Serienkiller in Südafrika? – Neun tote Frauen – und ein Land unter Schock

Neun tote Frauen in neun Wochen. Morde, die alle in der gleichen Gegend stattfanden. Und mehrere Todesopfer, die halb oder vollständig entkleidet gefunden wurden. Im Kempton Park östlich von Johannesburg geht die Angst vor einem Serienmörder um.
Die Slums und Elendsviertel in südafrikanischen Metropolen sind von Gewalt und Kriminalität geprägt. Johannesburg gehört zu den gefährlichsten Grossstädten weltweit. Allein in den drei Monaten zwischen April und Juni wurden in Südafrika 5427 Menschen ermordet – oder im Schnitt 60 pro Tag.
«Was jetzt passiert ist, hat aber noch einmal eine andere Qualität», berichtet ARD-Korrespondent Stephan Ueberbach. «Gerade auch, weil die Opfer ihrem ganz normalen Alltag nachgingen, als sie ermordet wurden.» So waren die Frauen Einkaufen, Joggen, oder auf dem Nachhauseweg von der Arbeit – und trafen dann auf ihren Mörder.
Allerdings: Ob die Taten tatsächlich in Verbindung stehen, ist noch unklar. Dies müsse im Rahmen der Ermittlungen geklärt werden, sagte der amtierende Polizeiminister Firoz Cachalia. «Doch die Möglichkeit, dass es ein oder mehrere Täter gezielt auf Frauen abgesehen haben, erfordert unser schnelles und entschlossenes Handeln.»
Grassierende Gewalt gegen Frauen
Laut dem südafrikanischen Forschungsrat für Humanwissenschaften erlebt ein Drittel aller erwachsenen Südafrikanerinnen körperliche Gewalt. «Die Regierung hat Gewalt gegen Frauen auch schon als zweite Pandemie bezeichnet», sagt Ueberbach. «Diese Mordserie zeigt beispielhaft, wie verwundbar Frauen auch im öffentlichen Raum sind.»
Berüchtigte Serienmordfälle vor der Jahrtausendwende
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Die Mordserie weckt böse Erinnerungen. So waren in den 1980er- und 1990er-Jahren mehrere berüchtigte Serienmörder im Land unterwegs. Darunter der «Station Strangler» (deutsch: «Bahnhofswürger»). Ihm werden mindestens 22 Morde an Knaben und Teenagern zugeschrieben. Ein weiterer Fall: 1997 wurde Moses Sithole wegen der Ermordung von 38 Frauen und 40 Vergewaltigungen zu 2410 Jahren Haft verurteilt.
Landesweit berichten die Medien über die Mordfälle, auch auf Social Media ist die Aufregung gross. Vielerorts kam es zu Demonstrationen, bei denen Frauen und auch Männer mehr Sicherheit im öffentlichen Raum fordern.
Debatte über Einführung der Todesstrafe
«Auch Menschenrechtsorganisationen werfen der Politik vor, nur zu reden und zu wenig gegen die grassierende Gewalt gegen Frauen zu unternehmen», so der ARD-Korrespondent.
Gefordert wird auch, dass die Armee in Wohnvierteln für mehr Sicherheit sorgen soll – weil die Polizei überfordert mit der Situation sei. «Dieses Thema bewegt die Bevölkerung enorm», schliesst Ueberbach. «Auch die Debatte über die Einführung der Todesstrafe kommt derzeit auf.» Ein Zeichen dafür, welch tief sitzende Ängste die Mordserie in der Bevölkerung weckt.
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