Internationaler Strafgerichtshof erhält Sacharow-Preis
Ehrung des Europaparlaments Sacharow-Preis für Internationalen Strafgerichtshof
Stand: 22.10.2026 • 13:42 Uhr
Der Internationale Strafgerichtshof hat den diesjährigen Sacharow-Preis erhalten. Mit der Auszeichnung würdigt das EU-Parlament den Einsatz des Gerichts für das Völkerrecht - und setzt ein Zeichen gegen die Sanktionen von US-Präsident Trump.
Das Europaparlament zeichnet den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) und seine Vertreter mit dem Sacharow-Preis für Menschenrechte aus. EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola verkündete die Entscheidung in Straßburg. "Die Europäische Union basiert auf der Achtung des Multilateralismus und der internationalen Institutionen, und dieser Preis würdigt die wichtige Arbeit des Gerichtshofs bei der Wahrung des Völkerrechts und der Gerechtigkeit", sagte Metsola.
Verliehen wird der Preis im Dezember bei der Plenarsitzung des Parlaments in Straßburg. Der IStGH mit Sitz in Den Haag verfolgt seit 2002 schwerste Verbrechen wie Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der Gerichtshof hat 125 Vertragsstaaten.
Preis bekräftigt "Bedeutung unabhängiger Justizbehörden"
Der Gerichtshof dankte dem Parlament für die Auszeichnung. Dies sei eine wichtige Unterstützung für das Gericht und alle, die sich für das internationale Recht einsetzten. Gerichtspräsidentin Tamako Akane wies darauf hin, dass das Gericht zurzeit einem großen Druck durch die Sanktionen der USA ausgesetzt sei.
Der Sacharow-Preis bekräftige die "Bedeutung unabhängiger Justizbehörden", heißt es in einer Erklärung. "Er unterstreicht, wie wichtig eine fortgesetzte internationale Zusammenarbeit und Unterstützung ist, damit der Gerichtshof sein Mandat unabhängig und unparteiisch im Dienste der Gerechtigkeit und der Opfer der schwersten Verbrechen wahrnehmen kann."
USA setzen Gericht mit Sanktionen unter Druck
Das Gericht steht vor allem wegen des seit 2024 vorliegenden Haftbefehls gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu unter Druck der US-Regierung. Die USA werfen dem Gerichtshof unter anderem vor, politisch motiviert zu handeln. Netanjahu werden Kriegsverbrechen im Gazastreifen zur Last gelegt. Er weist die Vorwürfe zurück. Neben den USA und Israel erkennen unter anderem auch Russland, China und die Türkei den IStGH nicht an.
Die US-Regierung geht seit längerem gegen das Gericht vor, auch wegen vorläufiger Ermittlungen gegen US-Bürger wegen möglicher Kriegsverbrechen in Afghanistan. Schon im Februar 2025 ordnete Trump Sanktionen gegen Mitarbeiter an, die zum Beispiel keine E-Mails mehr empfangen oder Kreditkarten nutzen konnten. Sanktionen wurden auch gegen Gerichtspräsidentin Tomoko Akane verhängt. Im September rief US-Präsident Donald Trump Staaten zum Austritt aus dem IStGH auf.
Kurz darauf, Anfang Oktober, verhängte die US-Regierung Sanktionen gegen das Gericht selbst. Das Gericht könnte dadurch völlig von digitalen und finanziellen Transaktionen abgekoppelt werden, dazu gehören Bankgeschäfte oder E-Mails. Die Maßnahmen sollen allerdings erst nach 180 Tagen in Kraft treten.
Die Ankündigung kam wenige Stunden nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay, die von 2003 bis 2008 Richterin an dem Gericht war.
Metsola würdigt weitere Nominierte
Der Sacharow-Preis wird seit 1988 vom Europäischen Parlament an Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich für die Verteidigung der Menschenrechte und der Meinungsfreiheit einsetzen. Er ist mit 50.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung ist nach dem sowjetischen Dissidenten und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow benannt.
Parlamentspräsidentin Metsola würdigte auch die anderen Nominierten. Tundu Lissu habe sich für freie und faire Wahlen in Tansania eingesetzt und sei derzeit in Haft.
Die beiden Schwestern Taraneh und Romina Rahimi waren "im Namen all jener, die vom islamischen Regime im Iran verfolgt werden", für den Sacharow-Preis vorgeschlagen worden. "Taraneh und Romina sollten eigentlich ihr ganzes Leben noch vor sich haben, doch die eine muss wegen ihres Protests mit der Todesstrafe rechnen, der anderen drohen jahrzehntelange Haftstrafen", sagte Metsola. "Sie alle gehören nun zu unserer Sacharow-Familie."
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