Mister Omnipräsent: Krauß beißt sich in Kölns Mittelfeld durch
Tom Krauß spielte schon in England und bei sechs verschiedenen Klubs in Deutschland. Nun ist er beim 1. FC Köln im Mittelfeld unverzichtbar geworden. Wird er im Rheinland endlich glücklich?

Engagierter Anführer: Tom Krauß geht beim 1. FC Köln derzeit vorneweg. picture alliance / Eibner-Pressefoto
Als der Schock gerade erst in die Glieder der Kölner gefahren war, war auf Tom Krauß Verlass. Ellyes Skhiris Verletzung beim 2:1 im Rheinderby gegen Borussia Mönchengladbach brachte den FC ordentlich ins Wanken, doch Krauß machte viele Sorgen vergessen. Mit einer engagierten Leistung nach seiner Einwechslung (kicker-Note 2,5) räumte Krauß das Mittelfeld auf, anschließend gab es ein Sonderlob von Trainer René Wagner. Ist der 25-Jährige nun vollends beim FC angekommen?
Krauß zeigt seinen Wert
Bislang jedenfalls erlebte der gebürtige Leipziger die Karriere eines Suchenden. RB Leipzig, 1. FC Nürnberg, FC Schalke 04, 1. FSV Mainz 05, VfL Bochum sowie der englische Zweitligist Luton Town stehen als Arbeitgeber in seiner Vita. Länger als zwei Jahre hielt es Krauß nirgendwo. Und als Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler den umtriebigen Mittelfeldspieler im Sommer 2025 von dessen Stammklub Mainz lieh, war Krauß' Status zunächst der des ersten Herausforderers. In personellen Notlagen musste er sogar als linker Verteidiger ran. Keine dankbare Aufgabe. Aber eine, die Krauß meist zuverlässig erledigte. 27 Einsätze kamen so zustande.
Per Kaufverpflichtung wechselte Krauß für 3,5 Millionen Euro Ablöse fest nach Köln und sah sich doch wieder in der Herausforderer-Rolle. Denn mit Skhiri holte Kessler einen erfahreneren Platzhirsch zum FC, Isak Johannesson gilt als offensiver ausgerichteter Akteur für die Doppelsechs. Doch Krauß saß erst einmal auf der Bank - und zeigte gegen Gladbach und Frankfurt (0:1) nun, wie wichtig er wirklich ist.
Ein immenser Radius auf dem Platz
Seine Qualitäten als defensiver Staubsauger sind jedenfalls schwer verzichtbar für Wagners Team. Mit 59,14 bislang abgespulten Kilometern Laufleistung ist Krauß gewissermaßen Mister Omnipräsent. Er bringt einen immensen Radius auf den Platz ein, geht vorne ins Pressing und putzt hinten mal an der Seitenaus-Linie und mal im eigenen Fünfmeterraum brenzlige Situationen aus. Mit 102 Sprints geht er auch am häufigsten ins Tempo, dazu kommen respektable 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Ein Paket, das nicht nur Wagner überzeugt.
Denn längst geht Krauß auch als Antreiber vorneweg und übernimmt in Interviews Verantwortung. Außerdem hat Krauß seine Defizite im Offensivspiel erkannt und arbeitet gezielt daran, gefährlichere Impulse nach vorne zu setzen. Fünf Torschüsse und sechs Torschussvorlagen zeugen davon und bewegen sich etwa auf dem Niveau von Johannesson (sechs Torschüsse, sieben Torschussvorlagen) oder Stürmer Marius Bülter (sieben/drei).
Werte, die von Krauß' Entwicklung zeugen. Und davon, dass da gerade jemand ankommt in Köln. Sein Vertrag läuft jedenfalls bis 2029. Gut möglich, dass die Wanderschaft daher vorerst beendet ist.
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