250'000 bis 400'000 Kubikmeter schätzen die Forschenden das instabile Felspaket. Wann es abgeht, ist offen – der Zerfall kann sich über Jahre hinziehen.
30 Sensoren und eine Drohne
Mit mehr als 30 Sensoren gehört der Hochvogel zu den bestüberwachten Bergen Deutschlands. Eine Drohne trägt einen Laserscanner über den Gipfel, aus den Daten entstehen 3D-Modelle. Nicht alle Geräte überstanden den Sommer: Ein Bewegungssensor wurde von einem Blitz zerstört.
Der grosse Spalt hinter dem Gipfelkreuz ist seit langem bekannt. Der Alpinist Hermann von Barth beschrieb ihn im 19. Jahrhundert als schulterbreiten Riss. Heute ist er stellenweise sechs Meter breit und rund 70 Meter tief.
Für die Forschung ist der Berg ein Glücksfall: Der Felssturz wird in unbewohntes Gebiet auf der Tiroler Seite niedergehen. So lassen sich neue Frühwarntechniken unter realen Bedingungen testen – für Berge, an denen Menschen gefährdet sind. Der Bäumenheimer Weg ist seit 2014 gesperrt, der Aufstieg von bayerischer Seite gilt als sicher.
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Konstantin Furrer (fur) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Seit 2022 Newsdesk-Leiter, daneben Blattmacher und Mitglied der Redaktionsleitung.
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