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Friday, September 11, 2026

Abstimmung Stadt Bellinzona – Burgen oder «Fortezza»? Bellinzona ringt um sein Erbe

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Einigkeit herrscht darüber, dass die Burgen von Bellinzona ein touristischer Anziehungspunkt sind. Gestritten wird über die Bezeichnung der drei Festungsbauten.

Kritisch beurteilt der frühere Stadtpräsident Brenno Martignoni Polti, heute Gemeinderat der Bewegung «il Noce», insbesondere die geplante Umbenennung und die Zusammenführung der drei Burgen «Castel Grande», «Montebello» und «Sasso Corbaro» unter dem Begriff «Fortezza», also Festung. Der Name präge die Identität des Wahrzeichens. Deshalb müsse ein solcher Wandel mit grosser Zurückhaltung angegangen werden.

Älterer Mann im Anzug mit roter Krawatte und Ohrstöpseln vor hellem Hintergrund.
Legende: Personifizierter Widerstand: Ex-Stadtpräsident Brenno Martignoni Polti wehrt sich gegen die Vorhaben seines Nachfolgers. SRF

Der jetzige Stadtpräsident Mario Branda streicht die historische Bedeutung der Anlage heraus. Die drei Bauwerke seien ursprünglich keine Residenzen von Königen oder Adligen gewesen, sondern militärische Festungsanlagen des Herzogtums Mailand.

Soldaten hätten dort die Aufgabe gehabt, das Gebiet vor Angriffen zu schützen. Entsprechend plädiert Branda dafür, den Begriff «Festung» statt «Castelli» (Burgen) zu verwenden.

Vermarktung soll Mehreinnahmen bringen

Mit einer besseren Vermarktung erhofft sich die Stadt auch zusätzliche Wertschöpfung. Künftig sollen Besucherinnen und Besucher für gewisse Attraktionen Eintritt bezahlen. Die heute 40'000 Eintritte sollen auf 100'000 anwachsen.

Stadtpräsident Mario Branda begründet die ausgeweitete Eintrittspflicht mit den hohen Kosten für den Erhalt und die Pflege der denkmalgeschützten Anlage.

Wer lediglich kurz für ein Foto oder ein Selfie vorbeischaue, solle künftig ein Ticket lösen müssen. Einwohnerinnen und Einwohner von Bellinzona sollen die Burgen weiterhin kostenlos besuchen können.

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  • Bild 1 von 3. Lehnen die Stimmberechtigten aus Bellinzona das Referendum ab, dürfte der Spaziergang auf der Festungsmauer für Leute ausserhalb der Stadt künftig etwas kosten. Bildquelle: SRF.

  • Bild 2 von 3. Bereits heute würde es theoretisch etwas kosten, um auf den Innenhof von Castel Grande zu gelangen. Doch in der Praxis wird das kaum kontrolliert. Bildquelle: SRF.

  • Bild 3 von 3. Das Castel Grande – ein touristischer Anziehungspunkt in Bellinzona – unabhängig vom Streit um ihre Definition. Bildquelle: SRF.

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Ein Teil der vorgesehenen Investitionen fliesst in neue Besuchererlebnisse. Geplant ist unter anderem die Aufwertung eines unterirdischen Gangs. Dort sollen die Besucherinnen und Besucher in die Atmosphäre des mittelalterlichen Festungslebens vor 700 oder 800 Jahren eintauchen können.

Widerstand des ehemaligen Stadtpräsidenten

Mit der Unterstützung diverser Kleinparteien aus unterschiedlichen politischen Lagern hat der Ex-Stadtpräsident Martignoni Polti das Referendum ergriffen. Dieses wird auch von der SVP unterstützt.

Für Martignoni Polti geht die Vorlage weit über bauliche Verbesserungen hinaus. Er lehnt die stärkere Vermarktung der Anlage ab: Die Burgen dürften nicht um jeden Preis vermarktet oder gar zu einer Marke gemacht werden. Genau in ihrer heutigen Form seien sie einst zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden. Auch die Einführung von Eintrittsgebühren widerspreche aus seiner Sicht dem Geist des Unesco-Gedankens.

Besuchende sehen es unterschiedlich

Bei den Gästen gehen die Meinungen auseinander. Einige schätzen den heute freien Zugang zu den Burgen und würden diesen gerne beibehalten. Andere zeigen Verständnis für Eintrittspreise und verweisen auf die hohen Kosten für den Erhalt der historischen Bauten.

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  • Bild 1 von 5. Diese junge Frau findet es gut, dass der Besuch des Unesco-Weltkulturerbes grösstenteils kostenlos möglich ist. Bildquelle: SRF.

  • Bild 2 von 5. Er hingegen hat sich gewundert, dass die Sehenswürdigkeit nichts kostet. Der Mann habe vergeblich einen Kassenautomaten gesucht, sagt er. Er sei bereit gewesen, einen Eintritt zu bezahlen. Bildquelle: SRF.

  • Bild 3 von 5. «Es ist schon aufwendig, das alles hier zu unterhalten», sagt diese Besucherin. Ein Eintrittspreis ist ihrer Meinung nach nachvollziehbar. «Heute kostet ja alles.». Bildquelle: SRF.

  • Bild 4 von 5. Für diese Besucherin ist das Castel Grande sowohl eine Festung als auch eine Burg. Bildquelle: SRF.

  • Bild 5 von 5. Für diesen Herren ist sein Besuchsziel ganz klar eine Burg. Auf Nachfrage, dass weder eine Prinzessin noch ein König darin gewohnt hat, entgegnet er schmunzelnd: «Die können wir noch hierher bringen.». Bildquelle: SRF.

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Ob Bellinzona seine Burgen künftig als stärker vermarktete Fortezza, also Festung, positioniert oder am bisherigen Konzept festhält, entscheiden die Stimmberechtigten an der Urne. Das mittelalterliche Wahrzeichen bewegt die Gemüter weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Abstimmungsdossier

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Hier finden Sie News und Hintergründe zu den Abstimmungen vom 27. September 2026.

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