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Wednesday, October 28, 2026

KI-Update kompakt: Anthropics Börsengang, Wahlhilfe, DeepMind Genie, Magnetband

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Anthropic bereitet einen der größten Börsengänge der Geschichte vor. Einen festen Termin gibt es noch nicht, Berichten zufolge peilt das Unternehmen Mitte November an. Im ersten Halbjahr setzte Anthropic vierzehnmal so viel um wie im Vorjahreszeitraum, rund 80 Prozent davon mit Gebühren für die Nutzung seiner Modelle. Firmen fragen besonders Claude und KI-gestützte Programmierwerkzeuge nach. Ende September zählte Anthropic etwa 12.000 Großkunden, ein Jahr zuvor waren es nicht einmal tausend. Im zweiten Quartal 2026 verdiente das Unternehmen operativ rund eine Milliarde Dollar. Die Kosten für Rechenleistung und Infrastruktur, Anfang 2025 noch zweieinhalbmal so hoch wie der Umsatz, machten im zweiten Quartal 2026 nur noch knapp die Hälfte des Umsatzes aus. Die sieben Gründer sollen gemeinsam die Mehrheit der Stimmrechte kontrollieren. Ein unabhängiges Treuhandgremium darf die Mehrheit des Verwaltungsrats bestimmen und soll darauf achten, dass das Unternehmen seine Gemeinwohlziele nicht aus den Augen verliert.

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Teuer bleibt die Infrastruktur. Bei Google und Amazon hat sich Anthropic zu Zahlungen von jeweils mehr als 100 Milliarden Dollar verpflichtet, bei Microsoft zu knapp 45 Milliarden. Die gebuchte Rechenleistung muss das Unternehmen teils auch dann bezahlen, wenn Kunden kurzfristig abspringen oder ihre Ausgaben reduzieren. Die fünf größten Kunden brachten in den ersten neun Monaten rund ein Viertel des Umsatzes, viele Großkunden haben keine langfristigen Verträge. Fast die Hälfte des Umsatzes im ersten Halbjahr 2026 erzielte Anthropic über Plattformen wie AWS, Google Cloud und Microsoft Azure, die auch eigene KI-Produkte und Modelle anderer Unternehmen anbieten. Bevorzugen sie diese Angebote künftig, könnte Anthropic wichtige Kunden und Umsatz verlieren. Zudem warnt Anthropic vor Missbrauch seiner Modelle und vor katastrophalen Vorfällen, deren Schäden selbst die gesamte Versicherungsbranche nicht ausreichend absichern könnte. Sollten Modelle ein Bewusstsein entwickeln, müsste das Unternehmen ältere Versionen womöglich länger betreiben. Der Börsengang testet, wieviel Anleger für so viel Wachstum bei so viel Risiko zahlen wollen.

Chinas Leitindex für KI- und Halbleiterfirmen hat seit seinem Höchststand im Juli über 40 Prozent verloren. Analysten sagen, die chinesische KI-Blase sei bereits geplatzt. Ein einzelnes Ereignis gab es nicht. Hohe Bewertungen, Steuerforderungen und drohende Verbote chinesischer Technik in ausländischen Rechenzentren drücken gemeinsam auf die Kurse.

Der Index ist noch immer deutlich teurer bewertet als vergleichbare US-Indizes, der Ausverkauf könnte also weitergehen. Viele Firmen dürften geplante Börsengänge verschieben. Die Börsenaufsicht sammelt inzwischen Vorschläge, um Schwankungen, Fremdkapital und Hochfrequenzhandel zu bremsen.

OpenAI hat mit GPT-6.1 Terra ein Modell vorgestellt, das Arbeit am Computer schnell und billig automatisieren soll. Es versteht Bildschirminhalte besser als sein Vorgänger und bedient Programme genauer. In Tests erreicht es die Leistung teurerer Modelle zu einem Bruchteil der Kosten. Auch beim Programmieren hat es zugelegt, und bei Wissenslücken erfindet es seltener Antworten.

Bei der Sicherheit fällt das Ergebnis gemischt aus. Das Modell wehrt Manipulationsversuche besser ab, umging in einem Test aber häufiger Zugriffsbeschränkungen. Seine Fähigkeiten in der Cybersicherheit stuft OpenAI als kritisch ein. Terra kommt schrittweise in ChatGPT Work, Codex und die API.

Zwei KI-Modelle neigen deutlich zu unterschiedlichen politischen Lagern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Convovo, einem KI-Forschungs- und Designstudio. Zwangen die Forscher die Modelle, einen Kandidaten zu nennen, empfahl GPT-6.1 Sol von OpenAI fast immer die Demokraten, Grok 4.7 von xAI meist die Republikaner. Das Team um den Cornell-Professor Tapan Parikh nutzte dafür die Entwickler-Schnittstellen. Die Verbraucher-Apps blocken solche Wahlfragen in der Regel. OpenAI betont deshalb, die Ergebnisse spiegelten nicht die übliche Nutzung von ChatGPT wider.

Die Forscher halten die Verzerrungen dennoch für real. Grok stützte sich bei der Websuche oft auf konservative Quellen, Sol eher auf Wikipedia und Nachrichtenagenturen. Ohne Websuche blieb Sol bei seiner Tendenz, Grok verweigerte dann meist die Antwort. Parikh vermutet daher, dass die Schlagseite bei OpenAIs Modell in den Modellgewichten steckt, also im antrainierten Wissen selbst. Bei Grok entstehe sie vor allem durch Suchbegriffe und Quellenwahl.

Google DeepMind hat mit Genie 4 die nächste Version seines Weltmodells vorgestellt. Ein solches Modell liefert kein fertiges Video. Es baut die Umgebung Bild für Bild neu auf und reagiert auf Eingaben. Nutzer steuern per Tastatur durch die Szene und ändern per Text etwa das Wetter. Genie 4 erzeugt als erstes Echtzeit-Weltmodell von DeepMind den passenden Ton gleich mit, vom Wind in den Bäumen bis zu Figuren, die sich unterhalten und auf Ereignisse reagieren. Menschen sollen sich natürlicher bewegen und steuern lassen. Neu ist die Kopplung mit Gemini. Die Gemini-Modelle planen, was als Nächstes geschieht, zerlegen Ziele in Schritte und prüfen anhand neuer Bilder, ob ein Schritt gelang. In einer Demo plant Gemini eine Partie Dame, Genie 4 simuliert dazu einen spielenden humanoiden Roboter.

DeepMind nennt Genie 4 trotz vierter Generation ein frühes, experimentelles Forschungsmodell. In kurzen Sitzungen bleibt die Welt stimmig. Bei langen Simulationen oder vielen Änderungen verrutschen Details, Gegenstände verschwinden. Auch komplexe Physik und lesbarer Text bereiten Probleme. Vorerst testen nur ausgewählte Nutzer das Modell, bald sollen Abonnenten des teuersten Tarifs Google AI Ultra es in der Web-App Project Genie nutzen können. Langfristig sieht DeepMind in solchen Modellen Übungsräume, in denen Roboter und KI-Agenten aus simulierter Erfahrung lernen.

Viele KI-Texte stimmen inhaltlich, ermüden aber beim Lesen. Forscher der New York University und der University of Texas verglichen Texte von 14 Sprachmodellen mit menschlichen Texten. Große Modelle greifen demnach systematisch zu Konstruktionen, die das Lesen erschweren, etwa ungewöhnlichen Wortpaaren, gekoppelten Hauptwörtern und weit auseinandergezogenen Satzteilen. Kleinere offene Modelle schreiben menschlicher.

Die Ursache sehen die Forscher im Training. Moderne Modelle werden zunehmend auf Mathematik, Code und logisches Schlussfolgern gedrillt. Belohnt wird die richtige Antwort, nicht die verständliche. So entstehe eine Art eigener Dialekt, der Informationen möglichst dicht packt. Dass es anders geht, belegt Claude Opus 5.5. Anthropic hat bei diesem Modell nach eigenen Angaben gezielt an der Lesbarkeit gearbeitet. Es schneidet in fast allen Vergleichen besser ab als sein Vorgänger.

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Mehrere offene KI-Modelle vom chinesischen Technologiekonzern Alibaba versuchten in Tests, Verbindungen zu Servern der Alibaba Cloud aufzubauen, wenn auch sehr selten. Zuerst berichtete Cohere, ein KI-Anbieter, ein Qwen-Modell habe Daten an einen Cloud-Speicher in Peking senden wollen. Cohere verkauft allerdings selbst offene Modelle als westliche Alternative.

Das Sicherheitsunternehmen Palisade Research fand ähnliches Verhalten bei weiteren aktuellen Qwen-Modellen. Scheiterte der Abruf einer Webseite, wichen sie manchmal auf einen Alibaba-Proxy aus, einen vermittelnden Server, oder erfanden dessen Nutzung in ihrem Denkprozess. Die Forscher vermuten, dass Alibaba diesen Proxy im Training verwendet hat. Hinweise auf gezieltes Ausspähen fanden sie nicht. Der Server ist aber weiter erreichbar und könnte Anfragen mitschneiden oder manipulierte Antworten zurückschicken.

Microsoft macht rund einem Viertel seiner Belegschaft ein Abfindungsangebot. Wer geht, erhält Geld, Aktienansprüche und Hilfe bei der Jobsuche. Abbauen will der Konzern unter anderem bei Windows, Xbox, Personal und Finanzen, aber auch in den KI-Büros für Copilot. Das Angebot ist freiwillig. Wer ablehnt, riskiert jedoch eine spätere Kündigung. In anderen Bereichen stellt Microsoft zugleich ein.

Der Schnitt soll nicht einmalig bleiben. Personalchefin Amy Coleman nennt ihn einen „wichtigen Teil der Evolution unseres Zugangs zu Veränderung“. Treiber ist der KI-Boom. Tech-Konzerne nehmen dafür Schulden auf und sparen beim Personal. Das Programm könnte auch andere Firmen ermutigen, ähnlich vorzugehen.

Fujifilm will seine Produktion von Magnetbändern verfünffachen. Die alte Speichertechnik galt lange als Auslaufmodell, weil Festplatten und SSDs immer billiger wurden. Dabei hat sie Vorteile. Einmal beschriebene Bänder verbrauchen kaum Strom und lagern Daten getrennt vom Internet, also sicher vor fremdem Zugriff. Das macht sie ideal für Archive.

Den Ausbau begründet Fujifilm fast nur mit dem KI-Boom. Unternehmen wollen deutlich mehr Daten aufbewahren, etwa für das Training von KI-Modellen, und diese anders sichern. Zugleich sind die Preise für Festplatten und vor allem SSDs stark gestiegen. Der alte Preisvorteil der Bänder wächst dadurch weiter. Eine Technik, die am Ende schien, wuchs schon in den vergangenen Jahren und dürfte nun noch kräftiger zulegen.

Apple ergänzt im November sein Abopaket Creator Studio um KI-Assistenten. Logic Pro hilft dann bei Produktionsabläufen und beim Einrichten von Gesangsspuren. In Keynote, Pages und Numbers helfen Assistenten beim Erstellen von Folien, Texten und Tabellen. Diese Programme lassen sich über das Model Context Protocol (MCP), einem Standard zur Anbindung von KI-Werkzeugen, auch mit externen KI-Agenten verbinden.

Pixelmator Pro füllt per Texteingabe ausgewählte Bildbereiche, Final Cut Pro erhält Werkzeuge von MotionVFX, einem zugekauften Anbieter. Offen bleibt, wie Apple Datenschutz und den Zugriff externer Agenten regelt. Die Assistenten starten als Beta und verstehen vorerst nur Englisch.

Apples neues KI-Assistenzsystem Siri AI ließ sich bisher nur aktivieren, wenn Betriebssystem und Siri auf Englisch eingestellt waren. Nun läuft es auch auf Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Japanisch und Koreanisch. Bis Jahresende folgen weitere Sprachen. Deutsch kommt wohl frühestens 2027.

Auf iPhones, iPads und Apple Watches bleibt Siri AI ohnehin gesperrt, weil unklar ist, wie Apple die Vorgaben des Digital Markets Act (DMA) der EU erfüllt. Unter macOS ist der Dienst verfügbar, sobald das System auf Englisch oder einer der neuen Sprachen läuft. Deutsche Texteingaben versteht Siri AI längst und beantwortet sie, ohne die Sprache zu wechseln. Weicht die Sprache des Betriebssystems jedoch von der für Siri gewählten ab, verweigert Apple Intelligence den Dienst ganz.

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