Sexuelle Gewalt und Folter: Festnahmen an Elite-Internat

- An der Internatsschule Sigtunaskolan nördlich von Stockholm hat die Polizei drei Gymnasiasten festgenommen.
- Zwei von ihnen stehen unter Verdacht des schweren sexuellen Übergriffs, der dritte unter dem der Körperverletzung.
- Die Ermittler stellten ein geheimes Regelbuch mit Hierarchien und Strafen unter den Schülern sicher.
- Die Schulleitung suspendierte Schüler und bezeichnet den Vorfall als «äusserst schwerwiegend».
Vergangene Woche rückten mehrere Polizeieinheiten zur schwedischen Internatsschule Sigtunaskolan Humanistiska Läroverket (SSHL) aus. Laut Polizeisprecher Ola Österling handelte es sich um geplante Ermittlungsmassnahmen. Nach Informationen von TV4 fand der Einsatz in einem Wohnheim für Jungen zwischen 14 und 18 Jahren statt.
Am Freitag gab die Staatsanwaltschaft die Festnahme von drei Gymnasiasten im Alter von rund 18 Jahren bekannt. Zwei von ihnen werden des schweren sexuellen Übergriffs und des schweren Hausfriedensbruchs verdächtigt, der dritte der Körperverletzung und des Hausfriedensbruchs. Die mutmasslichen Taten sollen zwischen dem 1. und 3. Oktober an der Schule verübt worden sein. Laut Gerichtsunterlagen gibt es drei Opfer, alle unter 18 Jahre alt, wie die schwedische Zeitung «Dagens Nyheter» berichtet.
Gewalttätige Aufnahmerituale
Laut «Bild» stellten die Ermittler zudem ein geheimes Regelbuch sicher. Darin sollen Rollen, Hierarchien und Strafen innerhalb der Schülerschaft festgehalten sein. Ältere Schüler hätten Machtpositionen innegehabt, durch die sie jüngere kontrollieren und bestrafen konnten. Staatsanwältin Lisa Dos Santos (46) spricht gegenüber TV4 von einer «etablierten Machtstruktur». Die älteren Schüler achteten darauf, dass dieses System inoffiziell bleibe. Das Buch sei gut versteckt gewesen – Erwachsene sollten offenbar nicht erfahren, was unter den Schülern geschah. «Derzeit laufen intensive Ermittlungen», so Dos Santos.
Das Regelwerk soll vor allem mit Aufnahmeritualen für neue Internatsschüler zusammenhängen. Im aktuellen Fall sollen jüngere Schüler gezwungen worden sein, sich auszuziehen. Anschliessend seien sie geschlagen worden. Die mutmasslichen Täter sollen dabei Sturmmasken getragen haben. Laut TV4, das sich auf Ermittlungsunterlagen beruft, sollen in einzelnen Fällen auch ein Schwert und ein Gürtel zum Einsatz gekommen sein. Die Verdächtigen bestreiten die Vorwürfe. Ihre Verteidiger sprechen jedoch selbst von einer «toxischen Kultur», die an der Schule seit Jahren existiere.
Auch König Carl XVI. Gustaf besuchte das Internat
Schulleiterin Sofia Kinberg bezeichnete den Vorfall in einer Mitteilung als «äusserst schwerwiegend». Die Schulleitung habe eigene Massnahmen beschlossen, «in Form von Suspendierungen von Schülern». Laut TV4 informierte die Schule die Eltern am Abend des Einsatzes per E-Mail. Ein Elternteil sagt, man sei über Unterstützungsangebote für besorgte Schüler informiert worden – nicht aber darüber, was den Tatverdacht ausgelöst habe.
König Carl XVI. Gustaf (80) besuchte das SSHL ab 1959 als 13-jähriger Kronprinz und schloss es sieben Jahre später mit der Matura ab. Als die Schule 2025 ihr 100-Jahr-Jubiläum feierte, besuchte er sein früheres Wohnheim und sagte: «Obwohl meine Schulzeit schon so viele Jahre zurückliegt, fühle ich mich hier immer noch wie zu Hause.»
Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?
Hier findest du Hilfe:
Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Darum wurde das Kommentarfeld deaktiviert
Florian Osterwalder (fos) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten und ist stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
