Sion-Shootingstar grinst sich mit Zahnspange durchs Nati-Camp

Darum gehts
- Shootingstar Winsley Boteli (20) erlebt sein erstes A-Nati-Camp in Belek – ausgerechnet ohne Captain Granit Xhaka.
- Xhaka fehlt nach seinem Geständnis rund um ein gefälschtes Covid-Impfzertifikat; er reist nicht zum Zusammenzug.
- Boteli, der für Sion in 15 Pflichtspielen dreizehn Tore erzielte, will sich im Training vor allem bei Breel Embolo einiges abschauen.
Ungewöhnlicher Start in die Nati-Woche. Granit Xhaka fehlt im Trainingslager in Belek. Nach seinem öffentlichen Geständnis rund um das gefälschte Covid-Impfzertifikat haben der Captain und die SFV-Führung gemeinsam entschieden, dass Xhaka nicht zum aktuellen Zusammenzug reist. Die Mannschaft soll sich in Ruhe konzentrieren.
Winsley Boteli findet das zwar «sehr schade», schliesslich sei Xhaka «eine Legende und der Captain». Ein Problem für die Mannschaft sieht er aber nicht. «Wir haben auch andere Führungsspieler», so Boteli.
Der 20-jährige Stürmer des FC Sion erlebt ausgerechnet in Xhakas Abwesenheit seine erste A-Nati-Woche. Und die könnte angesichts seines Formstandes kaum spannender sein. Boteli hat einen furiosen Saisonstart hingelegt: In 15 Pflichtspielen für Sion erzielte er dreizehn Tore und bereitete fünf weitere vor. Nun steht er erstmals im Aufgebot von Murat Yakin.
Winsley Boteli: «Ich will genau schauen, was Embolo macht»
Besonders freut sich Boteli auf einen Spieler, den er schon aus seiner Zeit in Gladbach kennt: Breel Embolo. «Ich freue mich sehr auf Breel», sagt Boteli. Er kenne den Stürmer bereits aus seiner Jugendzeit bei Borussia Mönchengladbach.
Jetzt will er die Gelegenheit nutzen, möglichst viel von ihm aufzusaugen. «Ich werde im Training genau schauen, was er als Top-Stürmer macht, und versuchen, viel von ihm zu lernen.»
Für Boteli ist Embolo dabei mehr als einfach ein prominenter Teamkollege. Der 29-Jährige verkörpert jene Art von Stürmer, zu der Boteli selbst werden will: physisch, schnell, direkt – und mit Erfahrung auf höchstem Niveau.
Der Zeitpunkt für das gemeinsame Training könnte deshalb kaum besser sein. Die Schweiz geht in die neue Nations-League-Kampagne, und im Angriff gibt es neben Embolo auch frische Elemente.
Johan Manzambi als wichtiger Bezugspunkt
Eines davon kennt Boteli besonders gut: Johan Manzambi. Als Boteli am ersten Tag im Nati-Camp ankam, war zunächst alles ein wenig surreal. «Zu Beginn war ich gedanklich noch gar nicht richtig klar», erzählt er. Es sei ein «ganz besonderes Gefühl» gewesen, erstmals bei der A-Nati zu sein.
Dann sah er bekannte Gesichter. «Als ich Johan Manzambi gesehen habe, war es sofort ein gutes Gefühl.»
Manzambi ist für Boteli deshalb auch ein wichtiger Bezugspunkt. Der Genfer war an der WM 2026 einer der Schweizer Offensivspieler der Stunde und erzielte drei Tore – mehr als jeder andere Schweizer im Turnier. Zwei Treffer gegen Bosnien-Herzegowina und das Siegtor gegen Kanada gingen auf sein Konto.
Nun trifft Boteli ihn wieder – diesmal nicht in der U21, sondern bei den Grossen. 20 Minuten wagt einen Vergleich und bezeichnet ihn – nicht nur der Beziehung wegen –, sondern vom Spielstil her – als eine Mischung aus Manzambi und Embolo. «Das gefällt mir», sagt Boteli und fühlt sich geehrt.
FC Sion Schweizer Meister? «Ja, warum nicht!?»
Dass Boteli nicht einfach nur zum Lernen gekommen ist, zeigt sich auch bei seinen Aussagen zu Sion. Mit dem Club läuft es für den jungen Stürmer derzeit hervorragend. Die Walliser mischen vorne mit – und Boteli hat Blut geleckt.
Kann Sion gar um den Schweizer Meistertitel spielen? Seine Antwort kommt ohne langes Zögern: «Ja, warum nicht?»
Auch persönlich fühlt sich Boteli derzeit in einer besonderen Dynamik. Sein Trainer hatte zuletzt gesagt, der Stürmer könne von überall ein Tor erzielen. Selbst vom Parkplatz aus. Boteli nickt und muss lachen. «Er hat das nicht einfach so gesagt. Ich bin aktuell wirklich in einer extrem guten Dynamik und fühle mich so, als könnte ich aus jeder Lage treffen.»
Trotzdem will er sich nicht zurücklehnen. «Wir müssen im Training weiter hart an den Torschüssen arbeiten.»
Erst 20 Jahre alt – und schon mittendrin
Im Nati-Camp geht es für Boteli nun darum, sich an das Niveau zu gewöhnen. Nervös sei er nicht wirklich. «Als Fussballer weiss man, was man zu tun hat.» Natürlich wolle man sich beim ersten Training zeigen. Aber: «Fussball ist ein Spiel, das man vor allem mit Freude angehen muss.»
In Belek fällt ihm das besonders leicht, das Fünf-Sterne-Hotel bietet für die Nati perfekte Bedingungen. «Es ist schon eine andere Welt», sagt Boteli beeindruckt und ist begeistert vom eigenen Swimmingpool.
Eine Ungereimtheit gibt es allerdings: Boteli liebt die Nummer 13. Doch diese gehört Ricardo Rodriguez. Boteli habe mit dem Routinier darüber gesprochen – und zeigt grossen Respekt vor dem langjährigen Nati-Spieler: «Ricardo ist eine Legende».» Deshalb trägt Boteli zähneknirschend die Nummer 19, sagt aber auch: Der Spieler macht die Tore, nicht die Zahl.»
Was denkst du darüber, dass Granit Xhaka das Nati-Camp verpasst?
Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
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