«Wir haben die Schnauze voll!» – Neue Proteste in Frankreich

Darum gehts
- In vielen Teilen Frankreichs demonstrieren Zehntausende gegen hohe Lebenshaltungskosten.
- Es kommt vielerorts zu Gewalt, die Polizei setzt Schlagstöcke und Tränengas ein und nimmt über 160 Menschen fest.
- Die Regierung will sieben Monate vor der Präsidentschaftswahl eine Protestwelle wie die der Gelbwesten verhindern.
Zu Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten sind in vielen Teilen Frankreichs Zehntausende Teilnehmer zusammengekommen. Wie von den Behörden befürchtet, kam es vielerorts zu Ausschreitungen und Gewalt. Mehr als 160 Menschen wurden festgenommen.
Das Innenministerium wies die Polizei an, hart durchzugreifen. Die Beamten setzten Schlagstöcke und Tränengas ein. Knapp sieben Monate vor der Präsidentschaftswahl will die Regierung verhindern, dass die Schülerproteste der vergangenen Wochen in eine allgemeine Protestwelle nach Vorbild der Gelbwestenbewegung münden.
Warum gehen die Menschen gerade jetzt auf die Strasse?
Herbstzeit ist Protestzeit in Frankreich und wenn die Politiker sich an die Haushaltsberatungen machen, demonstrieren die Menschen regelmässig gegen Einsparungen. Jetzt kommen Unzufriedenheit und Probleme in vielen Bereichen zusammen: Benzin, Lebensmittel und Energie sind teuer, die Landwirtschaft hat mit den Folgen des Dürresommers zu kämpfen, Schülerinnen und Schüler sind die schlechte Ausstattung ihrer Schulen satt.
Wer demonstriert an diesem Samstag?
Neben Schülern und Studierenden, die in den vergangenen Wochen bereits auf die Strassen gingen, wurden Menschen aus verschiedensten Bereichen erwartet, die ihre Unzufriedenheit etwa über die Sozialhilfe, die Löhne, die Entwicklung benachteiligter Viertel oder den Einsatz für den Klimaschutz und die Landwirtschaft zum Ausdruck bringen wollen. Mobilisiert worden war in den sozialen Medien unter dem Motto «On en a marre!» (Wir haben die Schnauze voll!). Auf Fernsehbildern und Fotos waren viele junge Leute zu sehen – und vereinzelt auch Demonstranten in gelben Warnwesten, wie während der Gelbwestenproteste 2018/2019.
Wie reagiert die Regierung – und wo liegen ihre Grenzen?
Alle protestierenden Gruppierungen eint die Forderung, dass die Regierung, die Politik, der Staat die Probleme lösen soll. Viele Menschen fühlen sich ungenügend unterstützt oder im Stich gelassen. Dabei hat die Regierung für Menschen mit niedrigem Einkommen Tankhilfen und Zuschüsse für die Energierechnung gezahlt oder zugesichert. Landwirte sollen Hilfen bekommen und für die über Unterrichtsausfall klagenden Schüler wurden 3000 Vertretungskräfte organisiert.
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Präsident Emmanuel Macron hat auch betont, dass der Krieg im Nahen Osten mit seinen Folgen und andere Konflikte nicht in der Hand Frankreichs liegen. Premierminister Sébastien Lecornu sagte, die Regierung könne nicht – wie früher oft geschehen – auf jede Krise mit Milliardenhilfen reagieren. Frankreich ist hoch verschuldet und im Parlament haben gerade die Beratungen über einen Sparhaushalt begonnen.
Warum gibt es bei den Strassenprotesten so viel Gewalt?
Bei vielen Protesten, jetzt zur Schulpolitik und vor einiger Zeit zur Rentenreform, mischen sich in Frankreich Randalierer unter die Demonstranten. Auf Französisch ist von «Casseurs» die Rede – das ist jemand, der etwas zerschlägt oder zerstört. Auch wenn halb Paris den Sieg seiner Fussballmannschaft auf der Strasse feiert, rücken diese Randalierer an, die mit Fussball meist nicht viel im Sinn haben.
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Alessia Rambaldi (ram), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin am Newsdesk.
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