Studie: Flexible Stromnutzung könnte Haushalte 1,65 Milliarden Euro sparen
Würden die deutschen Haushalte ihren Stromverbrauch zeitlich verlagern, dann könnten sie jährlich bis zu 1,65 Milliarden Euro sparen. Das ist das Ergebnis einer Modellrechnung des Energiekonzerns E.ON und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE). Das Potenzial steckt dabei nicht nur in der intelligenten Steuerung von Wärmepumpen oder E-Autos – auch Waschmaschinen, Trockner und Spülmaschinen spielen eine Rolle.
Dazu haben die Studien-Autoren ermittelt, wie viel Strom sich zeitlich verschieben ließe, ohne dass Haushalte auf Komfort verzichten müssten. Für 2026 kommen sie hier auf ein theoretisches Flexibilitätspotenzial von 18,3 Terawattstunden (TWh). Der Wert basiert auf Daten zur Verbreitung der verschiedenen Geräte, typischen Jahresverbräuchen und Annahmen darüber, welcher Anteil des Stromverbrauchs sich zeitlich verlagern lässt. Bei Wärmepumpen gehen die Autoren etwa davon aus, dass man rund zehn Prozent des Gesamtverbrauchs zeitlich verlagern kann – Wärme lässt sich in gut gedämmten Gebäuden zwar über einige Stunden vorhalten, aber nicht beliebig verschieben.
Bei Photovoltaikanlagen unterstellen die Autoren überdies eine starke Optimierung auf Eigenverbrauch und bei Elektroautos fließen Annahmen über Ladeverhalten und die Verfügbarkeit privater Ladepunkte ein. Die ausgewiesenen Werte beschreiben also nicht das reale Verhalten von Haushalten, sondern das technische Potenzial. Ob das tatsächlich gehoben werden kann, ist offen. Insbesondere hängt das davon ab, wie konsequent Haushalte ihren Verbrauch verschieben können und wollen.
Normale Haushaltsgeräte nicht unterschätzen
Durchaus bemerkenswert ist dabei, dass knapp die Hälfte des gesamten Potenzials auf klassische Haushaltsgeräte entfällt, die die Studie als „Mikro-Flexibilitäten“ bezeichnet: Waschmaschinen, Trockner und Spülmaschinen. Sie steuern allein 8,3 TWh bei. Auch ihre Nutzung könne „ohne größere Komforteinbußen intelligent so verschoben werden, dass sie sich netzdienlich dem Stromangebot anpassen“. Rund 96 Millionen solcher Geräte stehen laut der Erhebung in deutschen Haushalten. Die Studie räumt hier selbst ein: Eine zeitliche Verschiebung müsse „häufig selbstständig und händisch“ anhand der Strompreise erfolgen und setze zudem einen Smart Meter voraus.
Die Wärmepumpe gehört definitiv zu den Großverbrauchern im Haushalt. Wärme lässt sich allerdings nicht so komfortabel verschieben, wie etwa die Ladung eines E-Autos, das über Nacht ohnehin niemand braucht. Im Ranking der Geräte mit dem größten Verschiebepotenzial landet sie daher nicht auf den vorderen Plätzen.
(Bild: Stiebel Eltron)
Die restlichen 10 TWh verteilen sich auf Heimspeicher (4,9 TWh), E-Autos (3,6 TWh) und Wärmepumpen (1,5 TWh). Bis 2031 soll sich das Ranking zugunsten von Heimspeichern verschieben, die dann die klassischen Haushaltsgeräte als größten Einzelposten ablösen.
Die errechnete Gesamtersparnis von 1,65 Milliarden Euro setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Rund 762 Millionen Euro entfallen auf Haushalte, die Wärmepumpen, E-Autos oder Heimspeicher über einen dynamischen Tarif oder einen Tarif mit Flexibilitätsbonus steuern – also Strompreismodelle, die günstigere Zeiten finanziell belohnen. Der Rest ergibt sich rechnerisch aus dem flexiblen Betrieb der Haushaltsgeräte.
Laut Studie entsteht „diese Ersparnis, ohne dass weniger Energie verbraucht wird, sondern rein durch die zeitliche Verschiebung von Verbräuchen“. Voraussetzung ist in allen Fällen ein Smart Meter – ein intelligenter Stromzähler, der den Verbrauch in Echtzeit erfasst.
Weniger CO₂ durch Strom zur richtigen Zeit
Neben den finanziellen Effekten ließen sich laut der Studie rund eine Million Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen. Der Grund: Nicht jede Kilowattstunde verursacht gleich viel Emissionen.
Wenn viel Wind- und Solarstrom ins Netz fließt, ist der CO₂-Ausstoß pro verbrauchte Kilowattstunde gering. Wird dagegen in Zeiten hoher Nachfrage Strom aus Gaskraftwerken benötigt, steigt er deutlich. Wer seinen Verbrauch in Zeiten mit viel Ökostrom verlagert, senkt also den eigenen CO₂-Fußabdruck, ohne selbst weniger Strom zu nutzen. Zusätzlich könnten laut der Berechnung bis zu 380.000 Tonnen Erdgas pro Jahr eingespart werden, das sonst in Gaskraftwerken verfeuert würde.
Kurzum: Die Autoren sehen in der Verbrauchsflexibilität einen wichtigen Hebel für das Energiesystem der Zukunft. Um diese tatsächlich zu erschließen, brauche es jedoch die technische und regulatorische Grundlage. Dazu zählen intelligente Stromzähler (Smart Meter), Tarife mit finanziellen Anreizen zur Lastverschiebung sowie eine stärkere Automatisierung steuerbarer Verbraucher wie Wärmepumpen, Heimspeicher und Elektroautos.
Die Studie versteht sich damit zugleich als Argument für einen schnelleren Ausbau dieser Infrastruktur. Denn je stärker sich Verbrauch und erneuerbare Stromerzeugung zeitlich aufeinander abstimmen lassen, desto effizienter könne das Stromsystem arbeiten und desto häufiger könne günstiger Wind- und Solarstrom tatsächlich seine Wirkung entfalten.
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