Gauck: "Brauchen eine Politik, die näher bei den Menschen ist"
Joachim Gauck war Gastredner auf einer Verdi-Konferenz in Rostock. Zu Beginn konnte ZDF-Hauptstadtstudio-Korrespondentin Britta Spiekermann mit dem früheren Bundespräsidenten sprechen.
12.09.2026 | 3:27 minDer Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag macht Joachim Gauck Sorgen. Die Politik gerate oft an einen Punkt, da "Sachfragen gar nicht mehr so debattiert werden, sondern Gefühlslagen die Wahlentscheidung prägen". Im ZDF sagt er:
Dann kommst du schlecht ran mit deinen Sachargumenten und das ist ein Dilemma, was Politik aber immer hat.
Joachim Gauck, Alt-Bundespräsident
Gauck: "Freiheit und Demokratie" verteidigen
Der Alt-Bundespräsident fürchtet um den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Gerade in Zeiten wie diesen müssten Freiheit und Demokratie wieder stärker verteidigt werden.
Der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, hat Empörung ausgelöst. Im Mittelpunkt stehen Äußerungen zu einem möglichen Einsatz von Rüstungsgütern bei Abschiebeoffensiven.
11.09.2026 | 0:35 minDas unterstrich Gauck am Freitag in Rostock, wo er als Gastredner an einer Verdi-Konferenz teilnahm, die für Brief- und Paketzusteller organisiert wurde. Er sei immer gerne dort, "wo Menschen aktiv werden, wo sie Verantwortung übernehmen", sagte Joachim Gauck vor Beginn der Veranstaltung im Interview mit dem ZDF.
Gauck warnt vor "irrlichternden Politikangeboten"
Mit Blick auf den Zustand der Koalition und die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt sagte der frühere Bundespräsident, es gebe eine große Zahl von Menschen, "die die Politik der liberalen Mitte nicht erreicht" habe. Das sei ein Problem.
Es gibt darunter welche, die wollen einfach, dass alles sich ändert, ohne genau zu wissen, was dann kommen soll. Und da sind viele irrationale Dinge dabei, irrationale Wünsche.
Joachim Gauck, Alt-Bundespräsident
Die Parteien der demokratischen Mitte seien gut beraten, dieses Gefühl, "nicht ausreichend beachtet und gehört" zu werden, ernster zu nehmen. Ansonsten werde mit "irrlichternden Politikangeboten von rechts außen oder auch manchmal von links außen" nur "der Frust gepflegt".
Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt steht Kanzler Merz unter Druck: In Berlin liefern sich Linke und CDU ein Kopf-an-Kopf-Rennen, in Mecklenburg-Vorpommern die AfD mit der SPD.
11.09.2026 | 38:20 minGauck wirbt für mehr Kompromisse und Kommunikation
Deswegen, so der frühere DDR-Bürgerrechtler, "brauchen wir natürlich eine Politik, die näher bei den Menschen ist". Im ZDF sagt er:
Die Menschen müssen sehen, dass die Gewählten den Ernst der Lage erkannt haben. Und dass sie nicht nur entscheiden in die Richtung, was nützt meiner Partei, sondern was nützt meinem Land.
Joachim Gauck, Alt-Bundespräsident
Mehr zum Thema gibt es heute ab 19:10 Uhr bei Berlin direkt. Gesprächsgäste sind CSU-Chef Markus Söder und der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag, Dirk Wiese. Moderiert wird die Sendung von Diana Zimmermann.
Und die Parteien müssten dafür werben, "dass es Kompromisse gibt, die der einen oder anderen Seite schwerfallen". Es brauche eine Kommunikation von oben an die Basis, um "komplizierte Dinge stärker" verständlich zu machen.
Gauck: Nähe zu Menschen "fehlt eben oft"
Menschen in politischer Verantwortung müssten das Gefühl vermitteln: "Wir sind nah bei euch - und diese Nähe fehlt eben oft." Keinesfalls dürfe man glauben, so Gauck, dass das Land keine Zukunft habe. Die Gesellschaftsordnung sei immer eine "Ordnung der Möglichkeiten". Dazu brauche man aber auch "Menschen, die an die Möglichkeiten glauben".
Über das Thema berichtete das ZDF am 12.09.2026 in dem Beitrag: Gauck: "Wir müssen ins Machen kommen".
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