Tierschutzfall – Aargauer Veterinärdienst beschlagnahmt 53 Tiere im Fricktal

- Auf einem Hof im Fricktal hat der Aargauer Veterinärdienst 53 Tiere beschlagnahmt.
- Weil sich die Betreiberin nicht an ein Halteverbot hielt, wurden ihr 13 Pferde und 40 Hunde weggenommen.
- Die Frau habe wiederholt gegen das Tierschutzgesetz verstossen, mit zu kleinen Boxen oder zu wenig Futter, so die Behörden.
- Der Kanton sucht nun neue Plätze für die Tiere.
Der Veterinärdienst beschlagnahmte die Tiere am 7. Oktober, wie es in einer Mitteilung heisst. Dabei handelt es sich um 13 Pferde der Rasse Appaloosa sowie 40 Hunde – Australian Shepherds und Border Collies.
Gegen die Betreiberin des Hofs bestand seit Februar ein «vollumfängliches Tierhalteverbot». Bis Mitte Juli hätte sie ihre Tiere abgeben müssen. Weil sie dies nicht tat und sich «unkooperativ verhielt», habe man eingegriffen. Beim Einsatz war «aufgrund der unklaren Verhältnisse» die Polizei vor Ort. Die Halterin wird jetzt angezeigt.
Zu wenig Streu oder Wasser
Die Frau habe immer wieder gegen das Gesetz verstossen, sagt die stellvertretende Aargauer Kantonstierärztin Melanie Kocher gegenüber SRF. Auch beim Einsatz letzte Woche habe man erneut Verstösse gegen die Tierschutz- und Tierseuchengesetzgebung festgestellt.
Dabei handelt es sich laut Kocher etwa um zu wenig Einstreu bei Pferden oder schlechte Boxenhaltung, fehlendes Liegematerial bei den Hunden und kein Wasser. «Die Hunde waren nicht sozialisiert. Zum Teil stellten wir auch Vernachlässigung fest, vor allem bei den Pferden.»
Parallelen zum Fall Ramiswil?
Wie schlecht der Zustand der Tiere ist, sei bisher nicht klar. «Die Hunde konnten wir noch nicht vollständig tierärztlich untersuchen.» Auf den ersten Blick sei der Zustand aber nicht grundsätzlich schlecht. Anders bei den Pferden: «Wir stellten starken Parasitenbefall fest und fehlende Hufpflege. Ein Pferd hatte schlimme Beinverletzungen, deshalb mussten wir es einschläfern», so die stellvertretende Kantonstierärztin.
Parallelen zum Tierschutzfall in Ramiswil SO will sie nicht ziehen. Dort liessen die Behörden über 100 Tiere vor Ort einschläfern. Die Ausgangslage sei im Fall von Fricktal anders, so Kocher. «Die Tiere sind auf den ersten Blick nicht ungesund oder stark vernachlässigt. Sie hatten keine Verletzungen und waren nicht übermässig aggressiv. Wir sehen Chancen, dass wir für die Hunde neue Besitzer finden können.»
Darum wurde erst jetzt gehandelt
Der Fall sei schwierig, meint Melanie Kocher. Die Lage habe sich zugespitzt. «Die Tierhalterin kooperiert aufgrund ihrer Ideologie nicht mit den Behörden. Sie hat und will sich an nichts halten – auch nicht an Auflagen des Veterinärdiensts. Das hat sich über die Jahre negativ auf das Wohlbefinden der Tiere ausgewirkt.» Keiner der relativ jungen Hunde habe Papiere oder sei registriert.
Die Behörden hätten erst im Oktober eingegriffen, weil es vorher nicht genügend Plätze für die Pferde gegeben habe. Ein Grund sei dabei die Futterknappheit gewesen. Die Hunde seien aktuell in einem Tierheim untergebracht, die Pferde in einer geeigneten Institution.
Nun werden für die Tiere definitive Plätze gesucht. Weil eine Zusammenarbeit mit dem Schweizer Tierschutz nicht zustande gekommen sei, mache der Kanton dies selbst, so Kocher. Interessierte können sich via Website des Kantons melden.
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