Angriffe auf Flughafen in Riad – Die Huthi greifen das Geschäftsmodell Saudi-Arabiens an

Der Konflikt zwischen der Huthi-Miliz im Jemen und Saudi-Arabien eskaliert. Bei einem erneuten Angriff auf den internationalen Flughafen in Riad sind gestern 12 Menschen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt. Und: Die Huthi-Miliz, die vom Iran unterstützt wird, droht mit weiteren Angriffen auf Ziele in Saudi-Arabien. SRF-Nahost-Korrespondentin Christina Brun ordnet ein.
Christina Brun
stv. Auslandskorrespondentin für den Nahen Osten
Christina Brun ist die stellvertretende Auslandskorrespondentin für den Nahen Osten und Redaktorin bei «SRFglobal». Ihre Schwerpunkte sind Geopolitik, internationale Politik und die Entwicklungen im Nahen Osten. Sie spricht Arabisch.
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Was bedeutet dieser Angriff für Saudi-Arabien?
Der Angriff trifft nicht nur einen Flughafen, er trifft das Geschäftsmodell, den Plan, Saudi-Arabien zu einem Ort zu machen, an den die Welt reist und in den sie investiert. Und das ausgerechnet jetzt: Heute Abend beginnt in Riad der Weltenergiekongress, in zwei Wochen folgt das sogenannte Davos in der Wüste, die grösste Investorenkonferenz. Für den Kronprinzen sind diese Anlässe das Schaufenster seiner Vision 2030 – einer Zukunft ohne Öl, mit Tourismus, Expo und Fussball-WM. Nur: Schon vor dem gestrigen Angriff hatten verschiedene Airlines ihre Flüge eingestellt. Das alles funktioniert also nur, wenn Leute herkommen und sich sicher fühlen.
Das Königreich hat eines der grössten Militärbudgets weltweit – welche Optionen hat Kronprinz Mohammed bin Salman?
Militärisch hat er alles und erreicht trotzdem wenig. Trotz Patriot-Systemen und einer modernen Luftwaffe ist der Flughafen der Hauptstadt seit gestern geschlossen. Gegen Drohnen und Raketen in grosser Zahl hilft teure Abwehr nur begrenzt. Und am Boden kämpfen nicht die Saudis selbst, sondern zerstrittene jemenitische Verbündete. Deshalb sucht er Partner. Der Mekka-Pakt mit Pakistan und der Türkei wurde vor einer Woche erstmals aktiviert. Nur: Pakistan sagt, seine Soldaten überschritten die Grenze in den Jemen nicht. Und die Türkei kann nichts zusagen, solange das Parlament in Ankara nichts ratifiziert hat. Syrien hat Hilfe angeboten – gegen Wiederaufbaugeld. Drei Verbündete – und keiner, der mitkämpft. Es bleibt somit nur Washington.
Was erwartet Saudi-Arabien von den USA? Fühlt man sich im Stich gelassen?
Das kann ich mir gut vorstellen. Es war der schwerste Angriff auf das Königreich seit über einem Jahrzehnt. Mohammed bin Salman hat schon im September zweimal mit Trump telefoniert und um Unterstützung gebeten. US-Präsident Donald Trump hat das abgelehnt. Der Grund liegt nicht im Jemen. In drei Wochen sind die Midterms, und ein zweiter Kriegsschauplatz würde die Ölpreise weiter hochtreiben. Dazu kommt: Die Huthi werden vom Iran unterstützt, und den will Trump vor dem 3. November nicht angreifen. Riad muss also warten.
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