Warum Deutschlands Offshore-Ausbau stockt
Windräder höher als der Kölner Dom und leistungsstark genug, um mit einer einzigen Umdrehung den Tagesbedarf von vier Haushalten zu decken - die Offshore-Windkraft ist voller Superlative. Bis 2030 soll sie sich in Deutschland fast verdreifachen, so beschloss es 2022 die damalige Bundesregierung.
Stahlwerke und Turbinenhersteller stockten in den letzten Jahren ihre Kapazitäten auf, große Energiekonzerne sicherten sich Rechte an Meeresflächen und boten dafür in Versteigerungen Milliardensummen.
Euphorie rund um Offshore-Windkraft verflogen
Inzwischen ist die Euphorie verflogen. Die Konzerne BP und TotalEnergies halten es sich offen, geplante Projekte doch nicht umzusetzen. Sie begründen das mit der Verzögerung beim Bau der Netzanschlüsse, die den Strom vom Meer an Land bringen sollen. Zuständig dafür sind Übertragungsnetzbetreiber.
Windkraft soll das Klima schützen. Während im Münsterland motivierte Bürger eigene Windparks errichten, wehren sich Lüneburger gegen Windräder im Wald. Zwei Perspektiven auf die Energiewende.
12.06.2026 | 9:16 minBPs Offshore-Joint-Venture GERA Nex bp spricht gegenüber ZDFheute von Verzögerungen von über drei Jahren beim Netzanschluss für einen seiner geplanten Windparks.
Eine Verzögerung verursacht signifikante Kosten. Als wir 2023 den Zuschlag bekommen haben, war die Situation eine ganz andere.
Sprecher GERA Nex bp
Börsenstrompreise zuletzt gesunken
Doch die Gründe für den stockenden Offshore-Energie-Ausbau reichen weiter. "Schlechte gesetzliche Rahmenbedingungen, Kostensteigerung, auch Unternehmen, die sich verspekuliert und verkalkuliert haben", all das käme zusammen, sagt Andreas Mummert von der Stiftung Offshore-Windenergie. Lieferengpässe und höhere Preise für Bauteile verteuern den Bau.
Gleichzeitig sind die Börsenstrompreise zuletzt gesunken - schlecht für Windparkbetreiber. Als sie sich 2023 und 2024 für Milliarden die Rechte an Windparkflächen sicherten, gingen sie davon aus, ihren Strom zu höheren Preisen verkaufen zu können.
Europa könnte Abhängigkeiten beenden, sollten alle geplanten Projekte umgesetzt werden, meint Ökonomin Prof. Kemfert. Man müsse dafür bloß ins Handeln kommen.
26.01.2026 | 4:26 minWindparks: Bundesregierung plant Mindeststrompreis
Seit Mitte 2025 hat die Bundesnetzagentur gar keine neuen Windpark-Flächen vergeben, weil kein Unternehmen Interesse hatte und Auktionen ausfielen. Branchenverbände fordern deshalb, dass der Staat Offshore-Windparks einen Mindeststrompreis garantiert.
In europäischen Nachbarländern ist das bereits üblich. Fällt der Marktpreis unter das festgelegte Minimum, soll der Staat dem Unternehmen einen Ausgleich zahlen, steigt er dagegen über eine Obergrenze, fließen die zusätzlichen Erlöse an den Staat zurück. Damit sollen Projekte planbarer werden, das Risiko, dass sie scheitern, soll sinken.
Die Bundesregierung plant, eine solche Regelung einzuführen, sofern im Bieterverfahren kein Unternehmen für eine Fläche bezahlen möchte. Den entsprechenden Gesetzesentwurf hat der Bundestag diese Woche beraten.
Bürgerwindparks als private Geldanlage
:Lohnt sich das Geschäft mit dem Wind?Immer mehr Menschen investieren über Energiegenossenschaften in Windparks. Sie hoffen auf gute Erträge. Doch wie sicher ist das Geschäft mit dem Wind?
von Sophie Rittau
mit Video9:16
Was mit bereits vergebenen Meeresflächen geschieht, deren Ausbau stockt, ist offen. Der Bundesverband Windenergie Offshore fordert, dass Unternehmen die Flächen zurückgeben dürfen und sie neu ausgeschrieben werden. Im Gesetzesvorschlag ist das aber nicht vorgesehen.
Offshore-Ausbau: Steelwind erwartet 2028 Kurzarbeit
Klar ist: Für die gesamte Lieferkette hat es Folgen, wenn Projekte nicht wie geplant gebaut werden. Milliardenaufträge fallen aus, Fabriken stehen schlimmstenfalls still. Beim Fundamenthersteller Steelwind im niedersächsischen Nordenham arbeiten 800 Menschen, die Auftragsbücher waren in den letzten Jahren voll. "Jetzt sehen wir aber, dass der Ausbau stockt", sagt Geschäftsführer Korbinian Ott.
2028 erwarten wir wahrscheinlich, dass wir mindestens ein halbes Jahr, wenn nicht sogar länger, eine Kurzarbeitsphase haben werden.
Korbinian Ott, Geschäftsführer Steelwind
Wenn Ingenieure und Schweißer das Unternehmen einmal verlassen haben, dauert es, bis die Produktion wieder hochlaufen kann, sobald neue Aufträge kommen. Nutzen könnte das der Konkurrenz: Vor allem chinesische Unternehmen drängen auf Europas Märkte. China hat schon geschafft, was Deutschland bis 2030 wohl verfehlen wird: In den letzten vier Jahren hat das Land seine installierte Offshore-Windenergie-Leistung fast verdreifacht.
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