Politik zum Mitspielen – Wieso die US-Regierung aus Trumps Politik Retro-Spiele macht

Das Weisse Haus hat Trumps Politik in Retro-Games verpackt und unter dem Namen «Arcade» mehrere Spiele veröffentlicht. Politikwissenschaftler Philipp Adorf erklärt, was die Trump-Regierung damit erreichen will und welche Botschaften dahinter stecken.
Philipp Adorf
Politikwissenschaftler an der Universität Bonn
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Philipp Adorf ist Privatdozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bonn. Er forscht vor allem zur US-Politik, zur Republikanischen Partei, zu Rechtspopulismus, Polarisierung und Verschwörungstheorien.
SRF: Welche Ziele verfolgt die Trump-Regierung mit diesen Spielen?
Philipp Adorf: Erstens soll damit Aufmerksamkeit generiert werden. Mit einem relativ geringen Aufwand entsteht hier eine relativ grosse Reichweite für die eigene Politik. Es wurde auch sofort international darüber berichtet. Ein zweiter Faktor ist die Mobilisierung der eigenen Wählerschaft mit Blick auf die Midterms.
Dieses Beispiel zeigt, wie die Trump-Regierung rassistische Ressentiments salonfähig gemacht hat.
Drittens soll damit die Trump'sche Interpretation der Politik verbreitet werden. Man schlägt den Gegner, man sichert die Grenze, man sammelt Geld – das ist alles Teil dieser Spiele. Natürlich mit Fokus auf die Migrationspolitik.
Der Inhalt der Spiele wurde auch kritisiert. Welche Botschaft vermitteln sie?
Kontrovers ist vor allem, dass Spielerinnen und Spieler an der Grenze irreguläre Migranten einfangen sollen. Dieses Beispiel zeigt, wie die Trump-Regierung rassistische Ressentiments salonfähig gemacht hat.
Die Spiele sollen diejenigen ansprechen, die mit einem Gameboy oder ganz alten Handy aufgewachsen sind.
In den 80er- und 90er-Jahren hätten konservative Kreise dafür noch Codewörter genutzt. Nun wird ganz offen die Botschaft verbreitet: «Hier sind Nichtweisse. Die müssen wir daran hindern, ins Land zu kommen.» Das ist Teil der grösseren Politik. Aber es ist eben auch Teil dieser Spiele.
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Bild 1 von 2. Das Ziel des Spiels «Rio Run» ist es, jede Person einzusammeln, welche die Grenze übertritt. Es funktioniert ähnlich wie das Handyspiel «Snake». Bildquelle: White House/Screenshot X-Post.
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Bild 2 von 2. Das Weisse Haus hat auf einer eigenen Homepage namens «Arcade» mehrere Spiele im Retrostil veröffentlicht. Bildquelle: White House/Screenshot X-Post.
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Wieso haben die Spiele diesen Retrolook?
Daran kann man erkennen, wen diese Spiele ansprechen sollen. Das ist nicht unbedingt die jüngste Generation, sondern diejenigen, die in den 80ern und 90ern mit einem Gameboy oder ganz alten Handys aufgewachsen sind. Diese Retro-Ästhetik passt auch zum nostalgischen Aspekt der Maga-Bewegung und der Rückkehr in die Vergangenheit, in der es dem Land vermeintlich besser ging. Zudem soll der einfache Aufbau natürlich auch Leute animieren, schnell mitzuspielen.
Die Trump-Regierung benutzt nicht zum ersten Mal Game-Elemente. Hat das System?
Man sieht eine Gamification der gesamten politischen Kommunikation bei Trump. Das ist ein allgemeiner Trend, nicht nur bezogen auf Spiele, sondern auf verschiedene Aspekte der Internetkultur.
Gamification als Vereinfachung der Politik
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Gamification – also die Einbindung spielerischer Elemente zur Motivationserhöhung – sollte man laut Philipp Adorf nicht unbedingt verteufeln. Spiele könnten etwa dazu dienen, gewisse komplexere Zusammenhänge anschaulich und der Politik zugänglich zu machen.
Bei der Trump-Politik ist das aber genau nicht der Fall. «Man muss schon sagen, dass politische Inhalte bei Trump sehr stark reduziert werden. Es wird nicht mehr erklärt, was die Motivation hinter einer bestimmten Form der Politik ist. Es gibt hier keine politische Bildung. Sondern es geht einzig und allein um Werbung für Trumps Entscheidungen», sagt Adorf.
Trump profitierte etwa schon 2016 von der damaligen Alt-Right, die neue Formen wie Internet-Memes benutzte. Das hier ist in gewisser Hinsicht einfach die logische Fortführung.
Wie kommen diese Spiele bei der eigenen Wählerschaft an?
Das ist schwierig zu beantworten. Trumps Wählerschaft ist müde geworden hinsichtlich seines Verhaltensmusters. Der durchschnittliche Trump-Wähler blickt auf die Preise an der Zapfsäule, auf die Inflation und auf einen andauernden Krieg im Iran. Da ist so ein Spiel nicht wirklich etwas, was einen beruhigt.
Negative Aufmerksamkeit als Art der politischen Provokation ist für Trump oft nützlich.
Trumps Beliebtheitswerte sind noch mal niedriger, als sie während seiner ersten Amtszeit waren. Selbst die eigene Wählerschaft findet: «Konzentriert euch doch mal auf die wirklich aktuellen, konkreten politischen Probleme.»
DasTetris-ähnliche Spiel «Build The Wall» wurde nach Kritik von Tetris wieder entfernt. Wieso rudert die US-Regierung zurück?
Ein bisschen negative Aufmerksamkeit als Art der politischen Provokation ist für Trump oft nützlich. Aber wenn ein konkretes Copyright-Problem auftritt, dann bringt das wenig politischen Gewinn. Aus Trumps Perspektive wurde das Ziel innerhalb von ein paar Stunden sowieso schon erreicht – nämlich Aufmerksamkeit generieren.
Trump-Regierung bedient sich ungefragt
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Trump und seine Regierung bedient sich immer wieder ungefragt an Spielen, Musik und Bildern und wird dafür auch immer wieder kritisiert. Und die Konsequenzen?
Laut Philipp Adorf ist das genau die Strategie der Trump-Regierung. «Man schaut erst einmal, wie weit man gehen kann. Was dann ein paar Tage später passiert – Dispute mit Unternehmen oder mit Künstlerinnen – ist dann komplett sekundär», sagt er. So könne man im Nachhinein durchaus auch Spiele einfach wieder entfernen.
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