Ab 15. Oktober: Alkoholverbot an allen Bahnhöfen tritt in Kraft

An circa 5.700 Bahnhöfen gilt nun ein Alkoholverbot – auch an Spieltagen der Fußball-Bundesliga. Die Bahn will Verstöße „mit Augenmaß“ ahnden.
Foto: picture alliance/dpa | Heiko Rebsch
dpa | Ein Feierabendbier am Bahnsteig oder eins für den Weg zum Bundesligaspiel – auf sämtlichen Bahnhöfen in Deutschland ist das seit Mitternacht verboten. Bundesweit gilt an allen rund 5.700 Stationen der Deutschen Bahn inklusive der Bahnsteige seit Donnerstag ein Alkoholverbot.
Ausgenommen davon sind Gaststätten in den Bahnhöfen. Auch in den Zügen darf in der Regel weiter Alkohol getrunken werden – in den Bordbistros der Fernzüge verkauft die Bahn ihn sogar selbst. Ausnahmen können auch dort gelten, wo etwa Bahnhofsgebäude nicht der DB gehören.
Das sogenannte Alkoholkonsumverbot solle die Bahnhöfe sicherer und sauberer machen, teilte die Bahn mit. Ziel sei, den Aufenthalt in den Bahnhöfen angenehmer zu machen. Ein Anlass für den Schritt war ein Vorfall in Baden-Württemberg.
Ein 26 Jahre alter Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn wurde im Juli bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalzug nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft von einem 36 Jahre alten Fahrgast geschlagen und getreten. Während des Gerangels gab die Zugtür nach und der Bahnmitarbeiter fiel durch einen Spalt aus dem fahrenden Zug. Der 36-Jährige soll alkoholisiert gewesen sein.
Kontrolle mit Augenmaß
Das Verbot ist Teil des DB-Hausrechts, dadurch haben die Sicherheitskräfte der Bahn eine Handhabe. Bei ihren Kontrollgängen sollen sie auf Personen zugehen, die gegen das Verbot verstoßen. Wer sich nicht an das Verbot halte, werde mit Augenmaß angesprochen, hieß es von der Bahn. Im schlimmsten Fall könnte ein Hausverbot folgen.
„Das Alkoholkonsumverbot gilt an den Bahnhöfen an jedem Tag, auch an dem Tag von Großveranstaltungen“, sagte Bahnsprecherin Anja Bröker mit Blick etwa auf Bundesliga-Partien in den Städten. Das neue Verbot dürfte vor allem an solchen Tagen auf eine harte Probe gestellt werden. Auch hier setze die Bahn aber auf Fingerspitzengefühl und Augenmaß, hieß es.
An knapp 40 großen Bahnhöfen sind Bier, Wein und Co. schon seit längerem tabu. Dazu gehören die Hauptbahnhöfe in Köln, Kiel, Heidelberg, München, Hamburg und Berlin. Die Erfahrungen sind der Bahn zufolge positiv. Das Verbot sorge für weniger Konflikte und weniger Müll, sagte Bröker. Reisende und Mitarbeitende fühlten sich an den Bahnhöfen wohler.
Mirko Schwärzel aus der Bundesgeschäftsführung der Bahnhofsmission betonte bei einem Pressetermin mit der Bahn, die Umsetzung des Verbots dürfe nicht zu Ungleichbehandlung und Stigmatisierung führen. „Die Regeln müssen dann auch für alle gelten.“ Feiernde und Fußballfans müssten genauso behandelt werden wie Wohnungs- und Obdachlose. Zudem warnte Schwärzel vor einer Verdrängung ins Bahnhofsumfeld. Grundsätzlich unterstütze die Bahnhofsmission die Initiative der Bahn.
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