«Ragebait» ist Jugendwort des Jahres 2026

Darum gehts
- «Ragebait» ist vom Verlag Pons Langenscheidt zum Jugendwort des Jahres 2026 gekürt worden.
- Der Begriff beschreibt Online-Inhalte, die gezielt Wut auslösen sollen – etwa durch Provokationen oder Falschbehauptungen.
- Rund eine Million Jugendliche beteiligten sich an der Abstimmung; auf den Plätzen zwei und drei folgen «Peak» und «Crashout».
Es geht darum, Empörung auszulösen und Aufmerksamkeit zu generieren – vor allem online, aber manchmal auch offline. Der Begriff «Ragebait» ist zum Jugendwort des Jahres 2026 gewählt worden. Er landete bei der Abstimmung im Internet auf dem ersten Platz, wie der Verlag Pons Langenscheidt mitteilte – vor «Peak» und «Crashout».
In der Endrunde standen nur die drei Begriffe. Laut den Angaben hatten sich rund eine Million Jugendliche an dem Voting beteiligt.
Aber was genau ist mit «Ragebait» gemeint?
Wer «Clickbait» kennt, der kann sich auch «Ragebait» gut erklären. Denn gemeint sind Inhalte in sozialen Medien, die absichtlich triggern sollen. Etwa mit provokanten Thesen, Falschbehauptungen oder wilden Meinungen soll versucht werden, Wut auszulösen. Das wird bekanntlich vom Algorithmus belohnt und bringt Kommentare, Likes und Reichweite. Direkt übersetzt bedeutet der Begriff «Wut-Köder».
Sprachforscher Jannis Androutsopoulos von der Universität Hamburg betont, dass der Begriff in der Jugendsprache über seinen Ursprung im Social-Media-Bereich hinausgehe. Also wenn beispielsweise jemand im Alltag seine Eltern nervt, um sie auf die Palme zu bringen. «Solche Wörter können eigentlich erst für sich beanspruchen, Jugendwörter zu sein, wenn sie ihre ursprünglichen Themenfelder verlassen.»
Nach Daubner-Video: Ergebnis wenig überraschend
Das Ergebnis kam für manche wenig überraschend. Bereits am Freitag war ein Video mit Nachrichtensprecherin Susanne Daubner auf den Social-Media-Kanälen der «Tagesschau» aufgetaucht, das von vielen Fans gefeiert wurde. Darin machte die 65-Jährige zunächst den Eindruck, wieder das Jugendwort erklären zu wollen, bevor sie plötzlich stoppte und einräumte, sich im Datum geirrt zu haben. «Sorry Leute, ich komme morgen nochmal, aber vielleicht wisst ihr es ja jetzt schon».
«Ragebait queen», lautete es daraufhin in einem Kommentar. Und: «Ragebait, der kein rage auslöst». Daubner gilt indes seit mehreren Jahren als «Kult-Ansagerin» für das Jugendwort. Als sie mal vorhatte, das Jugendwort nicht mehr auf Social Media zu erklären, protestierten Fans. Der Rückzugsplan wurde gestrichen.
Die Jugendwörter der letzten zehn Jahre
2017: I bims – Ironische Schreibweise von «Ich bin's»
2018: Ehrenmann/Ehrenfrau – Besonders korrekter, hilfsbereiter Mensch
2019: In diesem Jahr wurde kein Jugendwort gekürt
2020: Lost – Ahnungslos, verwirrt oder planlos
2021: Cringe – Peinlich, zum Fremdschämen
2022: Smash – Mit jemandem etwas anfangen wollen
2023: Goofy – Albern, tollpatschig oder lustig
2024: Aura – Ausstrahlung, Charisma oder Ansehen einer Person
2025: Das crazy – Reaktion, wenn einem die Worte fehlen
2026: Ragebait – Inhalte, die absichtlich Wut und Empörung auslösen sollen
Wie läuft die Abstimmung genau ab?
Alljährlich entscheiden junge Menschen von 11 bis 20 Jahren darüber, welche Sprachfloskel sie besonders angesagt finden. Ab Ende Mai können sie Begriffe einreichen, aus denen die Jury eine Top Ten auswählt. «Beleidigend oder diskriminierend? Game over. Nur echte Jugendsprache schafft’s ins nächste Level», heisst es beim Verlag. Es folgt eine weitere Abstimmung über die Top drei, die Ende August bekanntgegeben wird. Danach kommt die Wahl des Siegers.
Welches dieser Jugendwörter würdest du am ehesten verwenden?
«Sowohl bei der Abstimmung als auch bei der Einreichung der Vorschläge wurde nur die Altersgruppe der 11- bis 20-Jährigen berücksichtigt», sagte eine Verlagssprecherin. «Wir müssen uns darauf verlassen, dass die Teilnehmenden ihr Alter wahrheitsgemäss angeben.»
Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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