Mega-Fusion in Hollywood – Paramount übernimmt Warner Brothers: Was bedeutet das für uns?

In Hollywood bricht eine neue Ära an: Die Traditionsstudios Paramount und Warner Brothers befinden sich künftig unter einem Dach – unter dem Namen «Skydance». Was bedeutet das für Filmfans und Serienjunkies? Einschätzungen von Filmexperte Enno Reins.
Enno Reins
SRF-Filmexperte
Enno Reins bespricht Filme und Serien auf SRF 3 und bei SRF Online. Er leitet das multimediale Team «Filmkritik». Seit 2009 ist er bei SRF.
Was heisst die Fusion für Streaming-Abonnenten?
Die zwei in der Schweiz verfügbaren Streamingdienste Paramount+ und HBO Max gehören nun zu einem Konzern. Es ist zu erwarten, dass sie mittelfristig zusammengelegt werden. Wie genau, ist unklar. Das Archiv ist riesig. Zu Paramount gehören unter anderem die Mission-Impossible-Reihe, Star Trek, Spongebob Schwammkopf und South Park. Warner-Brothers-Filme und -Serien sind etwa das DC-Superheldenspektakel, Harry Potter, Friends, Game of Thrones oder The White Lotus. Man kann davon ausgehen, dass die Preise steigen werden. Der neugebildete Konzern Skydance muss massive Schulden zurückzahlen. Das könnte teilweise auf die Kundinnen und Kunden abgewälzt werden.
Gibt’s mehr oder weniger Kinofilme?
Zunächst gibt es mehr. Skydance hat sich verpflichtet, in den nächsten zwei Jahren 30 pro Jahr und in den drei Jahren danach je 32 pro Jahr zu produzieren. Was danach passiert, ist unklar.
Welche Filme werden wir zukünftig sehen?
Auch das ist unklar. Warner Brothers hat in der Vergangenheit hochkarätige Originalprojekte wie die beiden Oscarabräumer «Sinners» und «One Battle After Another» produziert. Die Angst ist, dass die Vielfalt verloren geht und es noch mehr Fortsetzungen und Remakes gibt als bisher, weil neue Stoffe als risikoreicher angesehen werden. Ausserdem gibt es für Filmemacher weniger Studios, an die sie sich wegen Finanzierungshilfe wenden könnten. Allerdings muss Skydance jährlich in einen Fonds für unabhängige Filmproduktionen einzahlen und vier Independent-Filme pro Jahr veröffentlichen.
Gibt es auch eine politische Komponente?
Ja, das neue Unternehmen wird von David Ellison geleitet, Sohn des «Oracle»-Mitbegründers Larry Ellison, dessen Familie enge Verbindungen zu US-Präsident Donald Trump unterhält. Viele fürchten, dass künftig Filme, in denen es um Rassismus oder Gender-Fragen geht, nicht mehr produziert werden. Trump wünscht sich bekanntlich einen vierten Teil der Action-Reihe «Rush Hour» mit Jackie Chan und Chris Tucker.
Wird es in Hollywood wieder mehr Jobs geben?
In den nächsten fünf Jahren muss Skydance zusätzlich 1.5 Milliarden Dollar in die heimische Filmproduktion investieren. Trotzdem ist mit Entlassungen zu rechnen. Das harmlose Stichwort: Synergien. Skydance selbst spricht von Kosteneinsparungen in den Bereichen Technologie, Marketing und Immobilien. Aber frühere Fusionen, wie die zwischen Disney und 20th Century Fox, haben gezeigt, dass am Ende im Rahmen von Sparmassnahmen Mitarbeiter in hoher Zahl entlassen werden.
Was passiert mit CNN?
CNN befand sich erst kürzlich in einem Streit mit der Trump-Regierung über den Zugang zum Weissen Haus. Der Präsident hat den Sender wiederholt als «Fake News» beschimpft. Wegen der Nähe der Ellison-Familie zu Trump, befürchten viele ein Ende der journalistischen Unabhängigkeit von CNN und verweisen auf Kritik an der Berichterstattung des Schwestersenders CBS nach der Übernahme durch die Ellisons. Fakt ist: Skydance ist verpflichtet, ein fünfköpfiges Gremium einzusetzen. Das soll die journalistische Unabhängigkeit sichern. Ausserdem hat David Ellison CNN-Chef Mark Thompson, früher bei der BBC, in seiner Leitungsposition belassen.
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