Darf er das? Diesen Hunde-Grundsatz kennen viel zu wenige

Der Hund schläft im Bett, läuft vor dem Spaziergang als Erster durch die Tür oder springt zur Begrüssung an Menschen hoch. Darf er das? Wer in solchen Fällen auf ein allgemeingültiges Regelwerk hofft, wird enttäuscht.
Entscheidend ist nicht, ob ein Hund etwas grundsätzlich darf, sondern ob es für ihn und die Menschen in dieser Situation sinnvoll und sicher ist.
Wie gehst du mit Regeln rund um den Hund zu Hause um?
Darf mein Hund im Bett schlafen?
Grundsätzlich ja. Hygiene und im Sommer die Temperatur sind ein Thema, der Rang innerhalb der Familie nicht. Die Vorstellung, der Hund arbeite sich über erhöhte Liegeplätze nach oben, stammt aus überholten Wolfsbeobachtungen in Gehegen. Bei frei interagierenden Hunden fand man oft gar keine durchgehende Rangordnung.
Anders sieht es aus, wenn ein Hund Ressourcen verteidigt oder nicht allein bleiben kann. Dann sollte man den Schlafplatz überdenken. Nicht wegen der Hierarchie, sondern weil ständige Nähe das Üben von Distanz erschwert.
Darf mein Hund vor mir durch die Tür?
Ja. Wer zuerst durch die Tür geht, sagt über die Beziehung nichts aus. Solche Regeln lehren den Hund lediglich, was in genau dieser Situation passiert.
Wer anständig an der Leine geht und abrufbar ist, darf vorlaufen. Hohe Aufregung an der Türschwelle kann jedoch kontraproduktiv für einen gelassenen Spaziergang sein.
Darf mein Hund zur Begrüssung hochspringen?
Für den Hund ist es Freude, für das Gegenüber oft nicht. Und es ist mehr als Geschmackssache. Unfälle entstehen nicht nur durch Bisse, sondern auch dann, wenn Menschen angesprungen, gekratzt oder an der Leine umgerissen werden. Besonders für Kinder und ältere Menschen kann ein freudiger Sprung ein echtes Risiko sein.
Wie gewöhne ich meinem Hund das Hochspringen ab?
Springt er hoch, schiebst du ihn bestimmt und zackig weg, sagst dein «Lass das»-Wort dazu und bleibst stehen wie eingefroren. Sobald alle vier Pfoten am Boden sind und der Hund sich zurücknimmt, löst du die Haltung, lobst und begrüsst ihn ruhig.
Springt er wieder, fängst du von vorne an. Wer das im Alltag nicht sicher hinkriegt, lässt ihn an der Leine und warnt Leute, die ihn begrüssen wollen. Generell empfiehlt es sich, Hunde mit ruhiger Stimme und ohne Hektik zu begrüssen. Hundehalterinnen und Hundehalter werden es dir danken, wenn du ihren Hund nicht hochpushst.
Sind lieb. Ihr Hünd.
Cyrill
Über Hundetrainer Cyrill Matter
Cyrill Matter (36) ist Hundetrainer und Gründer von Charly’s Dog Training. Gemeinsam mit seinen Hunden Charly und Nietzsche arbeitet er mit Menschen, die im Alltag an ihre Grenzen kommen, insbesondere mit reaktiven und herausfordernden Hunden. Sein Schwerpunkt liegt auf alltagstauglichem Training, instinktivem Lernen und nachhaltiger Verhaltensveränderung. Wichtig ist ihm dabei, nicht gegen den Hund zu arbeiten, sondern mit ihm und seiner Genetik. Sein Leitsatz: «Lernen nach Instinkt.»
Im Format «Hoi ihr Hünd» erklärt Matter auf 20 Minuten regelmässig Themen, die Hundehalterinnen und Hundehalter beschäftigen – und die auch für Menschen ohne Hund spannend sind.
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Hast du eine Frage rund um Hunde, die dich schon lange beschäftigt? Schreibe sie in die Kommentare. Vielleicht widmet sich Hundecoach Cyrill Matter in der nächsten Story deinem Thema.
Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Living und Auto & Mobilität und berichtet über Wohnen, Einrichten und Architektur.
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