Moskau startet verdeckte Mobilmachung

Wie Putin zu neuem Kanonenfutter kommt, ohne die Russen zu verärgern
Moskau startet verdeckte Mobilmachung
Nach den Duma-Wahlen bereitet Russland laut Selenski eine neue Rekrutierung vor. Besonders Ausländer – darunter Arbeitsmigranten – dürften für den Krieg angeworben werden.
Publiziert: vor 35 Minuten
Aktualisiert: vor 33 Minuten
- Selenski warnt vor neuer Rekrutierungswelle in Russland nach Duma-Wahlen
- Moskau lockt Migranten mit Geldversprechen und Einbürgerung an die Front
- Weitere 10'000 Soldaten aus Nordkorea sollen russischen Truppen beitreten
Guido FelderAusland-Redaktor
Die Führung in Kiew schlägt Alarm: Nach Aussagen des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski (48) sind in Russland Vorbereitungen für eine weitere umfangreiche Rekrutierung angelaufen.
Es war damit gerechnet worden, dass der Kreml zur Mobilmachung blasen würde, sobald die Wahlen beendet sind. Die Duma-Wahlen haben vor einer Woche stattgefunden und endeten erwartungsgemäss mit einem Sieg von Präsident Wladimir Putin (73) und seiner Partei «Einiges Russland».
Eine neue Rekrutierung ist dringend nötig, da die russische Armee zurzeit massive Verluste erleidet. Im Fokus stehen dabei laut Selenski Ausländer. Um den inländischen Unmut gering zu halten, lockt Moskau gezielt Arbeitsmigranten und Söldner aus dem Ausland mit Geldversprechungen oder beschleunigten Einbürgerungsverfahren an die Front.
Woher die Söldner kommen
Laut Selenski werden zu den 8000 aktiven Soldaten aus Nordkorea weitere 10'000 erwartet. Zudem dürften auch weitere Ausländer rekrutiert werden. Eine der wichtigsten Quellen sind die Millionen Arbeitsmigranten aus ehemals sowjetischen Staaten wie Usbekistan, Tadschikistan oder Kirgistan, die bereits in Russland leben.
In zahlreichen afrikanischen Ländern (darunter Kenia, Kamerun, Nigeria, Uganda oder Ghana) werben Mittelsmänner gezielt junge, oft arbeitslose Männer an. Den Rekruten werden dabei nicht selten angebliche Ziviljobs versprochen. Erst nach der Ankunft in Russland finden sie sich in Kasernen und schliesslich an der Front wieder. Solche Fälle sind auch aus Ländern wie Indien, Nepal, Sri Lanka und Kuba bekannt. Häufig stecken dahinter Schleusernetzwerke, die hohe Verdienste in Russland versprechen.
Die Führung in Moskau bestreitet Pläne für eine erneute allgemeine Einberufung. Der Kreml behauptet, über genügend freiwillige Vertragssoldaten zu verfügen.
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