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Saturday, October 31, 2026

Mit 16 hackte er die SBB – jetzt hat Jordan seine eigene Firma

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In wenigen Minuten von der Idee zur fertigen Webseite: Jordan demonstriert, was seine Software kann.20min

Darum gehts

  • Jordan Unegbu (21), der mit 16 eine Sicherheitslücke im SBB-Ticketsystem entdeckte, führt heute die KI-Firma Swarmz.
  • Die Software erstellt Websites, Onlineshops und Web-Anwendungen allein aus Anweisungen in natürlicher Sprache.
  • Noch kann Jordan nicht von den Erträgen leben, doch er will weitermachen und seine Firma zum Erfolg führen.

Als Jordan Unegbu vor ziemlich genau fünf Jahren auf der 20-Minuten-Redaktion auftauchte, hatte er eine ungewöhnliche Geschichte im Gepäck: Der damals 16-Jährige hatte eine Sicherheitslücke entdeckt, über die sich Gratistickets der SBB generieren liessen. Er meldete die Lücke den SBB, diese sprachen von Betrug und liessen die Lücke schliessen.

Heute sitzt Jordan wieder mit einem Laptop auf der Redaktion. Der Unterschied: Statt ein Ticket auf ein Handy zu übertragen, tippt er eine Anweisung in ein Programm. Sein Programm. Wenige Minuten später entsteht auf dem Bildschirm die Website eines Coiffeursalons. Mit zwei Klicks ist die Webseite online, jeder kann jetzt darauf zugreifen und Termine buchen. «Noch vor ein paar Jahren musstest du dafür tausende Franken investieren und wochenlang warten. Dank unserer Software kann das jetzt jeder mit ein paar Klicks und schriftlichen Anweisungen», sagt Jordan.

Jordan demonstriert in der 20-Minuten-Redaktion live, wie aus einer einfachen Texteingabe eine ganze Webseite entsteht.

Jordan demonstriert in der 20-Minuten-Redaktion live, wie aus einer einfachen Texteingabe eine ganze Webseite entsteht.20min

Der Preis steigt mit der Komplexität der Webseite

Seine Firma heisst Swarmz und will es auch Menschen ohne Programmierkenntnisse ermöglichen, Websites, Onlineshops oder Web-Anwendungen zu erstellen. Die Idee: Wer etwa für einen Blumenladen eine Bestellseite mit Abholung, Terminbuchung und Zahlungsfunktion braucht, beschreibt dies in natürlicher Sprache. Die KI baut daraus die technische Grundlage, danach kann alles laufend angepasst und ausgebaut werden.

Swarmz arbeitet mit Credits: Ein Gratisaccount kriegt fünf Credits pro Tag, maximal 30 im Monat. «Damit lässt sich eine einfache Webseite bauen, die in der Gratisversion noch unser Wasserzeichen trägt, aber funktionstüchtig online gehen kann. Das günstigste Abo kostet 25 Franken. Je mehr die Webseite können soll, je mehr Funktionen und Schnittstellen zu anderen Programmen eingebaut werden, desto mehr kostet es», erklärt Jordan.

Was kann KI besser als du? Und was du besser als die KI? Die Antwort von Jordan gibts im Video.20min

Nachtschichten statt Informatik-Lehre

Der Weg zur eigenen Firma war für Jordan nicht geradlinig. Er besuchte die Sek B und erhielt trotz zahlreicher Bewerbungen keine Informatik-Lehrstelle. «Meine Schulnoten waren nicht die besten», sagt er. Stattdessen machte er am Stadtspital Triemli eine Ausbildung zum Fachmann Gesundheit. Parallel dazu beschäftigte er sich weiter mit Servern, Webhosting und künstlicher Intelligenz. Als frei verfügbare KI-Modelle aufkamen, gehörte Jordan zu den Ersten, die damit herumexperimentierten.

Finanziert habe er das Projekt aus eigener Tasche. Während er als FaGe temporär arbeitete und Nachtschichten übernahm, floss sein Geld in die Entwicklung. Heute arbeitet er mit zwei Entwicklern zusammen. «Der Weg war hart. Wir sind tausendmal gescheitert, mussten jedes Problem selber lösen. Ich kann unmöglich sagen, wie viele Arbeitsstunden schon in Swarmz eingeflossen sind, aber es waren sehr, sehr viele.»

«Wir haben Zugriff auf die neusten Claude-Modelle. Das ist schon auch ein wenig beängstigend.»

Herz seiner Firma ist eine eigene Software, die im Hintergrund jede Webseite von Grund auf neu codet. «Wir testen laufend offene Modelle wie Deepseek, Qwen oder Kimi und arbeiten mit mehreren Frontier-AI-Labs wie Anthropic und Openai zusammen. So haben wir auch Zugang zu den neusten Claude-Modellen, die gerade viele Schlagzeilen machen, weil sie ausbrechen und Cyberangriffe verüben können. Das ist schon auch ein wenig beängstigend, deshalb treffen wir für ihren Betrieb sehr strenge Sicherheitsvorkehrungen. Aber die Möglichkeiten sind grenzenlos.»

Sicherheit habe denn auch oberste Priorität: «Die technischen Details sind komplex, aber wir haben diverse Mechanismen eingebaut, um uns einerseits gegen Cyberangriffe zu schützen und andererseits zu verhindern, dass unsere Software etwas Unsicheres codet oder der Kunde aus Versehen heikle Daten in einer unsicheren Umgebung online bringt.»

Ein Tool für Nicht-Techniker

Swarmz positioniert sich in einem hart umkämpften Markt. Anbieter wie Lovable, Cursor oder Claude Code versprechen ebenfalls, dass sich mit KI schneller Software entwickeln lässt. Jordan ist überzeugt, dass sein Tool Vorteile hat: «Claude Code ist für Menschen komplett ohne IT-Kenntnisse nicht so einfach zu bedienen. Wir richten uns wirklich an Menschen, die eine Idee haben, kreativ werden oder ein kleines Business starten wollen. Ihnen geben wir ein äusserst einfaches, sicheres und günstiges Werkzeug an die Hand.»

Auf der Redaktion demonstriert Jordan das Angebot gleich selbst: Aus wenigen Eingaben in natürlicher Sprache entsteht innerhalb von rund 15 Minuten eine Website für einen fiktiven Coiffeur (siehe Video oben). Die Website sieht auf den ersten Blick gut aus, Termine lassen sich buchen, eine Vorabzahlung leisten und per E-Mail bestätigen. Die Seite wird während der Demonstration direkt veröffentlicht und ist von jedem Laptop oder Smartphone aus zugänglich. Auch eine Transaktion mit einer echten Kreditkarte ist im Test bereits möglich. Jordan verspricht, dass noch viel mehr möglich ist. «Schon jetzt kann unsere Software extrem viel programmieren und wir bauen laufend aus. Die Grenzen sind wirklich die eigene Vorstellungskraft.»

Kundenzahlen bleiben offen

Wie viel Geld Swarmz, das seit Mai online ist, bereits erwirtschaftet, will Jordan nicht verraten. «Wir wachsen schnell, doch ich kann derzeit noch nicht davon leben, weil wir den grössten Teil der Umsätze wieder in die Plattform investieren.»

Jordan ist sich bewusst, dass KI nicht jede Aufgabe verlässlich erledigt. Dennoch glaubt er, dass sich die Art, wie kleine Firmen und Gründer digitale Produkte entwickeln, grundlegend verändern wird. Sein Tool richte sich an Menschen mit Ideen, die nicht zuerst ein Entwicklerteam, eine Agentur oder umfassendes technisches Wissen brauchen sollen.

Wohin sein eigener Weg ihn noch führen soll, sei offen. «Derzeit ist Swarmz mein Baby, wir stecken alle viel Geld, Zeit und Herzblut da rein.» Hat er Erfolg und kann sich gegen die grosse Konkurrenz mit viel Kapital im KI-Markt durchsetzen, kann der 21-Jährige sich gut vorstellen, seine Firma irgendwann zu verkaufen. Und dann? «Genau weiss ich noch nicht. Klar ist, dass ich weiterhin das tun will, was ich liebe: an die Grenzen des technisch Möglichen und darüber hinausgehen.»

Jordans Rolle hat sich in fünf Jahren stark gewandelt: Suchte er früher hobbymässig nach Sicherheitslücken in fremden Systemen, baut er heute sein eigenes System auf. Ob seine Firma sich gegen die grossen und kapitalstarken Konkurrenten im KI-Markt durchsetzen kann, muss sich noch zeigen. Für den 21-Jährigen ist die Richtung aber klar: «Ich will weiter an die Grenzen des Möglichen und darüber hinausgehen.»

Welche Art von Webprojekt würdest du am ehesten mit einem KI-Tool wie Swarmz bauen?

Daniel Graf

Daniel Graf (dgr) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Leiter des Ressorts News und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung.

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