"Mehrwert würde wegfallen": Studie: AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt würde Wachstum bremsen

"Mehrwert würde wegfallen"Studie: AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt würde Wachstum bremsen
26.08.2026, 07:10 Uhr

Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD mit deutlichem Abstand an der Spitze. Sollte die Partei nach der Wahl allein regieren, droht die Wirtschaft des Bundeslandes in Mitleidenschaft gezogen zu werden, heißt es in einer Studie. Das Wachstum könnte deutlich sinken.
Eine Landregierung unter AfD-Führung könnte Sachsen-Anhalts Wirtschaftswachstum deutlich bremsen. Allein die ausländerfeindliche Rhetorik der Partei könnte bereits diesen Effekt auslösen, sagte der Chef des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH), Reint Gropp, der "Süddeutschen Zeitung". "Fremdenfeindliche Politik ist schlecht für die Wirtschaft. Vorläufige Schätzungen zeigen, dass das Wirtschaftswachstum in Sachsen-Anhalt um etwa ein halbes bis ein Prozent pro Jahr sinken könnte", sagte Gropp.
Der Ökonom betonte gleichzeitig, die Leute wählten die AfD ohnehin nicht aufgrund ökonomischer Sachargumente. "Die Menschen hier wollen zurück in eine Welt, die es nie gab. Eine ideale deutsche Welt mit nur Blauäugigen und Blonden auf der Straße, dem kleinen Tante-Emma-Laden in jedem Dorf und so weiter", sagte Gropp.
Gropp zufolge kommt das derzeitige Wachstum der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt durch Zuwanderung zustande - die Zahl deutscher Beschäftigter sei rückläufig, da mehr von ihnen in Ruhestand gehen als nachkommen. "Wir können den Mehrwert, den Zuwanderer kreieren, nach bestimmten Jobs und Branchen sortieren", erläuterte Gropp. "Dieser Mehrwert würde dann wegfallen."
Wirtschaft dürfte schrumpfen
Er rechne damit, dass die derzeit leicht wachsende Wirtschaft in Sachsen-Anhalt infolge eines AfD-Wahlsiegs schrumpfen würde. Betroffen seien viele Branchen. "Anders als viele sagen und anders als im Bundesdurchschnitt ist der Anteil von Ausländern in der Pflege in Sachsen-Anhalt relativ gering", sagte Gropp. Hoch sei der Anteil mit 33 bis 40 Prozent dagegen in der Lebensmittelherstellung, im Baugewerbe, in der Gastronomie und in der Logistik. Zudem würden rund 20 Prozent aller Ärzte aus dem Ausland kommen.
Gropps Institut hat die Entwicklung von Zuwanderung in Gegenden untersucht, in denen ausländerfeindliche Parteien an die Macht kamen - unter anderem Sonneberg in Thüringen, wo ein AfD-Landrat gewählt wurde, Großbritannien nach dem Brexit und einige norditalienische Gemeinden, in denen die Lega Nord regiert. "In den von uns untersuchten Gegenden hat die Zuwanderung abgenommen", sagte der Wirtschaftswissenschaftler. "So etwas können wir dann auch in Sachsen-Anhalt erwarten."
Die AfD liegt in den Umfragen seit Monaten stabil bei mindestens 41 Prozent. Das wäre eine Verdopplung ihres Ergebnisses von 2021. Die CDU von Ministerpräsident Schulze erreicht Werte zwischen 22 und 24 Prozent - nach 37,1 Prozent vor fünf Jahren wären das deutliche Verluste.
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