Zwischen Patzern und Top-Niveau: Warum schwanken die Aachener Leistungen?
Klatschen wechseln sich ab mit sehr überzeugenden Auftritten, mal gibt es einen neuen Abwehrchef, mal einen Patzer: Bei Alemannia Aachen ist derzeit wenig sicher.

Alemannia Aachen (hier: Ken Izekor) geht die Beständigkeit in dieser Saison bislang vollkommen ab. IMAGO/Eibner
So richtig schlau werden die Alemannen derzeit wahrscheinlich selbst nicht aus ihren Leistungen. Mal hui, mal pfui - macht unterm Strich eine ausgeglichene Bilanz. Hohe Siege (4:1 gegen Verl, 3:0 in Ingolstadt) haben die Aachener eingefahren und auch heftige Klatschen (0:3 gegen Meppen, 2:5 gegen Viktoria Köln). Woher kommt das?
Ein knapper, aber überzeugender 1:0-Sieg gegen Düsseldorf war ebenso dabei wie eine völlig unnötige 0:1-Pleite in Würzburg. Beim 0:3 in Wiesbaden am Mittwochabend zeigte die Alemannia wieder ein schwaches Spiel. Und das, obwohl mit dem erst 19-jährigen Dylan Leonard ein Youngster die Position des zentralen Abwehrspielers übernahm, der durchaus Anlagen hat.
Die Alemannia am Mittwoch
Bei seinem erst zweiten Einsatz von Beginn an machte es der Ex-Schalker (zwei Partien in der 2. Liga) in der ersten Hälfte auch gut, konnte die Aachener Defensive in der zweiten Hälfte jedoch nicht mehr ordentlich zusammenhalten. Beim 0:1 stand Lukas Schleimer völlig frei, beim 0:2 patzte Keeper Manuel Riemann, beim 0:3 wurden die Alemannen ausgekontert: Gegen ein keinesfalls überragendes Wiesbaden hatten die Aachener einen ihrer schlechten Tage erwischt - trotz der Rückkehr zur Dreierkette, trotz Leonard als neuem Abwehrchef.
Wenn der Gegner 110 Prozent auf den Platz bringt, wir aber nur 90, dann sieht es phasenweise so aus, als würden wir gegen Barcelona spielen.
Manuel Riemann
Da liegt die Frage nach dem Warum auf der Hand. Riemann, der beim Sieg gegen Düsseldorf wie auch bei den Niederlagen gegen Köln und Wiesbaden im Tor stand, erklärte es nach der Klatsche gegen Viktoria Köln am vergangenen Wochenende so: "Wenn der Gegner 110 Prozent auf den Platz bringt, wir aber nur 90, dann sieht es phasenweise so aus, als würden wir gegen Barcelona spielen." Liegt es also am Einsatz der Spieler? Am Willen? An der Konzentration? An beidem?
Schwer zu sagen, denn gegen Düsseldorf war es genau andersherum gewesen. Da hatte Aachen sein Top-Niveau abgerufen. Dazu seien gegen Köln viele individuelle Patzer gekommen, meinte Riemann: "Heute haben wir alle gemeinsam so viele Fehler gemacht wie in den acht Monaten, seit ich hier bin, zuvor nicht."
Erst im September hatte Loune gepatzt
Allerdings war Mehdi Loune erst Mitte September beim 2:2 gegen Regensburg - nach eigener 2:0-Führung - unmittelbar vor dem Ausgleich der Gäste ein Fauxpas unterlaufen, den Trainer Mersad Selimbegovic anschließend so kommentierte: "Das war ein Fehler, der zwei Jahre nicht mehr passiert ist und auch in den nächsten zwei Jahren wohl nicht mehr passiert." Aus den prognostizierten zwei Jahren wurde dann doch bloß ein knapper Monat. Denn gegen Köln patzte Petros Bagkalianis vor dem 1:5 ähnlich eklatant wie Loune gegen Regensburg und jetzt Riemann gegen Wiesbaden.
Gewiss kann man zugunsten der Alemannen ihren jungen Kader mit einem Altersschnitt von 24,23 Jahren ins Feld führen, um Leistungsschwankungen und persönliche Fehler zu erklären - was sicher auch für den 22-jährigen Loune, den 19-jährigen Leonard, für den drei Jahre älteren Bagkalianis wohl aber nur bedingt und für Riemann erst recht nicht gilt.
Mildernde Umstände sind auch die Personalprobleme, mit denen Selimbegovic zu kämpfen hat. Kapitän und Abwehrchef Mika Hanraths fiel lange ebenso verletzt aus wie sein erfahrener Ersatz Gideon Jung und Mittelfeldallrounder Jonas Oehmichen. Der in der vergangenen Rückrunde so solide Marius Wegmann hat in dieser Saison wegen einer komplizierten Unterarm-OP noch gar kein Spiel bestritten. Aufgrund der Abwehrmisere testete die Alemannia zuletzt sogar den vereinslosen Gastspieler Tim Walbrecht (zuletzt bei Hannover 96 II). Eine Entscheidung über eine Verpflichtung steht jedoch noch aus.
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