Nicole Bernegger im Interview – «Die finanzielle Seite des Musikerdaseins macht mir Angst»

Nicole Bernegger gewann 2013 die Castingshow «The Voice of Switzerland» und gehört heute zu den bekanntesten Soul-Stimmen des Landes. 10 Fragen und Antworten zu Mut, Familie, Fehlschlägen und künstlicher Intelligenz.
Nicole Bernegger
Soulsängerin
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Nicole Bernegger kam 1977 in Möhlin AG zur Welt. Sie studierte in Basel Germanistik und Geschichte. 2003 gründete sie die Soulband «The Kitchenettes» mit und wurde deren Frontfrau. 2013 gewann sie die erste Staffel der Castingshow «The Voice of Switzerland». Im selben Jahr veröffentlichte sie ihr Debütalbum «The Voice», zuletzt erschien 2025 das Album «Alchemy». Sie wurde unter anderem mit einem «Swiss Music Award» und dem «Prix Walo» ausgezeichnet. Nicole Bernegger ist verheiratet und hat drei Kinder.
SRF: Sie haben «The Voice of Switzerland» gewonnen – welcher Moment danach war überraschender als der Sieg?
Nicole Bernegger: Tatsächlich war der Gewinn für mich das Überraschendste. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich so weit kommen würde, als ich mich angemeldet habe.
Was danach kam, war für mich einfach Neuland: Labelvertrag, Management, Medien, Promo, das Musikbusiness als solches – und alles, was ich dabei gelernt habe, habe ich in die Arbeit als Independent-Künstlerin einfliessen lassen.
Wenn Ihr heutiges Ich Ihrer jüngeren Version vor dem Durchbruch einen Satz zuflüstern dürfte – welcher wäre das?
Bleib dir treu und glaub an dich – lass dich inspirieren, aber nicht von deinem Weg abbringen.
Was ist das Unvernünftigste, das Sie jemals für die Musik getan haben?
Ich bin aus einem Plattenvertrag ausgestiegen und hab ein eigenes Label gegründet. Nun habe ich von allem viel: Freiheit, unsere Visionen zu verfolgen, grossen Workload und finanzielles Risiko (lacht).
Ich bin eine eher scheue Person.
Gibt es einen Ratschlag aus dem Musikbusiness, den alle genial fanden und der sich für Sie als unsinnig herausgestellt hat?
Man hat mir das Gefühl gegeben, dass ein Hit programmierbar und erfolgreiche Musik berechenbar ist.
Welcher Teil des Musikerdaseins macht Ihnen auch nach all den Jahren noch ein bisschen Angst?
Die finanzielle Seite. Die grösste und fast einzige Einnahmequelle neben dem Merchandising sind Konzerte. Diese zu füllen, ist eine Herausforderung und von vielen Faktoren abhängig, die wir nur teilweise beeinflussen können.
Welche Eigenschaft von Nicole Bernegger als Privatperson würde Fans vermutlich am meisten überraschen?
Ich bin eine eher scheue Person.
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Bild 1 von 6. 2015 begleitete Nicole Bernegger die britische Kultband Simply Red als Support Act auf deren Deutschland-Tournee. Bildquelle: zVg.
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Bild 2 von 6. Nicole Bernegger trat 2017 im Rahmen des SRF-Projekts «One Night at the Apollo» im legendären Apollo Theater in Harlem, New York auf. Mit dabei war auch der Harlem Gospel Choir. Bildquelle: zVg.
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Bild 3 von 6. Nicole Berneggers aktueller Sound bewegt sich in jener warmen, handgemachten Soul-Tradition, für die auch das New Yorker Kultlabel Daptone Records bekannt ist. Bildquelle: zVg.
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Bild 4 von 6. Als Nicole Berneggers Kinder noch kleiner waren, fanden sie ihre Kleider und die Frisur mit den Vögeln und Blumen etwas befremdlich, «aber irgendwie auch sehr lustig», sagt die Baslerin. Bildquelle: zVg.
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Bild 5 von 6. Am Open Air Sumiswald 2025 heizt die Sängerin die Stimmung ein. Bildquelle: zVg/Roger Stöckli.
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Bild 6 von 6. Nicole Bernegger ist mit ihrer Band nun fast 10 Jahre zusammen unterwegs. Mit «Alchemy» haben sie ihr drittes Studioalbum herausgebracht. Bildquelle: zVg.
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Sie sind nicht nur Musikerin, sondern auch Mutter. Was haben Sie durch Ihre Kinder über sich selbst gelernt?
Geduld, ohne Schlaf zu funktionieren, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, loszulassen, Ängste auszuhalten, zu vertrauen und absolut selbstlos zu lieben.
Gibt es einen Song, den Sie heute anders hören, seit Sie eine Familie haben?
«Lean On Me» von Bill Withers. Früher habe ich diesen eher als «Freunde sind für Freunde da» gelesen. Heute höre ich den Text auch im Kontext des Elternseins: Was auch immer kommen mag, wir werden immer für dich bzw. euch da sein.
Angenommen, in 30 Jahren macht jemand einen Dokumentarfilm über Ihr Leben: Welche Szene dürfte nicht fehlen?
Da gibt es einige: Mit den «Kitchenettes» in London, die ganze «The Voice of Switzerland»-Zeit, mit Simply Red auf Tour, mit SRF im Apollo in New York auf der Bühne. Oder im Bandbus auf der Heimfahrt von einem tollen Konzert und das Arbeiten mit meiner Band, auf und hinter der Bühne.
Was kann KI in der Musik sehr gut – und was wird Sie nie können?
KI wird mit der über Jahrhunderte gewachsenen Kreativität und den erarbeiteten Fertigkeiten von Kunstschaffenden gefüttert, ohne deren Erlaubnis. Sie kopiert uns so perfekt, dass Maschinen- und Menschengemachtes kaum mehr zu unterscheiden sind.
Mit einem Publikum wird sie sich jedoch nie verbinden und Freuden oder Tränen teilen können. Sie erschafft nichts Neues, bleibt künstlich und wirkt in ihrer Perfektion womöglich langweilig und beliebig: Musik ohne Seele.
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