Historisch tiefer Wasserstand – Schiffskapitän auf dem Zürichsee: «Ich bete jeden Tag für Regen»

Seit 35 Jahren ist Pascal Wieders auf dem Zürichsee unterwegs. Doch einen so tiefen Wasserstand wie in diesem Sommer hat er noch nie erlebt. Wegen des sinkenden Pegelstands mussten viele Rundfahrten bei der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) gestrichen werden.
Seit Kurzem fahren nur noch 40 der 107 Kurse, also etwas mehr als ein Drittel. Weil Schiffe an einzelnen Anlagestellen auf Grund laufen oder beschädigt werden könnten, ist ein Normalbetrieb derzeit nicht möglich. Und das macht Schiffsführer Pascal Wieders grosse Sorgen.
Niedrigwasser, wie wir es jetzt kennenlernen müssen, haben wir noch nie gehabt.
Wenn sie mit den Schiffen unterwegs sind, müssten sie unheimlich achtsam und aufmerksam sein. Für Hochwasser hätten sie Tabellen; jetzt, bei «Niedrigwasser», könne man nicht nach vorbereiteten Plänen arbeiten.
Was der tiefe Pegelstand für die Schifffahrt bedeutet
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Bild 1 von 9. Pascal Wieders ist Schiffsführer und seit 35 Jahren auf dem Zürichsee unterwegs. Bildquelle: SRF / Fanny Kerstein.
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Bild 2 von 9. Ein schöner Septembermorgen: Das Schiff «Helvetia» fährt auf die Station «Bürkliplatz» in Zürich zu. Bildquelle: SRF / Fanny Kerstein.
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Bild 3 von 9. Doch das Anlegen ist anders als sonst: Der Steg ist deutlich höher als das Wasser und das Schiff. Passagiere müssen hinabgehen, um ins Schiff zu steigen. Bildquelle: SRF / Fanny Kerstein.
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Bild 4 von 9. Gerade für ältere Passagiere kann der Einstieg eine Herausforderung sein. Bildquelle: SRF / Fanny Kerstein.
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Bild 5 von 9. Die Rampe ist viel steiler als normal. Passagiere müssen aufpassen, dass sie nicht den Kopf anschlagen. Bildquelle: SRF / Christian Mathis.
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Bild 6 von 9. Auf dem Monitor sieht der Schiffsführer die heiklen Stellen. Wo es blaugrün eingefärbt ist, beträgt die Wassertiefe weniger als vier Meter. Bildquelle: SRF / Fanny Kerstein.
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Bild 7 von 9. Viele Passagiere würden extra auf das Schiff kommen, weil sie die Auswirkungen der tiefen Pegelstände sehen möchten. Gerade bei der Ufenau sieht es dramatisch aus, fast wie bei einem Kieswerk, erzählt der Schiffsführer. Bildquelle: SRF / Fanny Kerstein.
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Bild 8 von 9. Beim Anlegen des Schiffes ist besonderes Fingerspitzengefühl gefordert. Schiffsführer Pascal Wieders ist Mitglied der «Taskforce Niedrigwasser». Er weiss, wie man den Seepegel genau im Auge behalten kann. Bildquelle: SRF / Fanny Kerstein.
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Bild 9 von 9. Schiffsführer Pascal Wieders sagt: «Niedrigwasser, wie wir es jetzt haben, hatten wir noch nie.». Bildquelle: SRF / Fanny Kerstein.
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Pascal Wieders hat die Stege und ihre Untiefen höchstpersönlich untersucht. Sogar in der Werft, dem Heimathafen in Wollishofen, gebe es Probleme. Bei einem Tauchgang hat er sich die Stellen genau angeschaut. Bei gewissen Steganlagen könnten Betonfundamente zum Problem werden.
Wegen des tiefen Wasserstands kommt der Schiffsrumpf von gewissen Schiffen den gefährlichen Stellen immer näher. Der Wasserstand ist in diesen Tagen noch gut 405 Meter über Meer. Täglich sinkt er etwas mehr: Pro Tag verliert der Zürichsee im Moment etwa 1 bis 1.5 Zentimeter. Die Mannschaft müsse darum auf neue Bedingungen gefasst sein und den See genau beobachten.
Passagiere kommen extra aufs Schiff
Der Kapitän beobachtet aber auch, dass Passagiere diesen historischen Moment extra erleben wollten. An gewissen Orten sehe es auch dramatisch aus, zum Beispiel bei der Ufenau, sagt Pascal Wieders. Er macht sich grosse Sorgen wegen des tiefen Pegelstands: «Ich hoffe und bete um Regen.»
Seit dem 11. August seien die Passagierzahlen auf dem Zürichsee eingebrochen, sagt die ZSG auf Anfrage. Dies, obwohl sich in den ersten Monaten ein Rekordjahr abzeichnete.
Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang seit Beginn des Niedrigwassers Mitte August. Auch wenn die Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft weniger Kurse fährt, heisst das nicht, dass die Mitarbeitenden nichts mehr zu tun hätten. Die Angestellten beginnen in diesem Jahr früher mit dem Werftprogramm. Sie revidieren die Schiffe oder bauen sie um. Normalerweise startet das Werftprogramm erst nach Saisonschluss am 19. Oktober.
Vorerst keine Besserung in Sicht
Die Baudirektion des Kantons Zürich schreibt auf Anfrage von SRF, die aktuelle Situation sei präzedenzlos. Es bräuchte eine länger andauernde Periode mit ergiebigen Niederschlägen, damit der Pegel in den kommenden Monaten auf das im Winter übliche Niveau ansteigen könne.
Deshalb würden auch Erfahrungswerte fehlen, wie sich die Situation auf die verschiedenen Nutzungen und die ökologische Situation im See und in der Limmat auswirke. Der Pegel stehe kurz vor einem Niveau, das seit mehr als 70 Jahren nicht mehr erreicht worden sei.
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Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 24.9.2026, 12:03 Uhr ; hugk;stat;rama
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