Zwei nordkoreanische Kriegsgefangene in Südkorea eingetroffen

- Zwei nordkoreanische Kriegsgefangene sind Mitte September aus der Ukraine nach Südkorea gebracht worden.
- Der südkoreanische Abgeordnete Youn Kun-young bestätigte die Ankunft – nach einem Streit über einen Verstoss Kiews gegen eine vertrauliche Vereinbarung.
- Auslöser des Unmuts war eine Rede von Präsident Selenski vor der UNO, in der er die Übergabe öffentlich erwähnte.
Zwei Tage nach der Einbestellung des ukrainischen Gesandten in Seoul wegen des mutmasslichen Verstosses der Ukraine gegen eine vertrauliche Vereinbarung zur Übergabe von zwei nordkoreanischen Kriegsgefangenen hat ein südkoreanischer Parlamentarier die Ankunft der beiden Männer in Südkorea bestätigt. «Auch wenn ich das genaue Datum ihrer Ankunft in Südkorea nicht nennen kann, so kann ich doch bestätigen, dass die beiden Mitte September eintrafen», erklärte der Abgeordnete Youn Kun-young am Mittwoch. Er war demnach zuvor vom südkoreanischen Geheimdienst informiert worden.
Südkoreas Aussenministerium hatte am Montag mitgeteilt, dem Geschäftsträger der ukrainischen Botschaft, Andrij Wieschkin, sei «die ernste Besorgnis der Regierung im Zusammenhang mit der Übergabe nordkoreanischer Kriegsgefangener übermittelt» worden. Zuvor hatte das südkoreanische Präsidialamt «eine offizielle Erklärung und eine Entschuldigung» von Kiew gefordert.
Selenski-Äusserung sorgt für Unmut
Hintergrund sind Äusserungen des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski bei der UNO-Generaldebatte. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen am Mittwoch in New York hatte Selenski gesagt, sein Land habe zwei nordkoreanische Soldaten an Südkorea überstellt. Er fügte hinzu, es sei «nicht einfach gewesen, sie lebend gefangen zu nehmen». Die Offenlegung dieser Information stiess in Seoul umgehend auf Unmut.
Laut einem weiteren südkoreanischen Abgeordneten könnte Selenski sich zu dem Schritt entschlossen haben, um in Südkorea die Unterstützung für sein Land zu stärken. Nach Einschätzung des südkoreanischen Geheimdienstes habe Selenski «möglicherweise in der Hoffnung» gehandelt, «dass die Entsendung der Kriegsgefangenen nach Südkorea öffentliche Unterstützung für die Bereitstellung von Waffen und anderer Hilfe für die Ukraine hervorrufen würde», erklärte der Abgeordnete Yoo Yeong-ha unter Berufung auf den Geheimdienst.
Die beiden Soldaten waren im Januar vergangenen Jahres von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen worden, als sie in der Region Kursk auf russischer Seite kämpften. Anschliessend wurden sie in der Ukraine inhaftiert und baten nach Angaben von Aktivisten darum, in Südkorea leben zu dürfen. Im Februar vergangenen Jahres besuchte der südkoreanische Abgeordnete Yu Yong-weon die beiden Nordkoreaner in der Ukraine.
2000 Nordkoreaner im Krieg getötet
Laut der südkoreanischen Verfassung gelten alle Nordkoreaner zugleich als südkoreanische Bürger. Die Regierung in Seoul hat erklärt, dass dies auch für in der Ukraine gefangene Soldaten gelte.
Nordkorea ist einer der wichtigsten Unterstützer Moskaus beim russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Nach Erkenntnissen südkoreanischer und westlicher Geheimdienste hatte Pyongyang im vergangenen Jahr mehr als 10'000 Soldaten nach Russland entsandt, die vor allem in der Grenzregion Kursk eingesetzt wurden. Nordkorea bestätigte im April erstmals, Soldaten nach Russland geschickt zu haben. Nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes wurden rund 2000 von ihnen in dem Krieg getötet.
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Konstantin Furrer (fur) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Seit 2022 Newsdesk-Leiter, daneben Blattmacher und Mitglied der Redaktionsleitung.
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