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Tuesday, October 20, 2026

Studentinnen im Bus sexuell belästigt – «Polizei soll mitfahren»

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  • Zwei Studentinnen wurden in einem St. Galler Bus der Linie 9 Richtung Universität St. Gallen sexuell belästigt.
  • Gegen den mutmasslichen Täter, einen 39-jährigen Schweizer, gilt eine 30-tägige Fernhaltung für das Unigelände.
  • Die Verkehrsbetriebe St. Gallen verstärken die Linie 9 im Dezember mit Viertelstundentakt und Shuttlebus.
  • Frauen erzählen, wie sie sich schützen: Manche tragen Kopfhörer, andere meiden nachts den ÖV oder nutzen Uber statt öffentlicher Verkehrsmittel.

Zwei Studentinnen berichteten 20 Minuten von sexueller Belästigung in einem St. Galler Bus der Linie 9. Ein Mann soll während der Fahrt neben ihnen masturbiert haben. Eine der Frauen bemerkte nach dem Aussteigen Sperma an ihrer Hose. Als der Mann erneut auftauchte, hielt ihn eine Studentin mit Unterstützung weiterer Fahrgäste bis zum Eintreffen der Polizei fest.

Gegen den mutmasslichen Täter, einen 39-jährigen Schweizer, wurde eine 30-tägige Fernhaltung für das Gelände der Universität St. Gallen erlassen. Einer der betroffenen Studentinnen geht das zu wenig weit: «Eigentlich bräuchte es Massnahmen im öffentlichen Verkehr, alle Vorfälle haben sich dort ereignet.»

Mehr Busse ab Dezember

Die Verkehrsbetriebe St. Gallen prüfen zusätzliche Massnahmen wie Sicherheitspersonal, heisst es auf Anfrage. «Wir empfehlen unseren Fahrgästen, verdächtige Beobachtungen oder Vorfälle umgehend dem Fahrpersonal oder telefonisch den VBSG zu melden. Bei sexuellen Übergriffen sollte zudem unverzüglich die Polizei verständigt werden, damit rasch reagiert werden kann», schreibt Christie Koller, Leiterin Kommunikation und Unternehmensentwicklung.

Die Busse verfügen über eine Videoüberwachung, deren Aufzeichnungen während drei Tagen gespeichert werden. Diese können bei polizeilichen Ermittlungen hilfreich sein. Allerdings nur, wenn sich Betroffene umgehend melden.

Die Verkehrsbetriebe St. Gallen kündigen zudem auf den Fahrplanwechsel im Dezember Änderungen an. Konkret werde die Linie 9, die unter anderem zur Universität fährt, bis circa 20 Uhr im Viertelstundentakt bedient. «Zusätzlich wird während der morgendlichen Spitzenzeiten und Vorlesungszeiten zwischen dem Bahnhof St. Gallen und der Universität ein Shuttlebus eingesetzt.»

So reagierst du bei sexueller Belästigung im ÖV

Frauen erzählen von ihren Erfahrungen

Auch auf Social Media teilen Frauen, wie sie sich im öffentlichen Verkehr schützen. Eine Userin erklärt, sie wünsche sich, dass der ÖV nicht mehr so voll sei, sodass «Leute und Kameras sehen, wenn Passagiere übergriffig sind». «Das ist ein Sicherheitsmangel.» Eine andere kommentiert, sie fahre schon gar nicht mehr mit dem ÖV.

Eine fordert, dass die Polizei weniger in Autos unterwegs ist, sondern öfter zu Fuss in Busse und Züge einsteigt und dort für Sicherheit sorgt. «Die Menschen sollten sich im öffentlichen Verkehr sicher fühlen können, ohne Angst haben zu müssen. Es braucht mehr sichtbare Präsenz.»

In den Kommentaren wünschen sich viele Userinnen und User eine harte Strafe für den Beschuldigten. Eine Busse sei keineswegs ausreichend.

«Fahre nachts kaum mehr ÖV»

Weitere Frauen erzählen 20 Minuten, wie sie ihr Verhalten anpassen. Paula etwa setzt Kopfhörer auf, um gar nicht erst angesprochen zu werden. Wenn etwas passieren würde, würde sie ihr Handy zum Filmen zücken. Das gebe ihr ein Gefühl von Sicherheit.

Lilith und Meera (beide 27) beschäftigt das Thema sehr. «Ich fahre nachts kaum mehr ÖV, sondern bestelle ein Uber bis zu mir nach Hause», sagt Lilith. Meera schiebt die Verantwortung auf die Männer: «Sie wissen oft nicht, wie sehr uns dieses Thema beschäftigt.» Sie fordert, dass Männer öfter darüber reden sollen. Für die 27-Jährige ist klar: «Ich will mich nicht mehr unsicher fühlen – ich will diese Angst nicht mehr verspüren.»

Wie schützt du dich?

Keine Verharmlosung oder Toleranz

Lydia Wenger, Co-Fraktionspräsidentin der SP in der Stadt St. Gallen, fordert, den Schutz der Betroffenen von Anfang an mitzudenken. «Entscheidend ist, dass die Massnahmen wirksam sind und Sicherheit schaffen.»

«Sexuelle Belästigung darf weder verharmlost noch toleriert werden»

Lydia Wenger, Co-Fraktionspräsidentin SP, Stadt St. Gallen

Wenger hatte sich für ein Meldetool gegen sexuelle Belästigung engagiert. Im August führte die Stadt eine anonyme Meldemöglichkeit für sexuelle Belästigung und andere Diskriminierungen ein. Darüber können auch Vorfälle im öffentlichen Raum gemeldet werden. Das Tool soll Muster sichtbar machen, ersetzt aber keine Anzeige bei der Polizei.

2019 wurden über 4400 Frauen vom Forschungsinstitut GFS Bern im Auftrag von Amnesty International zum Thema sexuelle Belästigung befragt. Dabei gaben 46 Prozent an, im öffentlichen Verkehr schon Belästigung erlebt zu haben.

Anika Yago

Anika Yago (ayo), arbeitet seit 2023 bei 20 Minuten. Seit 2024 ist sie Redaktorin für das Ressort Zentralschweiz.

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