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Tuesday, October 6, 2026

«Günstiger wird es nicht mehr»: Wann verdoppeln sich die Prämien?

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  • Die Krankenkassenprämien steigen 2026 auf durchschnittlich 488 Franken pro Monat – fünf Prozent mehr als heute.
  • ZHAW-Gesundheitsökonom Tilman Slembeck rechnet mit einer Verdopplung der Prämien in rund 15 Jahren.
  • Als Ursachen nennt er Demografie, Fehlanreize im System und den fehlenden politischen Willen zu Reformen.

Die Krankenkassenprämien steigen weiter. Nächstes Jahr bezahlen Erwachsene im Durchschnitt 488 Franken pro Monat für die obligatorische Grundversicherung. Das sind fünf Prozent oder 23 Franken mehr als aktuell.

Die jährlichen Erhöhungen mögen für sich betrachtet noch überschaubar erscheinen – in ihrer kumulierten Wirkung entfalten sie jedoch eine enorme Dynamik, wie News-Scout A.* schreibt. In gut 20 Jahren haben sich die Ausgaben für die obligatorische Grundversicherung fast verdoppelt.

Tatsächlich haben sich die Ausgaben für die obligatorische Grundversicherung in den vergangenen 20 Jahren fast verdoppelt.

Wenn die Prämien weiterhin jährlich im Schnitt um fünf Prozent steigen, führt das bereits in 14 Jahren zur nächsten Verdopplung der Monatsprämie auf 966.20 Franken.

Doch ist das auch realistisch? «Mathematisch ist das zwar korrekt», sagt der ZHAW-Gesundheitsökonom Tilman Slembeck zu 20 Minuten. «Allerdings wird die Finanzierung unseres Gesundheitssystems gerade umgebaut. Deshalb ist unklar, wie sich das Kostenwachstum künftig auf die Prämienentwicklung auswirken wird.»

Insgesamt rechnet der Experte aber mit einem jährlichen prozentualen Kostenanstieg von fünf und mehr Prozent. Bliebe es dabei, wären die Prämien für Erwachsene 2040 mehr als doppelt so hoch wie heute (siehe Grafik). Günstiger werde es nicht mehr, so Slembeck.

Warum wird es immer teurer?

Slembeck nennt mehrere Faktoren für die jährlich steigenden Gesundheitskosten und damit auch höheren Prämien. Dazu gehören etwa:

  • Demografie: «Die geburtenstarken Jahrgänge werden älter und beanspruchen mehr medizinische Leistungen.»
  • Vertrauensprinzip: «Spitäler und Arztpraxen rechnen alles Machbare ab. Das ist das Problem am Vertrauensprinzip. Wenn ein Arzt etwas verschreibt, wird es von der Krankenkasse übernommen, ausser diese widerspricht. Aber das kann sie nicht in jedem Einzelfall. Das wird in Zukunft noch stärker ausgenutzt werden.»
  • Mangelnder Wille zur Veränderung: «Die Politik ist komplett unfähig für grundlegende Reformen. Was wir seit Jahrzehnten sehen, ist reine Pflästerlipolitik. Eigentlich wissen alle seit langem, was zu tun wäre, um das System bei hoher Qualität finanzierbar zu behalten. So etwa die Schaffung von grösseren Gesundheitsregionen, statt vieler kleiner Kantone, die nur für sich schauen. Oder die Bereitstellung von Qualitätsdaten, damit die Patienten verschiedene Ärzte, Spitäler und Therapeuten endlich vergleichen können und ein Qualitätswettbewerb entsteht.»

Warum lassen sich wirksame Reformen so schwer umsetzen?

«Weil sich im heutigen System alle Akteure gut eingerichtet haben und bestens daran verdienen. Alle profitieren ausser die Prämien- und Steuerzahler», so Slembeck.

Was bedeutet das für die Menschen in der Schweiz?

Wenn sich also nichts ändert, kommen auf die Bevölkerung deutlich höhere Belastungen zu. Dabei seien die Prämien schon heute für immer mehr Leute nicht mehr tragbar, sagt Philipp Frei, Geschäftsführer der Budgetberatung Schweiz. «Die Leute sind frustriert. Sie haben schon jetzt Jahr für Jahr weniger Geld zur Verfügung. Das macht etwas mit den Menschen. Finanzprobleme machen krank.»

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Nicht nur für arme Leute seien die steigenden Prämien ein Problem. «Für ganz normale Mittelständler ist es herausfordernd. Vor allem für Familien ist es eine grosse Belastung.» Das Problem seien nicht nur die Prämien. Dazu kämen auch der Selbstbehalt und vieles, was nicht von der Krankenkasse abgedeckt ist.

Was denkst du über die Aussicht, dass sich deine Krankenkassenprämie in den nächsten Jahren immer weiter verteuert?

Frei sagt, er wisse von vielen Menschen, die seit Jahren nicht mehr zum Arzt oder Zahnarzt gehen, weil sie sich die Behandlung nicht leisten könnten. «Damit verschleppen sie Krankheiten und es wird noch teurer für sie und die ganze Gesellschaft. Damit werden bereits heute Menschen wegen der hohen Prämien vom Gesundheitssystem ausgeschlossen.»

*Name der Redaktion bekannt.

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Fabian Pöschl

Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft

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