Lost Place am Walensee – Nach 20 Jahren: Neues Leben für die Geisterraststätte

Lost Place am Walensee Nach 20 Jahren: Neues Leben für die Geisterraststätte
Seit über 20 Jahren steht die Raststätte am Walensee leer. Nun soll aus dem Lost Place ein Ort der Begegnung werden.
Wer auf der A3 am Walensee von Chur nach Zürich unterwegs ist, kennt sie: die ehemalige Raststätte direkt am Seeufer. Seit über 20 Jahren steht das markante Gebäude leer und verfällt zusehends. Aus dem einstigen Pausenstopp für Reisende ist einer der bekanntesten Lost Places der Schweiz geworden. Die Geisterraststätte wurde zu einem Sinnbild für Stillstand.
Im Innern erinnern nur noch wenige Spuren an die früheren Zeiten. Vandalen verwüsteten Teile des Gebäudes, Fenster wurden eingeschlagen, Wasser drang in die Räume ein. Seit einigen Monaten herrscht hier aber wieder Betrieb: Räume werden geräumt, Material abtransportiert und die Substanz untersucht.
Die treibende Kraft hinter der Sanierung ist der Liechtensteiner Rudolf Hilti. Er hat mit dem jetzigen Eigentümer eine Vereinbarung zur Übernahme getroffen.
Wir sind am Aufräumen – und es ist noch viel Aufwand.
Später will er die ehemalige Raststätte später in eine Stiftung überführen. Gegenüber SRF sagt er: «Wir sind am Aufräumen und versuchen, die Raststätte wieder herzurichten. Es ist noch viel Aufwand.» Was genau hier entstehen soll, ist noch offen. Die Vision von Rudolf Hilti, der die Zukunft der Raststätte prägen will, geht weit über eine gewöhnliche Sanierung hinaus.
Vorgesehen ist ein Ort für Begegnungen, Ausstellungen, Kultur und neue Ideen. Rudolf Hilti schwebt «ein Museum für die Zukunft» vor, das Innovation, Wissenschaft, Unternehmertum und Kunst zusammenbringen soll. «Wir suchen nicht die alten, grossen Kunstwerke, es geht vielmehr um Werke, die vielleicht noch gar nicht existieren.»
Dabei hat die Raststätte bereits einige Jahrzehnte hinter sich: Gebaut wurde sie Ende der 1960er-Jahre.
Besonders in den 1970er- und 1980er-Jahren war sie ein beliebter Halt an der viel befahrenen Walenseestrasse.
Mit dem Auto ist die Raststätte heute nicht mehr erreichbar. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat die Autobahnausfahrt vor Jahren gesperrt. Als Grund nennt sie die zu kurze Beschleunigungsstrecke bei der Einfahrt. Zudem sei es nicht zulässig, ein privates Grundstück direkt über die Autobahn zu erschliessen. Deshalb richtet sich der Blick nun auf den Walensee.
Der Spot hier wäre perfekt.
Die Schiffsbetrieb Walensee AG kann sich vorstellen, die ehemalige Raststätte künftig mit einem festen Kursschiff-Halt anzubieten. Dafür wäre allerdings ein neuer Steg nötig. Geschäftsführer Daniel Grünenfelder ist von der Idee angetan: «Der Spot hier wäre perfekt.»
Was vielversprechend klingt, ist vorerst nicht mehr als eine Vision. Noch fehlen Bewilligungen und konkrete Pläne. Auch ob das Projekt auf Widerstand stossen wird, ist offen. Rudolf Hilti nimmt es gelassen: «Es braucht Widerstand, sonst macht man ja nichts Neues.»
Die Geschichte des Ortes ist geprägt von gescheiterten Plänen. Nach der Schliessung im Jahr 2003 blieb die Raststätte mehr als zwei Jahrzehnte sich selbst überlassen. Verschiedene Ideen für eine Neunutzung scheiterten, unter anderem an Fragen der Erschliessung und an Differenzen mit dem Bundesamt für Strassen (ASTRA). Erst die jüngsten Aufräum- und Sicherungsarbeiten brachten wieder Bewegung in den Lost Place.
Vieles bleibt also noch ungewiss. Klar ist jedoch: Nach mehr als zwei Jahrzehnten Stillstand herrscht in der Geisterraststätte wieder Betrieb. Ob daraus tatsächlich ein Kultur- und Begegnungsort entsteht, wird sich erst zeigen. Die vielleicht bekannteste Ruine am Walensee hat aber wieder eine Perspektive.
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