«Vertrauen zerstört»: Roche stoppt Investitionen in Deutschland

- Der Basler Pharmakonzern Roche stoppt vorerst alle neuen Investitionen in Deutschland.
- Deutschland-Chef Daniel Steiners wirft der Regierung von Kanzler Friedrich Merz vor, «sehr viel Vertrauen zerstört» zu haben.
- Auslöser ist ein neues Gesetz, das die Krankenkassenbeiträge stabil halten soll und die Pharmabranche stärker belastet.
Der Basler Pharmakonzern Roche äussert heftige Kritik an der deutschen Regierung und stoppt vorerst sämtliche neuen Investitionen in Deutschland. «Wir haben sämtliche künftigen Investitionsentscheidungen in Deutschland erst einmal auf Hold gesetzt», sagt Deutschland-Chef Daniel Steiners (50) im Interview mit der «Welt».
Und er betont: «Roche, und damit meine ich auch unser globales Headquarter, will jetzt verstehen, wie es in Deutschland weitergeht.» Man müsse einschätzen können, ob Deutschland weiterhin ein Partner sei, der verlässliche Rahmenbedingungen schaffe. Roche ist seit 130 Jahren in Deutschland präsent und beschäftigt dort rund 18'000 Mitarbeitende.
Steiners kritisiert die Regierung von Kanzler Friedrich Merz scharf: «Für den Pharmabereich kann ich sagen, dass die Politik zuletzt sehr viel Vertrauen zerstört hat.» Im Koalitionsvertrag stehe zwar, der Pharmastandort solle gestärkt werden. «Gleichzeitig ist es so, dass privatwirtschaftliche Investitionen keinen politischen Ankündigungen folgen. Sie folgen verlässlichen Rahmenbedingungen und einem attraktiven Markt.»
«Damit verliert man doppelt»
Konkret geht es um ein neues Gesetz, das die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen stabil halten soll – und die Pharmabranche stärker belastet. «Statt die strukturellen Probleme anzugehen, setzt die Politik auf kurzfristige Einsparungen und zusätzliche Belastungen für die Industrie», sagt Steiners. «Damit verliert man doppelt.» Das eigentliche Problem bleibe ungelöst, gleichzeitig wanderten Investitionen und Arbeitsplätze ab.
Steiners spricht von einer Zäsur. «Dieser Automatismus, dass man weiter in einen Standort investiert, den gibt es in dieser Form einfach nicht mehr.» Europa stehe im Wettbewerb mit den USA und China – «und diese Länder setzen alles daran, Investitionen an ihre Standorte zu ziehen».
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Konstantin Furrer (fur) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Seit 2022 Newsdesk-Leiter, daneben Blattmacher und Mitglied der Redaktionsleitung.
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