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Tuesday, October 6, 2026

Stimmen aus der Community – «dialog»-Community: Die gewaltfreie Erziehung polarisiert

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Seit dem 1. Juli 2026 ist das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung ausdrücklich im ZGB verankert. Die Änderung sei ein klares Signal an die Gesellschaft: Gewalt in der Erziehung, genauer körperliche Bestrafungen und andere Formen erniedrigender Behandlung von Kindern, sind verboten.

Aber ist diese Gesetzesverankerung im Alltag auch realistisch anwendbar? Die «dialog»-Community zeigt sich in einer nicht-repräsentativen Umfrage verhalten optimistisch: 54 Prozent sehen eine Umsetzung als «praktikabel», 42 Prozent der Userinnen und User sehen sie als «unerreichbar».

Die umstrittene Redewendung «Einen Klaps auf den Hintern hat noch niemandem geschadet» lässt sich in beiden Lagern wiederfinden – auch wenn diese eben neu ganz klar nicht mehr zulässig ist.

Jede Form von Gewalt verursacht Traumata.

Der User mit dem Pseudonym «Urs Debattierender» wirft die Frage auf, was unter Gewalt in der Erziehung überhaupt zu verstehen ist. Damit bringt er eine zentrale Unsicherheit der Debatte auf den Punkt: Gewalt hat viele Gesichter und lässt sich nicht immer eindeutig definieren. Auch darüber, wo Gewalt beginnt, herrscht keineswegs Einigkeit.

Diskutieren Sie mit:

Für die Userin «Frau auf dieser Erde» ist jedoch klar: «Gewalt ist ein Ausdruck des Verlusts der Selbstkontrolle. Gewalt habe zwar tatsächlich viele Ausdrucksformen: physische Gewalt, verbale Gewalt, psychologische Gewalt. Dies ist für sie jedoch zweitrangig, denn: «Jede Form von Gewalt verursacht Traumata. Davor können wir unsere Kinder schützen. Wenn wir es selbst nicht schaffen, müssen wir Hilfe suchen.»

Ein Kind gewähren zu lassen, ist keine moderne Erziehung, sondern die Abwesenheit von Erziehung.

Dem hält «Der Böölimaa» die Frage entgegen, ob gewaltfreie Erziehung nicht vielmehr das Gegenteil bewirken könnte – nämlich eine Jugend, «die sich ein Leben lang nach Erziehung sehnt und dementsprechend ständig Mist baut.»

Dieser Kommentar steht exemplarisch für eine Haltung, die sich mehrfach in der Debatte findet: Viele setzen «gewaltfreie Erziehung» mit «keiner Erziehung» gleich. Das Resultat davon, so «Beni Künzi», sähe man überall: «lausig erzogene Kinder und Jugendliche, die nie eine Leitplanke bekamen.»

Dem stimmt «Peter Uhr» zu: «Ein Kind, das sich schlecht benimmt, muss geschimpft und bestraft werden, es gewähren zu lassen, ist keine moderne Erziehung, sondern die Abwesenheit von Erziehung».

Gewalt auszuüben ist Schwäche und Ohnmacht. Ein Kind lernt nichts durch Gewalt, sondern verliert das Vertrauen.

Dem widerspricht beispielsweise «Unabhängige Chronistin»: «Gewalt auszuüben gegenüber einem Kind ist für mich Schwäche und auch Ohnmacht. Ein Kind lernt nichts durch Gewalt, sondern es verliert das Vertrauen».

Und auch wenn der Grossteil der Debattierenden Gewalt in der Erziehung zwar prinzipiell ablehnt, sehen in ihr viele trotzdem ein probates «letztes Mittel». So wie beispielsweise «Sherayane Marville» aus der «dialog»-Community: «Ich gehe vom Prinzip aus, dass sich das Kind bei minimaler körperlicher Gewalt sagt, dass es diese Handlung nicht tun darf, die zu dieser Bestrafung geführt hat. Hingegen darf jegliche psychologische Gewalt, die es trifft, niemals eine Norm und auch keine Lösung letzter Instanz sein», schreibt sie. «Eine psychische Verletzung heilt sich überhaupt nicht auf dieselbe Weise.»

Die Diskussion zeigt, wie unterschiedlich «gewaltfreie Erziehung» verstanden wird.

Während die einen darin eine Voraussetzung für eine respektvolle Beziehung zwischen Eltern und Kindern sehen, befürchten andere einen Verlust von Autorität und klaren Grenzen. Einig sind sich jedoch die meisten: Kinder brauchen Orientierung und klare Grenzen. Wie sich beides ohne Gewalt vermitteln lässt, bleibt jedoch auch nach der Gesetzesänderung umstritten.

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