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Wednesday, September 23, 2026

Wie die Ukraine im Drohnenkrieg Gelände zurückerobert

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Russland bereitet laut westlichen Geheimdiensten neue Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung vor. Viele Menschen fürchten einen weiteren Winter mit Stromausfällen und Kälte.

23.09.2026 | 2:04 min

Die Ukraine führt nördlich von Lyman seit Monaten die Operation "Vivaldi". Dabei gelingt ihr etwas Seltenes: Sie drängt russische Kräfte zurück, gewinnt Gelände und setzt gepanzerte Fahrzeuge ein.

Operation Vivaldi bringt Bewegung

Der begrenzte Erfolg zeigt, dass der Stellungskrieg nicht völlig erstarrt ist und Panzer auf dem von Drohnen geprägten Gefechtsfeld weiter eine Rolle spielen.

Die Operation Vivaldi ist eine ukrainische Gegenoffensive, um den russischen Vorstoß nordwestlich der Eisenbahnstadt Lyman in der nördlichen Oblast Donezk zurückzudrängen. Ziel ist es, zu verhindern, dass der ukrainische Festungsgürtel von der russischen Armee eingekreist wird. Nach Angaben des ukrainischen Brigadegenerals Andrij Bilezkyj heißt die Operation "Vivaldi", weil sie vier Phasen hat - in Anlehnung an Vivaldis "Vier Jahreszeiten".

Das 3. ukrainische Armeekorps teilte am 20. September mit, dass die ukrainischen Streitkräfte im Rahmen der Operation 75 Quadratkilometer geräumt und weitere 50 Quadratkilometer zurückerobert hätten. Laut dem Armeekorps wurden auch Angriffe auf die russische Logistik und Treibstoffversorgung durchgeführt, um die Versorgung der russischen Armee zu behindern. Eine russische Pipeline sei stillgelegt worden.

(Quellen: Institute for the Study of War, Drittes Armeekorps)

Warum große Panzerangriffe selten wurden

Zu Beginn der Invasion prägten lange Kolonnen von Panzern und Schützenpanzern das Bild. Seit 2023 ist der Einsatz großer Panzerverbände deutlich zurückgegangen. Heute werden gepanzerte Fahrzeuge meist in kleinen Gruppen eingesetzt. Nicht weil Panzer nutzlos wären, sondern weil größere Ansammlungen schnell entdeckt und angegriffen werden.

Aufklärungsdrohnen beobachten Straßen und Sammelräume, Minen zwingen Fahrzeuge auf wenige Routen. Dort greifen kleine, per Videobild gesteuerte FPV-Drohnen und Artillerie an. Wird das erste Fahrzeug ausgeschaltet, stauen sich die folgenden; wird der Nachschub getroffen, verliert der Angriff sein Tempo. Ein großer gepanzerter Vorstoß ist deshalb leicht zu entdecken und schwer durchzuhalten.

Christian Mölling
Quelle: DGAP

... gilt als führender Experte für europäische Verteidigung und transatlantische Sicherheit. Seit November 2025 ist er Direktor der europäischen Denkfabrik Edina, zuvor war er stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts der DGAP und Leiter des Zentrums für Sicherheit und Verteidigung. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement.

Warum FPV-Drohnen nicht jedes Ziel stoppen können

FPV-Drohnen sind jedoch keine selbstständig koordinierten Schwärme. Jede braucht einen Piloten, eine Verbindung und einen Sprengkopf. Die Besatzungen können mehr Ziele sehen, als sie angreifen können. Wetter, Störsender und Angriffe auf die Piloten verringern ihre Wirkung.

Mehr Schutz verändert deshalb die Gleichung. Zusatzpanzerung, Gitter, Störsender und aktive Schutzsysteme erschweren den Abschuss. Modifizierte Fahrzeuge überstehen mehrere Treffer und lassen sich häufig reparieren. Muss der Verteidiger mehrere Drohnen gegen dasselbe Ziel einsetzen, bleiben weniger für andere Fahrzeuge. Greifen viele geschützte Fahrzeuge zugleich an, können Drohnen und Piloten örtlich an ihre Grenze kommen.

Bei dem Angriff sind laut russischen Behörden zwei Menschen getötet worden, zudem geriet eine Raffinerie in Brand. In Russland endet heute die dreitägige Parlamentswahl.

20.09.2026 | 1:28 min

Dadurch entsteht kein allgemeines Übergewicht des Panzers. Entscheidend ist, ob örtlich genügend Aufklärungsdrohnen, Piloten und einsatzbereite FPV-Drohnen vorhanden sind, um alle Ziele rechtzeitig zu bekämpfen.

Russland testet neue Angriffe bei Dobropillia

Russland bereitet nach ukrainischen Angaben im Raum Dobropillia mechanisierte Angriffe vor. Gepanzerte Kolonnen und russische Drohneneinheiten sollen dort zusammenwirken. Moskau könnte versuchen, mehr Ziele zu erzeugen, als ukrainische Piloten zugleich angreifen können. Russische Drohnen sollen Aufklärung, Artillerie und Nachschub der Verteidiger stören.

Masse allein reicht aber nicht. Ukrainische Aufklärung entdeckte dort zuletzt eine Ansammlung leichter Fahrzeuge und zerstörte sie noch vor dem Angriff. Viele Fahrzeuge helfen nur, wenn ihre Bereitstellung verborgen bleibt und andere Waffen den Vorstoß schützen.

Bei russischen Angriffen auf Kiew vergangene Woche wurden laut Kiews Bürgermeister Klitschko mindestens zwölf Menschen verletzt. Auch in Odessa und Saporischja gab es Verletzte.

17.09.2026 | 0:25 min

Vivaldi gelang durch Überraschung

Bei Vivaldi kamen die Fahrzeuge nur im letzten Schritt zum Einsatz. Die Ukraine hielt die Operation geheim, griff russische Nachschubwege und Drohnenstellungen an und störte die gegnerische Aufklärung. Gepanzerte Fahrzeuge nutzten zudem eine nach starkem Regen für kaum passierbar gehaltene Route und erreichten Serednje überraschend.

Der Erfolg beruhte nicht auf einer einzelnen Waffe. Drohnen klärten auf und griffen Ziele hinter der Front an. Elektronische Kampfführung erschwerte russische Drohnenangriffe, Artillerie hielt Stellungen nieder. Gepanzerte Fahrzeuge schützten die Infanterie und lieferten direkte Feuerkraft; die Infanterie nahm und hielt das Gelände.

Panzer und Drohnen sind Teil des gleichen Systems

So funktioniert das Gefecht der verbundenen Waffen: Jede Waffe hat Stärken und Schwächen, die durch andere ausgeglichen werden. Drohnen sehen weit, sind aber störbar. Panzer schützen und feuern, sind ohne Aufklärung und Begleitung aber verwundbar. Artillerie braucht Zieldaten - z.B. über Drohnen, Infanterie Schutz und Feuerunterstützung.

Russland greift die Ukraine an

:Aktuelles zum Krieg in der Ukraine

Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Kämpfe dauern an. Alle Entwicklungen und Ukraine-News im Liveticker.

Satellitenbild: Rauchgeneratoren auf der Krim-Brücke aufgenommen am 22.6.2026

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Entscheidend ist nicht, welche einzelne Waffe überlegen ist, sondern ob sie besser zusammenwirken als die Waffen des Gegners.

Noch keine Rückkehr des Bewegungskriegs

Vivaldi ist eine Ausnahme, keine neue Regel. Solche Angriffe bleiben örtlich begrenzt, aufwendig und von Überraschung sowie günstigen Bedingungen abhängig. Sobald der Gegner seine Aufklärung, Drohnen, Artillerie und Versorgung neu ordnet, kann sich das Bewegungsfenster wieder schließen.

Die Ära der Drohnen ist deshalb nicht vorbei. Sie bleiben günstig, zahlreich und entwickeln sich weiter. Ihr Vorteil ist aber nicht absolut. Vivaldi zeigt, dass gepanzerte Kräfte im Stellungskrieg weiter eine Rolle spielen können - wenn sie Teil eines abgestimmten Systems sind.

Über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine berichtet das ZDF fortlaufend, etwa bei heute in Europa am 23.09.2026 ab 16:00 Uhr.

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