Razzia im Casa Kuá: In voller Montur gegen 13 trans Frauen

Fast 40 Beamt:innen haben die Berliner „Doll“-Community gestürmt. Die Razzia zeigt, dass der Staat trans Leben nicht schützt. Das ist fatal.
D er Schock über die brutale Razzia am vergangenen Sonntag in dem „The Dolls of Berlin“-Treff ist groß. 38 Polizist:innen, teils in voller Montur für 13 trans Frauen. Deren Verbrechen: sich treffen, miteinander reden, essen, unter sich sein. Einen Ort kreiert zu haben, an dem sie sich nicht erklären müssen, sich Halt und Trost geben und sich in den Erfahrungen anderer Frauen wiederfinden.
Der Treff schafft einen Raum, in dem auf ihnen nicht der cis-normative Blick ruht und sie ihre internalisierte Transmisogynie hinter sich lassen können. Ausatmen, entspannen, aufstehen, zärtlich zu sich sein. Gemeinsam können die „Dolls“ Mut sammeln in dem ewigen Kampf gegen ein Herrschaftsverhältnis, das propagiert: Assimilierung sei der einzige Weg.
Bei den „Dolls“ weichen Scham, Selbstzweifel, Ablehnung und machen Platz für Freude, Zuneigung, Selbstliebe zu sich und zur Community. Dort sind trans Frauen die Mehrheit und erobern sich das Narrativ über ihr Leben zurück. Wann und wo gibt es das sonst? Die Aktion der Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft macht klar: Sie wollen ihnen diesen Ort wegnehmen.
Überlebenswichtige Orte
Sie werfen dem Ort illegalen Medikamentenhandel vor. Was für ein Widerspruch zur Realität. Jede trans Frau in Berlin kennt den Community-Treff. Besonders nicht-weiße, geflüchtete und arme trans Frauen sind dringend auf die Lebensmittelspenden der Tafel, die kostenlose Kleidung, Sozialberatung und den Kontakt zu anderen angewiesen.
Bei den „Dolls“ wird Wissen über alle möglichen Fragen und Ressourcen weitergegeben und besprochen – nicht mehr und nicht weniger. In einer transfeindlichen Gesellschaft, geprägt von Rassismus und Kapitalismus, wird Trans-Sein besonders schwer lebbar. Es ist Teil dieses feindlichen Systems, Menschen ihr Wissen und ihre Selbstbestimmung über den eigenen Körper zu entreißen und staatlich streng zu regulieren.
Orte, an denen die Community zusammenkommen kann, wie bei den „Dolls“, sind im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig. Deshalb ist die Razzia als ein gezielter Angriff auf trans Frauen scharf zu verurteilen. Trans Personen sollen in ihrem eigenen Space Angst bekommen – und auch darüber hinaus. Die Polizei spinnt aus rumliegendem Bargeld und Tabletten, die privat bei Menschen in Taschenkontrollen gefunden werden, ein Narrativ, um ihr perfides Vorgehen vor der bürgerlichen Presse zu legitimieren.
Selbstbestimmung ohne staatliche Regulierung
Statt niedrigschwellige Möglichkeiten für trans Menschen in Richtung Selbstbestimmung und Gesundheitsversorgung zu schaffen, stellt der Staat nach dem CSD-Anschlag lieber eine Regenbogenbank auf. Und selbst diese können sie nicht mal schützen.
Trans Frauen haben dieses System schon längst durchschaut. Der kapitalistische Staat schütze sie nie und hat auch kein Interesse daran. Wenn eine Bank, die vom Bezirk aufgestellt wurde, gleich viermal angegriffen wurde, was passiert dann mit trans Frauen?
In diesem faschisierenden Land sind Orte wie die „Dolls“ ein Dorn im Auge, denn sie haben die Ungleichheit im System erkannt – egal ob ökonomisch, rassistisch, gesellschaftlich oder medizinisch. In einer liberalen staatlichen Logik funktioniert der „Schutz“ von trans Leben, ohne tatsächliche auf die Bedürfnisse von trans Menschen einzugehen. Und genau dagegen sind die Beamt:innen am Sonntag vorgegangen, nicht gegen angebliche illegale Medikamente. Die „Dolls“ schaffen, was der Staat nie schaffen will: Selbstbestimmung.
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