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Thursday, October 15, 2026

Aktienrente könnte Kapitalmarkt 1,75 Billionen Euro bringen

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Bis zu 1,75 Billionen Euro Rentenbeiträge könnten in den kommenden Jahren in Aktien fließen. Die Linke spricht von einem "feuchten Traum der Aktionäre".

15.10.2026 | 0:42 min

Über die Rentenreform wurde und wird aktuell viel diskutiert. Es geht um die "Rente mit 63", Minijobs und weitere Reformvorhaben. Der wohl gewaltigste Punkt scheint in der Koalition aber unumstritten - obwohl er 1,75 Billionen Euro schwer werden könnte.

So viel Geld könnte bis Anfang der 2060er-Jahre am Kapitalmarkt angelegt werden, wenn die Aktienrente wie geplant beschlossen wird. Jährlich wären das bis zu 80 Milliarden Euro.

Das zeigen Berechnungen des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags, die auf Anfrage der Linkspartei gemacht worden sind und ZDFheute vorliegen.

Der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz folgt ihr ins Ministeramt nach – wer ist der Nachfolger von Bärbel Bas?

12.10.2026 | 1:52 min

Linke spricht von "Zwangsabgabe"

Finanziert werden soll die Anlage durch höhere Rentenbeiträge - aufgeteilt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. So empfehlen es die Wissenschaftler der Rentenkommission.

Scharfe Kritik an dem Vorschlag kommt von der Linken-Vorsitzenden Ines Schwerdtner. Sie sagt ZDFheute:

Das ist eine Zwangsabgabe der Bürgerinnen und Bürger zugunsten der Finanzindustrie.

Ines Schwerdtner, Parteivorsitzende "Die Linke"

Die Bürger müssten mehr einzahlen, "ohne selbst entscheiden zu können, wo ihr Geld landet", so Schwerdtner. Höhere Renten wären dagegen "keineswegs garantiert".

Angesichts "multipler Krisen" sei es eine "realitätsferne Annahme", dass sich die Aktienmärkte in Zukunft so gut entwickeln wie in den letzten Jahren, teilten die Linken mit. Schwerdtner spricht von "Glücksspiel an der Börse".

In Vergangenheit positive Entwicklung - trotz Weltkriegen

"Der Aktienmarkt ist kein Casino", erwidert die Finanzmarktexpertin Christine Laudenbach. Ein weltweit breit gestreut investiertes Aktienportfolio habe von 1900 bis 2024 jährlich im Schnitt fünf Prozent reale Rendite abgeworfen - trotz mehrerer Wirtschaftskrisen und Weltkriege, so Laudenbach. Risikofrei sei keine Form der Altersvorsorge:

Auch die gesetzliche Rente ist nicht risikofrei. Sie hängt von der demografischen Entwicklung, den Löhnen und politischen Entscheidungen ab.

Prof. Dr. Christine Laudenbach, Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE

Gerade Menschen mit geringem Einkommen würden von der Reform profitieren, da sie "bisher keinen Zugang zum Kapitalmarkt haben" und jetzt "erstmals vom langfristigen Vermögensaufbau profitieren" könnten, so die Expertin.

Der Bundestag berät über ein Altersvorsorgedepot für Kinder, in das der Staat monatlich zehn Euro einzahlen soll. ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller ordnet ein.

25.09.2026 | 1:12 min

SPD-Kommissionsmitglied erwartet Entwurf erst 2027

Als "Herzstück der Reform" bezeichnet Annika Klose (SPD) die Aktienrente. Sie saß für die Sozialdemokraten als stellvertretende Vorsitzende in der Rentenkommission. Klose geht davon aus, dass das Rentenniveau durch die Kapitalrente wieder steigt.

Bis ein Gesetzentwurf vorliege, werde es aber noch dauern. Klose sagt ZDFheute:

Ich halte es für völlig illusorisch, dass die Kapitalrente schneller vorgelegt wird als im Frühjahr.

Annika Klose, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion

Der Plan ist es, die Rentenreform in zwei Paketen zu verabschieden. Zum einen die Aktienrente und in einem zweiten Paket "der restliche Teil". Es gäbe aber "Diskussionen", ob man das "nicht alles gemeinsam machen kann", so Klose.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte am Dienstag gefordert, dass die Reform der Rentenversicherung "in diesem Jahr ausgereift durchformuliert ins Kabinett kommt".

Mit der Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge soll die Riester-Rente durch das Altersvorsorgedepot abgelöst werden. Bestehende Verträge genießen aber Bestandsschutz.

13.10.2026 | 1:15 min

Linke fordert höhere Beiträge und Steuerzuschüsse

Einen kompletten Stopp der Reform fordern dagegen die Linken. Sie schlagen vor, die Kosten der kommenden Jahre durch Beitragssteigerungen und höhere Steuerzuschüsse auszugleichen - ohne Aktien also.

Die höheren Beiträge sollen direkt den aktuellen Rentnern zugutekommen. So erhofft sich die Partei, auch die Wirtschaft anzukurbeln, weil die Rentner das Geld wieder ausgeben und es nicht gespart wird.

Dass der Konsum durch die Aktienrente eingeschränkt wird, könnte tatsächlich passieren, so Expertin Laudenbach. Allerdings sei nicht klar, wie stark der Effekt tatsächlich wäre, da schon heute viele Menschen für ihr Alter sparen.

Wenn wir sparen, verschieben wir Konsum von heute in die Zukunft. Das ist bei jeder Form der kapitalgedeckten Altersvorsorge so, und genau das ist ihr Sinn.

Prof. Dr. Christine Laudenbach, Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE

Gutachten: Aktienrente könnte rund 777 Euro zusätzlich pro Monat bringen

Tatsächlich könnte durch die Reform ein beachtlicher Wert entstehen. Nach 45 Jahren hätte man einen Betrag in Höhe von rund 55.000 Euro eingezahlt. Durch die Wertsteigerung am Aktienmarkt bekäme man aber gemittelt etwa 162.000 Euro ausgezahlt - rund 777 Euro zusätzlich jeden Monat.

Das geht aus Berechnungen des ZEW - Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung hervor. Die Chance, dass man nach 45 Jahren real weniger Geld ausgezahlt bekommt, als man eingezahlt hat, liegt bei 3,6 Prozent.

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