Frankreich rüstet sich für nächsten Protesttag
Nach Ausschreitungen Frankreich rüstet sich für nächsten Protesttag
Stand: 23.10.2026 • 22:02 Uhr
Frankreich fürchtet eine weitere Eskalation der aufgeheizten Stimmung. Diesmal will der Staat besser vorbereitet sein. Inmitten dieser Lage erschüttert ein mutmaßlich rassistisch motivierter Anschlag das Land.
Mit einem Akkubohrer werden die letzten Sperrholzplatten verschraubt. Alle Schaufenster des Versicherungsbüros am Boulevard de Magenta in Paris sind jetzt verbarrikadiert. Alain leitet die Arbeiten: "Sie haben hier bereits versucht, Feuer zu legen, obwohl es Wohnungen darüber gibt. Die Geschäftsinhaber haben Angst vor einem erneuten Vorfall, vor allem vor einem Feuer."
Überall im zehnten Arrondissement zwischen dem Gare du Nord und der Place de la République sind die Spuren vom vergangenen Wochenende zu sehen: kaputte Scheiben und heruntergezogene Rollläden.
Tränengas zum Selbstschutz
"Wir haben Angst. Einige übernachten sogar in ihrem Laden", sagt Jeannot, Antiquitätenhändler. Er kommt gerade aus einem Waffenladen im benachbarten zweiten Arrondissement, wo er eine Tränengasgranate gekauft hat.
Er ist einer von vielen, sagt Ladeninhaber Yves Goletty: "Händler, Restaurantbesitzer oder Privatpersonen. Es ist das erste Mal, dass die Leute so besorgt sind. Sie haben Angst bekommen", so der Waffenverkäufer.
Schreck nach staatlichem Kontrollverlust
Es ist der Schreck, dass die Polizei sie nicht mehr schützen konnte und sie teilweise direkt bedroht wurden von den marodierenden Gruppen von Krawallmachern und Plünderern. Damit das nicht noch einmal passiert, schickt die französische Regierung 70.000 Polizisten in den Einsatz, etwas mehr als am vergangenen Samstag. Hinzu kommen Ausgangssperren und Demonstrationsverbote, auch in Lyon und Marseille.
Präsident Emmanuel Macron kündigt an: "Die allgemeine Empfehlung ist, dass es überhaupt keine Demonstrationen gibt. Wenn es gewerkschaftliche Organisatoren sind, werden wir die Strecken bestimmen, ansonsten verbieten wir die Demonstrationen, wo es geht, damit Ruhe herrscht und damit wir die Läden und öffentlichen Gebäude schützen können."
Die französische Regierung will zeigen, dass sie das Land noch unter Kontrolle hat. Die Zeitung Le Parisien zitiert Polizeiquellen, nach denen erneut etwa eine halbe Million Menschen protestieren könnten.
Rassemblement National blickt selbstbewusst auf die Wahl
Bis zu 30.000 von ihnen werden in Orléans erwartet. Hier soll es eine Gegendemonstration zum Parteitag des Rassemblement National geben. Bürgermeister Serge Grouard will Gewaltszenen unbedingt verhindern : "Bei uns wird es kein Chaos geben. Orléans muss geschützt werden", so die Parole des Bürgermeisters.
In der Stadt der französischen Nationalheldin Johanna von Orléans will der Rassemblement National die aktuell gute Startposition für die Präsidentschaftswahl ausbauen.
Spitzenkandidatin Marine Le Pen führt die Umfragen mit großem Vorsprung an - und nimmt die Regierung in die Pflicht, den Parteitag der Rechtsnationalen zu schützen: "Selbstverständlich haben wir Sicherheitsgarantien. Und die Regierung hat verstanden, dass sie dafür sorgen muss, dass der Parteitag unter guten Bedingungen ablaufen kann", erklärt Le Pen.
Wie kam es zu der Gewalt?
Neben aller Wut und Empörung sind sich die meisten Entscheidungsträger quer durch die Parteien einig, dass man zwei Gruppen unterscheiden muss: Da gab es einmal die Demonstrationszüge in einer Reihe von Städten, zwischen 500.000 und 800.000 Menschen in ganz Frankreich, die friedlich für ihre unterschiedlichen sozialen Anliegen protestiert haben.
Und dann gab es eine kleine Gruppe von gewaltbereiten Randalierern, die gezielt Krawalle angezettelt haben. Nach Einschätzung der französischen Regierung waren das vermummte linksradikale Krawallmacher, oft auch als "schwarzer Block" bezeichnet. Darunter sollen sich Gruppen gemischt haben, die von Premier Lecornu als "Kriminelle" bezeichnet wurden, die "plündern und zerstören" wollten. Immer wieder heißt es, letztere würden aus den Pariser Vorstädten kommen.
Von den Rathauschefs in Paris und Marseille kommt aber auch der Vorwurf, die Einsatzleitungen der Polizei hätten die Lage völlig unterschätzt. Die Sicherheitskräfte seien schlicht überfordert gewesen. Diese Szenen der Gewalt werden Frankreich noch lange beschäftigen.
Cai Rienäcker, ARD Paris
Mutmaßlich rassistisch motivierter Angriff verschärft Stimmung
Die Spannungen im ganzen Land könnten noch einmal angeheizt werden durch den Anschlag von Trappes und La Verrière am Vortag der Proteste, im Südwesten der Hauptstadt Paris.
Bei einem mutmaßlich rassistisch motivierten Angriff auf offener Straße soll der 39-jährige vorbestrafte Tatverdächtige nach Auskunft der zuständigen Bürgermeister einen Passanten afrikanischer Herkunft erschossen haben. Zwei der Verletzten sollen Schwarze gewesen sein, einer maghrebinischer Herkunft. Auch ein zwölfjähriges Kind wurde schwer verletzt.
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