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Tuesday, October 6, 2026

Nationaler Aktionstag – Schülerproteste in Frankreich erreichen neuen Höhepunkt

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  • Die seit einer Woche andauernden Proteste junger Menschen in Frankreich für bessere Lernbedingungen an Schulen haben an einem nationalen Aktionstag ein neues Ausmass erreicht.
  • An zahlreichen Gymnasien und Hochschulen kam es zu Blockadeaktionen.
  • Die Polizei reagiert mit Grossaufgeboten. Das harte Durchgreifen sorgt für Kritik.

Landesweit wurden 150'000 bis 200'000 Demonstrierende erwartet, wie der Sender BFMTV unter Verweis auf das Innenministerium berichtete. Erstmals schlossen sich zudem Gewerkschaften den Protesten an. Auch Lehrkräfte und Eltern nahmen daran teil – um sich schützend vor ihre Kinder zu stellen.

Neben Paris sollte es auch in anderen Grossstädten wie Lyon, Lille, Marseille, Toulouse, Bordeaux, Rennes und Strassburg Versammlungen geben. Schon im Vorfeld gerieten Demonstranten und Polizeikräfte aneinander. Beamte wurden mit Gegenständen und Feuerwerkskörpern beworfen, seitens der Ordnungshüter wurden Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt.

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  • Bild 1 von 8. Nach Angaben des Innenministeriums wurden seit Beginn der Proteste 6100 Menschen festgenommen, die meisten von ihnen Minderjährige. (Strassburg, 6.10.2026). Bildquelle: REUTERS/Kai Pfaffenbach.

    Polizisten in Uniformen bei einer Demonstration, eine Person am Boden.
  • Bild 2 von 8. Bislang wurden mindestens 215 Jugendliche und 715 Polizisten verletzt. (Paris, 6.10.2026). Bildquelle: REUTERS/Yves Herman.

  • Bild 3 von 8. «Stoppt Polizeigewalt», heisst es auf einem Kartonschild bei der Demonstration in Paris. (6.10.2026). Bildquelle: REUTERS/Tom Nicholson.

  • Bild 4 von 8. Ein Demonstrationszug in Montpellier (6.10.2026). Bildquelle: Keystone/EPA/GUILLAUME HORCAJUELO.

  • Bild 5 von 8. Bei den Protesten kommt es auch zu Strassenschlachten zwischen Demonstrierenden und der Polizei, wie hier in Lyon. (6.10.2026). Bildquelle: REUTERS/Denis Balibouse.

  • Bild 6 von 8. In Rennes setzt die Polizei Wasserwerfer ein, um die Demonstrierenden zurückzudrängen. (6.10.2026). Bildquelle: Keystone/AP Photo/Jeremias Gonzalez.

  • Bild 7 von 8. Demonstrierende ziehen durch Rennes. (6.10.2026). Bildquelle: Keystone/AP Photo/Jeremias Gonzalez.

  • Bild 8 von 8. Demonstrierende stehen in Paris Polizeieinheiten gegenüber. (6.10.2026). Bildquelle: REUTERS/Abdul Saboor.

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Auf den Kundgebungen sieht sich die Polizei zunehmend dem Vorwurf von Polizeigewalt ausgesetzt. Die Generalinspektion der Polizei ermittelt wegen Einsätzen, bei denen Demonstranten durch Beamte verletzt wurden. Am Montag verlor ein 15-Jähriger im Norden des Landes eine Hand, als er eine Tränengasgranate der Polizei aufhob. Etliche Politiker sind über das Durchgreifen der Polizei gegen die meist jugendlichen Demonstrierenden empört.

Innenminister findet Polizeieinsatz verhältnismässig

«Wir können diese Repression nicht nachvollziehen. Die überwiegende Mehrheit der Schüler verurteilt Gewalt und Sachbeschädigungen. Wir sind Pazifisten», sagten die Schülerinnen Iris und Louane einem Reporter der Zeitung «Le Monde» im westfranzösischen Rennes. «Wir wollen lediglich unseren Forderungen Gehör verschaffen.»

Innenminister Laurent Nuñez rechtfertigte gegenüber dem Sender «France Inter» den Einsatz von Polizeigranaten und Gummigeschossen. Der Einsatz dieser Waffen sei bei Ausschreitungen verhältnismässig. «Man kann hier nicht von polizeilicher Repression sprechen.»

Gymnasien und Hochschulen blockiert

Am Dienstagmittag sprach die Gymnasialgewerkschaft USL von 1800 landesweit blockierten oder vorsorglich geschlossenen Gymnasien, ausserdem seien 90 Prozent der Hochschulen blockiert. Nach Angaben des Bildungsministeriums fiel der Unterricht an 891 Gymnasien ganz oder teilweise aus.

Bei Schulprotesten im französischsprachigen Teil Belgiens ist es zu Ausschreitungen mit mehreren Verletzten gekommen. In Lüttich seien am Montag 22 Polizeibeamte leicht verletzt worden, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga am Dienstag berichtete.

Teilnehmende hätten die Polizei etwa mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen. Gegen die Demonstrierenden seien ein Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt worden. Den Angaben nach versammelten sich mehr als tausend Demonstrantinnen und Demonstranten, um ihren Unmut über das Schulsystem auszudrücken.

Seit dem Start der Proteste am vergangenen Donnerstag wurden etliche Personen festgenommen, darunter auch 17 Minderjährige.

Den demonstrierenden Schülerinnen und Schülern geht es um Probleme, die sie schon seit Langem beklagen. Viel zu viel Unterricht falle aus, Vertretungslehrer gebe es zu wenige, etliche Schulgebäude seien heruntergekommen. Besonders in benachteiligten Stadtteilen fühlen sich die jungen Leute als Menschen zweiter Klasse.

Premier stellt Verbesserungen an Schulen in Aussicht

Premierminister Sébastien Lecornu rief die Ministerien am Sonntagabend auf, konkrete Verbesserungen an den Schulen des Landes einzuleiten und den berechtigten Sorgen der Schüler Gehör zu geben. So schaltete das Bildungsministerium eine Onlineplattform auf, auf der Schülerinnen und Schüler ihre Forderungen und Probleme schildern können. Damit aber geben sich die jungen Menschen nicht zufrieden.

Die massiven Proteste treffen Frankreich sieben Monate vor der Präsidentschaftswahl recht unvorbereitet. Die Regierung will verhindern, dass sich die Proteste – angefacht durch die hohen Spritpreise und Lebenshaltungskosten – auf andere Bereiche ausweiten und so etwas wie ein zweiter Gelbwestenprotest entflammt.

Tagesschau kompakt, 6.10.2026, 12:45 Uhr ;  sda/dpa/zero;schc;wilh

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