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Thursday, October 22, 2026

Beim Schreiben KI eingesetzt?: Verlag trennt sich von Autor Thélyson Orélien

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Beim Schreiben KI eingesetzt?Verlag trennt sich von Autor Thélyson Orélien

22.10.2026, 10:57 Uhr

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Er weist die Anschuldigungen von sich: Thélyson Orélien. (Foto: picture alliance/dpa/AFP)

Ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz erlaubt? Und wenn ja, bis zu welchem Maß? Darüber zerlegt sich gerade der Literaturbetrieb. So steht Autor Thélyson Orélien künftig ohne Verlag da, weil ihm KI-Vorwürfe gemacht werden, auch wenn er diese bestreitet.

Der Verlag des kanadisch-haitianischen Autors Thélyson Orélien hat angekündigt, die Zusammenarbeit mit dem 38-Jährigen zu beenden. Zur Begründung heißt es, die zuvor gegen den Schriftsteller erhobenen KI-Vorwürfe hätten sich bestätigt.

"Neue Informationen, die in den vergangenen Tagen bestätigt wurden, zeigen, dass Künstliche Intelligenz im Schreibprozess eingesetzt wurde", teilte der kanadische Verlag Les Éditions du Boréal mit. Orélien hatte die Vorwürfe, die seinen Bestseller "C'était ça ou mourir" betreffen, stets zurückgewiesen.

Es sei unklar, in welchem Umfang KI im Schreibprozess genutzt worden sei, räumte der Verlag ein. "Wir werden vermutlich nie eine endgültige Antwort darauf haben." Man habe jedoch alle Arbeitsfassungen des Romans zusammengetragen und eine externe Partei damit beauftragt, die verschiedenen Versionen zu analysieren. Dabei seien Spuren von KI entdeckt worden.

Zuvor sei versucht worden, mit Orélien zusammenzuarbeiten, um Beweise für seine Unschuld zu sammeln, so der Verlag. Dieser Versuch sei aber ergebnislos geblieben. Orélien habe in der Folge bekannt gegeben, "dass er keine weiteren Informationen liefern werde".

"Habe ich selbst geschrieben"

Orélien beharrte bis zuletzt darauf, dass sein Werk nicht auf Künstliche Intelligenz zurückgehe. "Kein Satz dieses Buchs wurde von einer Maschine geschaffen", beteuerte er. Und weiter: "Diesen Roman habe ich selbst geschrieben. Er stammt aus meinen Wunden und denen der anderen Migranten, den Wunden des Exils, die nicht heilen." Er habe beim Schreiben lediglich Übersetzungshilfen benutzt.

Zugleich räumte Orélien ein, in früheren Zeiten Texte anderer Autoren abgekupfert zu haben. Dies seien "inakzeptable Fehler", erklärte er. "Ich war knapp über 20 Jahre alt und wohl zu ungeduldig." Die Bewunderung für andere Schriftsteller rechtfertige es nicht, "mir Texte zuzuschreiben, die nicht meine eigenen sind", gestand er.

Oréliens Roman "C'était ça ou mourir" war wegen der KI-Vorwürfe von der Auswahlliste für den renommierten französischen Literaturpreis Prix Goncourt gestrichen worden. Mehrere Wissenschaftler und Journalisten seien bei Analysen zu dem Schluss gekommen, dass der Roman "allem Anschein nach sehr weitgehend das Produkt einer KI" sei, erklärte die Académie Goncourt dazu.

Erster Preis für Bücher mit KI

Mit dem Ausschluss von Oréliens Werk solle "die Integrität" der Auszeichnung und der Académie Goncourt geschützt werden, deren Ziel es sei, "von Frauen und Männern" geschriebene Literatur zu würdigen und zu fördern. Es handele sich um eine "klares Signal", dass die Akademie mit Hilfe von KI entstandene Texte "weder fördert noch auszeichnet".

Derweil riefen drei französische Tech-Unternehmer - womöglich inspiriert von der Causa Orélien - den ersten Literaturpreis für Bücher ins Leben, die mit KI geschrieben wurden. "Der Preis steht allen offen, die auf Französisch schreiben, überall in der frankophonen Welt, ohne Vorgaben zu Nationalität oder Wohnsitz und ohne Verlag", teilten die drei Unternehmer Philippe Rodriguez, Albin Serviant und Gilles Mentré mit. Der "Prix Pascal" hat bislang weder eine Jury noch ein festgelegtes Preisgeld.

Die französischen Unternehmer betonten, ausgezeichnet werden solle "ein unveröffentlichtes fiktionales Werk auf Französisch, das gemeinsam mit einer Künstlichen Intelligenz verfasst wurde und mutig genug ist, etwas zu wagen, das noch nie zuvor gelesen wurde". Einsendungen für den ersten "Prix Pascal" werden bis zum 30. November entgegengenommen. Die Preisverleihung ist laut den Veranstaltern für Mitte Dezember geplant.

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