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Tuesday, October 13, 2026

Schulden, Familienzoff, Todesfall – nun der Hockenheim-Sieg

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Für Felix Hirsiger (28) war das Kapitel Motorsport längst abgeschlossen. Doch jetzt rast der Zürcher aus Herrliberg ZH am Sonntag in Hockenheim (De) zu einem der prestigeträchtigsten Auto-Meistertitel in Europa. Hirsiger triumphiert in der GT-Masters-Serie. Es ist der vorläufige Höhepunkt in der Karriere, die eigentlich im Teenager-Alter schon beendet war.

Hirsiger gewann als Jugendlicher zwei SM-Titel im Kart, fuhr dann in Frankreich in der Formel 4 auch gegen heutige F1-Topstars wie Charles Leclerc.

Doch dann kam der Bruch. «Im Alter zwischen 15 und 19 wollte ich mit Rennsport nichts mehr zu tun haben. Auf Social Media bin ich allen Menschen aus dem Racing entfolgt», sagt Hirsiger.

In der Familie gab es Streit

Der Grund? Wie so oft das liebe Geld. Hirsigers Vater fuhr einst selber Autorennen und nahm dann viel Aufwand auf sich, um Klein-Felix den Einstieg in den Kartsport zu ermöglichen. Doch das Hobby wurde jährlich teurer. «Es gab aber immer öfter Streit, ob wir wirklich so viel Geld investieren sollten», schildert Hirsiger heute. Die Rede ist von mehreren Hunderttausend Franken pro Saison.

Der damalige Teenager zieht seiner Familie zuliebe einen Schlussstrich – und startet eine neue Karriere als Radfahrer. Der Ehrgeiz bleibt. Im Team vom RV Wetzikon und später im Züricrit-Rennstall pedalt Hirsiger fortan an Rennen in der Schweiz und nimmt auch an der SM teil.

Doch dann ist es ausgerechnet ein tödlicher Unfall, der das vermeintlich verhinderte Talent wieder zurück zum Motorsport bringt. Im August 2019 stirbt in Spa (Bel) sein früherer Nachwuchs-Kollege Anthoine Hubert (†22) in der Formel 2. «So schlimm das war, aber da habe ich wieder begonnen, die Szene zu verfolgen.»

Jetzt gewinnt Hirsiger mit 28 Jahren eine Nachwuchs-Serie

Auch beruflich gehts für den Absolventen der United School of Sports mit seinem KV-Abschluss zurück ins Vierrad-Business. Er arbeitet als Autoverkäufer. Und wird mit geliehenem Geld von Kollegen bei einzelnen, kleinen Rennen doch wieder zum Piloten. «Nun musste meine Familie nicht mehr bezahlen. Ich habe selber Schulden gemacht, um wieder fahren zu können», so Hirsiger. Doch 2020 steht er bei 180’000 Franken Schulden. «So konnte es nicht weitergehen.»

Er entdeckt als einträgliches zweites Standbein das Rennstrecken-Coaching für Hobby-Piloten. Zudem werden Sponsoren auf den schnellen Zürcher mit der seltsamen Laufbahn aufmerksam. 2023 ist er wieder schuldenfrei, gründet in Cham ZG ein eigenes Autohandelsgeschäft – und rast im Rennboliden seinen verlorenen Jahren davon. 2024 einen Titel im Porsche-Markenpokal, 2025 einen Titel in Italien und nun der Titel in Deutschland.

Das Absurde: Eigentlich ist das GT Masters als Nachwuchs-Serie gedacht. Die Besten sollen in die DTM aufsteigen, wie es nun Hirsigers Teamkollege Finn Zulauf (22) als Sieger der «Road to DTM» machen dürfte. Hirsiger steht eigentlich am selben Punkt der Karriere wie der Deutsche – mit dem Unterschied, dass er schon 28 Jahre alt ist. Weil er jahrelang pausierte und Velorennen fuhr, ist Hirsiger nun sowas wie die älteste Nachwuchshoffnung der Schweiz. Doch sein grosser Traum, eines Tages in der DTM oder in Le Mans zu fahren, ist plötzlich sehr realistisch.

Traurig macht Hirsiger bei den verlockenden Aussichten nur eines. Sein Vater erlebt den grössten Triumph seines Sohnes nicht mehr mit: Er verstarb vor vier Jahren.

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