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Friday, October 23, 2026

Israel will Westjordanland nach Angriff in Hebron abriegeln

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Israelische Soldaten versammeln sich in Hebron, Westjordanland.

Abriegelung nach Angriff im Westjordanland "Die ganze Stadt Hebron ist im Lockdown"

Stand: 23.10.2026 • 18:31 Uhr

Nach einem Angriff nahe Hebron im Westjordanland hat Israels Militär den Tod von zwei Soldaten bestätigt. Die Zufahrten zur Stadt sind gesperrt - bald soll die Armee das ganze Westjordanland abriegeln.

Bettina Meier

Schüsse hallen am Freitagmorgen am nördlichen Zugang zur Stadt Hebron im Westjordanland. Auf Videos der Nachrichtenagentur Reuters sind Soldaten an einem mobilen Kontrollpunkt zu sehen, die losrennen. Ein Soldat ruft:

Der Terrorist schießt ununterbrochen. Sie schießen jetzt aufeinander, unsere Soldaten und diese Tiere. Wir konnten die Verwundeten noch nicht evakuieren. Der Terrorist schießt seit 20 Minuten, der Hundesohn.

Nach Angaben des israelischen Militärs haben zwei mutmaßliche palästinensische Angreifer das Feuer eröffnet. Die Soldaten erschossen beide Männer. Am Nachmittag wurde bestätigt: Zwei israelische Soldaten wurden bei dem Angriff getötet, drei weitere verletzt.

Netanjahu macht Hamas verantwortlich

Nach Darstellung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu planten die Angreifer einen größeren Anschlag auf Zivilisten. Am Tatort seien zahlreiche Waffen und Munition gefunden worden. Er machte zudem die Terrororganisation Hamas für den Angriff verantwortlich. In einem schriftlichen Statement lobte die Hamas den Angriff, übernahm aber keine direkte Verantwortung.

Haim Goldich vom israelischen Sender KANN berichtet über den Ablauf des Angriffs.

Beim Angriff haben sich zwei Anwohner von Hebron einem Militärcheckpoint genähert. Dann haben sie mit automatischen Waffen das Feuer eröffnet, Soldaten getroffen und versucht wegzurennen. Sie haben nachgeladen, sind über den Zaun einer Fabrik geklettert und haben weiter auf Soldaten geschossen. Verwundete mussten abtransportiert werden, während Schüsse fielen.

Großangelegter Militäreinsatz angekündigt

Nach dem Angriff wurden die Zufahrten nach Hebron gesperrt. Netanjahu ordnete an, die Stadt abzuriegeln. Die Armee soll sich zudem auf eine vollständige Abriegelung des Westjordanlands vorbereiten. Außerdem sollen Soldaten in Nachbarschaften, wo die Angreifer wohnen, in die Häuser gehen und Waffen beschlagnahmen.

Er kündigte erneut einen großangelegten Militäreinsatz im Westjordanland an. Der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir nutzte den Besuch am Anschlagsort, um die Palästinensische Autonomiebehörde für den Angriff verantwortlich zu machen. Belege für eine Beteiligung der Behörde gibt es aber nicht. Ben-Gvir fordert ihre Auflösung:

Die Palästinensische Autonomiebehörde muss aufgelöst werden. Das ist absolut inakzeptabel. Dass es hier im Westjordanland eine Terrorbehörde gibt. Es ist nicht akzeptabel, dass diese Terrorbehörde zum Mord aufruft. Ich sage es in einfachen Worten: Wir müssen sie auflösen.

Ben-Gvir sagte außerdem, das Leben israelischer Siedler, Soldaten und Polizisten sei millionenfach wichtiger als die Bewegungsfreiheit.

"Die ganze Stadt ist im Lockdown"

Auch Finanzminister Bezalel Smotrich kündigte den Abriss eines Gebäudes gegenüber dem Anschlagsort an. Für die palästinensische Bevölkerung bedeutet die Abriegelung erhebliche Einschränkungen. Straßen und Zufahrten sind gesperrt, Menschen kommen teilweise nicht zur Arbeit oder zu medizinischer Versorgung. Ein Anwohner aus Hebron schildert, wie sich die Situation für seine Familie anfühlt.

Die ganze Stadt Hebron ist im Lockdown. Ich kann nicht rausgehen und bin in meinem Haus eingesperrt. Ich habe es vorher noch geschafft, meine vier Kinder wegzubringen, weil sie traumatisiert davon sind, dass die Armee durch meine Tür gebrochen ist. Mein vierjähriges Kind hat dabei vor Angst uriniert und muss ärztlich versorgt werden. Wegen der Sperrung kann ich nicht losgehen und Arbeit suchen. Es ist extrem schwierig für uns.

Die Abriegelung kommt wenige Tage vor der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober. Einschränkungen der Bewegungsfreiheit rund um Wahlen sind nicht ungewöhnlich. Die nun angeordnete Abriegelung folgt jedoch konkret auf den Angriff bei Hebron.

Rechte Politiker versuchen bei ihrer Wählerschaft aber auch zu punkten, indem sie ein hartes Vorgehen gegen palästinensische Gewalt versprechen. Die zunehmenden Angriffe radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland thematisieren sie dagegen kaum.

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